Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 11. Aufl. Göttingen, 1825.

Bild:
<< vorherige Seite

schen den Wendezirkeln zumahl in beiden Indien, im
südwestlichen Africa und auf Neuholland zu Hause sind)
findet sich besonders in Ostindien und Guinea, und
führt aus Thon, Letten etc. kegelförmige, meist mit
mehreren Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte
Gebäude auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß hoch
sind, und theils in solcher Menge beysammen stehen,
daß sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs kriegen.
Mit den Jahren wird so ein hohler Ameisenhaufen von
außen ganz mit Gras überwachsen etc. und ist dabey so
fest, daß er mehrere Menschen zu tragen im Stande
ist, ungeachtet die Wände selbst mit großen weiten
Gängen durchzogen sind, die theils über eine halbe
Elle im Durchmesser haben. Unaufhörlich wird in die-
sen Stöcken gebaut, alte Zellen abgebrochen, neue auf-
geführt, andere erweitert u. s. w. Die Zellen des Kö-
nigs und der Königinn (als von welchen in jedem Stocke
nur Ein Paar befindlich ist) sind im Innersten des Ge-
bäudes verborgen. Zunächst um dieselben herum woh-
nen die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die
junge Brut und dicht bey diesen die Magazine. Diese
Thiere zerbeißen und verzehren Holzwerk, Geräthe,
Hütten etc. und können binnen wenigen Wochen mächtige
Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der Hinterleib
der befruchteten Königin 2000 Mahl dicker und größer
wird als er vorher war, ist schon oben erwähnt. