Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 9. Aufl. Wien, 1816.

Bild:
<< vorherige Seite
I. Testacea.

In zahllosen Gattungen; und was dabey beson-
ders merkwürdig, mitunter auch Lagen von Fluß-
conchylien abwechselnd zwischen solchen, die nach al-
ler Analogie im Meere gelebt haben müssen*).

A) Bestimmbare.

So wie es scheint, z. B. unier den Muscheln
diejenige gemeine Gattung von wirklich petrificirten
Terebratuliten im Flötz-Kalkstein, die der
Glas-Bohrmuschel (Anomia vitrea) gleicht, und
nach dem alten Typus in der Vorwelt nun auch in
der nachwärtigen jetzigen Schöpfung regenerirt
worden.

Und unter den Schnecken die calcinirte Trö-
delschnecke
(Trochus lithophorus), die sich in
Piemont im aufgeschwemmten Lande findet.

B) Zweifelhafte.

Z. B. Von vielschaligen Conchylien der schö-
ne Balanites porosus aus dem Osnabrückischen**),
der besonders durch den merkwürdigen Umstand für
die Archäologie unsers Planeten lehrreich wird, daß
er nicht selten in aller seiner Integrität auf einzel-
nen glatt abgerundeten Geröllen aufsitzt***).

Unter den Muscheln die sehr großen Tere-
bratuliten
ebenfalls im Osnabrückischen+).

Und unter den Schnecken die fast fußlangen
calcinirten Strombiten aus dem aufgeschwemm-
ten Lande in Champagne.

*) Vergl. G. Cuvier et Alex. Brogniart Essai sur la Geogra-
phie mineralogique des Environs de Paris
. 1811. 4.
**) Eben daselbst. tab. 1. fig. 1.
***) Eine Art des Vorkommens, das der gelehrte Mineraloge
Guettard bey fossillen Conchylien ganz bezweifelte. s. Mem.
de l'Acad. des scienc. de Paris
v. J. 1759. S. 204. 206.
+) In dem eben angeführten Specimen tab. 1. fig. 4.
I. Testacea.

In zahllosen Gattungen; und was dabey beson-
ders merkwürdig, mitunter auch Lagen von Fluß-
conchylien abwechselnd zwischen solchen, die nach al-
ler Analogie im Meere gelebt haben müssen*).

A) Bestimmbare.

So wie es scheint, z. B. unier den Muscheln
diejenige gemeine Gattung von wirklich petrificirten
Terebratuliten im Flötz-Kalkstein, die der
Glas-Bohrmuschel (Anomia vitrea) gleicht, und
nach dem alten Typus in der Vorwelt nun auch in
der nachwärtigen jetzigen Schöpfung regenerirt
worden.

Und unter den Schnecken die calcinirte Trö-
delschnecke
(Trochus lithophorus), die sich in
Piemont im aufgeschwemmten Lande findet.

B) Zweifelhafte.

Z. B. Von vielschaligen Conchylien der schö-
ne Balanites porosus aus dem Osnabrückischen**),
der besonders durch den merkwürdigen Umstand für
die Archäologie unsers Planeten lehrreich wird, daß
er nicht selten in aller seiner Integrität auf einzel-
nen glatt abgerundeten Geröllen aufsitzt***).

Unter den Muscheln die sehr großen Tere-
bratuliten
ebenfalls im Osnabrückischen†).

Und unter den Schnecken die fast fußlangen
calcinirten Strombiten aus dem aufgeschwemm-
ten Lande in Champagne.

