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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 8. Aufl. Göttingen, 1807.

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§. 189.

Weit allgemeiner aber, als alle diese Fort-
pflanzungswege und beynahe im ganzen Pflan-
zenreiche verbreitet, ist endlich die dritte Art
(§. 185.) mittelst der Blüthe, die darnach
zum Theil zur Frucht, oder auf andre Weise
zu Samen reift. Diese nähmlich, sie mag
übrigens gestaltet seyn wie sie will, sie mag
einzeln stehen oder mehrere zusammen in
einer Traube oder Aehre oder Kätzchen etc.
verbunden seyn, enthält in ihrer Mitte auf
dem so genannten Fruchtboden (receptacu-
lum
), verschiedne ausgezeichnet gebildete
Theile, von welchen einige männlich, andere
weiblich sind; und diese müssen, wenn die
Zeit der Fortpflanzung herbey gekommen ist,
von jenen befruchtet werden. In Rücksicht
ihrer Bestimmung und Verrichtung haben
also diese vegetabilischen Organe viele Aehn-
lichkeit mit den Zeugungswerkzeugen der
Thiere. Doch unterscheiden sie sich schon da-
durch sehr auffallend, daß sie den Gewächsen
nicht so wie den Thieren angeboren und lebens-
lang bleibend sind, sondern daß sich zu jeder
neuen Zeugung auch jedes Mahl neue Werk-
zeuge bilden müssen.

Anm. Was oben (§. 136.) gesagt worden, daß man
das Leben vieler Insecten durch verzögerte Paa-
rung verlängern könne, findet gewisser Maßen
auch bey den Blüthen vieler Gewächse statt. Die
Geschlechtstheile im weiblichen Hanf z. B. halten

§. 189.

Weit allgemeiner aber, als alle diese Fort-
pflanzungswege und beynahe im ganzen Pflan-
zenreiche verbreitet, ist endlich die dritte Art
(§. 185.) mittelst der Blüthe, die darnach
zum Theil zur Frucht, oder auf andre Weise
zu Samen reift. Diese nähmlich, sie mag
übrigens gestaltet seyn wie sie will, sie mag
einzeln stehen oder mehrere zusammen in
einer Traube oder Aehre oder Kätzchen ꝛc.
verbunden seyn, enthält in ihrer Mitte auf
dem so genannten Fruchtboden (receptacu-
lum
), verschiedne ausgezeichnet gebildete
Theile, von welchen einige männlich, andere
weiblich sind; und diese müssen, wenn die
Zeit der Fortpflanzung herbey gekommen ist,
von jenen befruchtet werden. In Rücksicht
ihrer Bestimmung und Verrichtung haben
also diese vegetabilischen Organe viele Aehn-
lichkeit mit den Zeugungswerkzeugen der
Thiere. Doch unterscheiden sie sich schon da-
durch sehr auffallend, daß sie den Gewächsen
nicht so wie den Thieren angeboren und lebens-
lang bleibend sind, sondern daß sich zu jeder
neuen Zeugung auch jedes Mahl neue Werk-
zeuge bilden müssen.

Anm. Was oben (§. 136.) gesagt worden, daß man
das Leben vieler Insecten durch verzögerte Paa-
rung verlängern könne, findet gewisser Maßen
auch bey den Blüthen vieler Gewächse statt. Die
Geschlechtstheile im weiblichen Hanf z. B. halten

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[508/0532] §. 189. Weit allgemeiner aber, als alle diese Fort- pflanzungswege und beynahe im ganzen Pflan- zenreiche verbreitet, ist endlich die dritte Art (§. 185.) mittelst der Blüthe, die darnach zum Theil zur Frucht, oder auf andre Weise zu Samen reift. Diese nähmlich, sie mag übrigens gestaltet seyn wie sie will, sie mag einzeln stehen oder mehrere zusammen in einer Traube oder Aehre oder Kätzchen ꝛc. verbunden seyn, enthält in ihrer Mitte auf dem so genannten Fruchtboden (receptacu- lum), verschiedne ausgezeichnet gebildete Theile, von welchen einige männlich, andere weiblich sind; und diese müssen, wenn die Zeit der Fortpflanzung herbey gekommen ist, von jenen befruchtet werden. In Rücksicht ihrer Bestimmung und Verrichtung haben also diese vegetabilischen Organe viele Aehn- lichkeit mit den Zeugungswerkzeugen der Thiere. Doch unterscheiden sie sich schon da- durch sehr auffallend, daß sie den Gewächsen nicht so wie den Thieren angeboren und lebens- lang bleibend sind, sondern daß sich zu jeder neuen Zeugung auch jedes Mahl neue Werk- zeuge bilden müssen. Anm. Was oben (§. 136.) gesagt worden, daß man das Leben vieler Insecten durch verzögerte Paa- rung verlängern könne, findet gewisser Maßen auch bey den Blüthen vieler Gewächse statt. Die Geschlechtstheile im weiblichen Hanf z. B. halten

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 8. Aufl. Göttingen, 1807, S. 508. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1807/532>, abgerufen am 17.08.2022.