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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 9. Aufl. Wien, 1816.

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sten von Gewächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu
dieser Erhohlung angewiesen; doch halten sich auch
manche von diesen, wie z. B. der Siebenschläfer etc.,
besonders aber viele Raubthiere, wohin zumahl die
mehresten Fische gehören, auch manche Insecten und
Gewürme, am Tage verborgen und gehen des Nachts
ihren Geschäften nach, weßhalb sie animalia noctur-
na
genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in der
Ökonomie vieler Thiere noch die sehr bequeme Einrich-
tung, daß sie einen beträchtlichen Theil des Jahrs,
und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen
schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sorgen*),
in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie ver-
kriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an sichere,
schaurige Orte; und fallen mit einbrechender Kälte in
eine Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die
erwärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden.
Diese Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerkliche
Wärme übrig behalten (s. oben S. 7.), und daß die
Puppen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre
Verwandlung bestehen, im Winter oft so durchfroren
sind, daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thie-
res unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen,
wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel,
hingegen die mehresten Amphibien, Winterschlaf.

*) "Ergo in hiemes aliis provisum pabulum, aliis pro cibo som-
nus
."
Plinius.

sten von Gewächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu
dieser Erhohlung angewiesen; doch halten sich auch
manche von diesen, wie z. B. der Siebenschläfer ꝛc.,
besonders aber viele Raubthiere, wohin zumahl die
mehresten Fische gehören, auch manche Insecten und
Gewürme, am Tage verborgen und gehen des Nachts
ihren Geschäften nach, weßhalb sie animalia noctur-
na
genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in der
Ökonomie vieler Thiere noch die sehr bequeme Einrich-
tung, daß sie einen beträchtlichen Theil des Jahrs,
und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen
schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sorgen*),
in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie ver-
kriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an sichere,
schaurige Orte; und fallen mit einbrechender Kälte in
eine Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die
erwärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden.
Diese Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen
Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerkliche
Wärme übrig behalten (s. oben S. 7.), und daß die
Puppen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre
Verwandlung bestehen, im Winter oft so durchfroren
sind, daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thie-
res unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen,
wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel,
hingegen die mehresten Amphibien, Winterschlaf.

*) Ergo in hiemes aliis provisum pabulum, aliis pro cibo som-
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[35/0054] sten von Gewächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu dieser Erhohlung angewiesen; doch halten sich auch manche von diesen, wie z. B. der Siebenschläfer ꝛc., besonders aber viele Raubthiere, wohin zumahl die mehresten Fische gehören, auch manche Insecten und Gewürme, am Tage verborgen und gehen des Nachts ihren Geschäften nach, weßhalb sie animalia noctur- na genannt werden. §. 32. Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in der Ökonomie vieler Thiere noch die sehr bequeme Einrich- tung, daß sie einen beträchtlichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sorgen *), in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie ver- kriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an sichere, schaurige Orte; und fallen mit einbrechender Kälte in eine Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die erwärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden. Diese Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerkliche Wärme übrig behalten (s. oben S. 7.), und daß die Puppen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung bestehen, im Winter oft so durchfroren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thie- res unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen läßt. So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel, hingegen die mehresten Amphibien, Winterschlaf. *) „Ergo in hiemes aliis provisum pabulum, aliis pro cibo som- nus.“ Plinius.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 9. Aufl. Wien, 1816, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1816/54>, abgerufen am 15.08.2022.