*) Vergl. G. Cuvier et Alex. Brogniart Essai sur la Géogra-
phie mineralogique des Environs de Paris
. 1811. 4.
**) Eben daselbst. tab. 1. fig. 1.
***) Eine Art des Vorkommens, das der gelehrte Mineraloge
Guettard bey fossillen Conchylien ganz bezweifelte. s. Mém.
de l'Acad. des scienc. de Paris
v. J. 1759. S. 204. 206.
†) In dem eben angeführten Specimen tab. 1. fig. 4.
<TEI xml:lang="de-DE">
  <text xml:id="blume_hbnatur_000041">
    <group>
      <text xml:id="blume_hbnatur_000041_2" n="2">
        <body>
          <div n="1">
            <div n="2">
              <div n="3">
                <pb facs="#f0655" xml:id="pb282_02_0001" n="282"/>
                <head rendition="#c">I. <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">Testacea</hi></hi>.</head><lb/>
                <p>In zahllosen Gattungen; und was dabey beson-<lb/>
ders merkwürdig, mitunter auch Lagen von Fluß-<lb/>
conchylien abwechselnd zwischen solchen, die nach al-<lb/>
ler Analogie im Meere gelebt haben müssen<note anchored="true" place="foot" n="*)"><p>Vergl. <hi rendition="#aq">G. <hi rendition="#k">Cuvier</hi> et <hi rendition="#k">Alex. Brogniart</hi></hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">Essai sur la Géogra-<lb/>
phie mineralogique des Environs de Paris</hi></hi>. 1811. 4.</p></note>.</p>
                <div n="4">
                  <head rendition="#c"><hi rendition="#aq">A</hi>) Bestimmbare.</head><lb/>
                  <p>So wie es scheint, z. B. unier den <hi rendition="#g">Muscheln</hi><lb/>
diejenige gemeine Gattung von wirklich petrificirten<lb/><hi rendition="#g">Terebratuliten</hi> im Flötz-Kalkstein, die der<lb/>
Glas-Bohrmuschel (<hi rendition="#aq">Anomia</hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">vitrea</hi></hi>) gleicht, und<lb/>
nach dem alten Typus in der Vorwelt nun auch in<lb/>
der nachwärtigen jetzigen Schöpfung regenerirt<lb/>
worden.</p>
                  <p>Und unter den <hi rendition="#g">Schnecken</hi> die calcinirte <hi rendition="#g">Trö-<lb/>
delschnecke</hi> (<hi rendition="#aq">Trochus</hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">lithophorus</hi></hi>), die sich in<lb/>
Piemont im aufgeschwemmten Lande findet.</p>
                </div>
                <div n="4">
                  <head rendition="#c"><hi rendition="#aq">B</hi>) Zweifelhafte.</head><lb/>
                  <p>Z. B. Von <hi rendition="#g">vielschaligen</hi> Conchylien der schö-<lb/>
ne <hi rendition="#aq">Balanites</hi> <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">porosus</hi></hi> aus dem Osnabrückischen<note anchored="true" place="foot" n="**)"><p>Eben daselbst. <hi rendition="#aq">tab</hi>. 1. <hi rendition="#aq">fig</hi>. 1.</p></note>,<lb/>
der besonders durch den merkwürdigen Umstand für<lb/>
die Archäologie unsers Planeten lehrreich wird, daß<lb/>
er nicht selten in aller seiner Integrität auf einzel-<lb/>
nen glatt abgerundeten Geröllen aufsitzt<note anchored="true" place="foot" n="***)"><p>Eine Art des Vorkommens, das der gelehrte Mineraloge<lb/><hi rendition="#g">Guettard</hi> bey fossillen Conchylien ganz bezweifelte. s. <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">Mém.<lb/>
de l'Acad. des scienc. de Paris</hi></hi> v. J. 1759. S. 204. 206.</p></note>.</p>
                  <p>Unter den <hi rendition="#g">Muscheln</hi> die sehr großen <hi rendition="#g">Tere-<lb/>
bratuliten</hi> ebenfalls im Osnabrückischen<note anchored="true" place="foot" n="&#x2020;)"><p>In dem eben angeführten <hi rendition="#i"><hi rendition="#aq">Specimen</hi></hi> <hi rendition="#aq">tab</hi>. 1. <hi rendition="#aq">fig</hi>. 4.</p></note>.</p>
                  <p>Und unter den <hi rendition="#g">Schnecken</hi> die fast fußlangen<lb/>
calcinirten <hi rendition="#g">Strombiten</hi> aus dem aufgeschwemm-<lb/>
ten Lande in Champagne.</p>
                </div>
                <div n="4">
</div>
              </div>
            </div>
          </div>
        </body>
      </text>
    </group>
  </text>
</TEI>
[282/0655] I. Testacea. In zahllosen Gattungen; und was dabey beson- ders merkwürdig, mitunter auch Lagen von Fluß- conchylien abwechselnd zwischen solchen, die nach al- ler Analogie im Meere gelebt haben müssen *). A) Bestimmbare. So wie es scheint, z. B. unier den Muscheln diejenige gemeine Gattung von wirklich petrificirten Terebratuliten im Flötz-Kalkstein, die der Glas-Bohrmuschel (Anomia vitrea) gleicht, und nach dem alten Typus in der Vorwelt nun auch in der nachwärtigen jetzigen Schöpfung regenerirt worden. Und unter den Schnecken die calcinirte Trö- delschnecke (Trochus lithophorus), die sich in Piemont im aufgeschwemmten Lande findet. B) Zweifelhafte. Z. B. Von vielschaligen Conchylien der schö- ne Balanites porosus aus dem Osnabrückischen **), der besonders durch den merkwürdigen Umstand für die Archäologie unsers Planeten lehrreich wird, daß er nicht selten in aller seiner Integrität auf einzel- nen glatt abgerundeten Geröllen aufsitzt ***). Unter den Muscheln die sehr großen Tere- bratuliten ebenfalls im Osnabrückischen †). Und unter den Schnecken die fast fußlangen calcinirten Strombiten aus dem aufgeschwemm- ten Lande in Champagne. *) Vergl. G. Cuvier et Alex. Brogniart Essai sur la Géogra- phie mineralogique des Environs de Paris. 1811. 4. **) Eben daselbst. tab. 1. fig. 1. ***) Eine Art des Vorkommens, das der gelehrte Mineraloge Guettard bey fossillen Conchylien ganz bezweifelte. s. Mém. de l'Acad. des scienc. de Paris v. J. 1759. S. 204. 206. †) In dem eben angeführten Specimen tab. 1. fig. 4.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Editura GmbH & Co.KG, Berlin: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung
Johann Friedrich Blumenbach – online: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-08-26T09:00:15Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2013-08-26T09:00:15Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Nicht erfasst: Bogensignaturen und Kustoden, Kolumnentitel.
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterschiede zugunsten der Identifizierung von <titlePart>s verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.
  • Langes ſ: als s transkribiert.
  • Hochgestellte e über Vokalen: in moderner Schreibweise erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1816
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1816/655
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 9. Aufl. Wien, 1816, S. 282. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1816/655>, abgerufen am 21.05.2022.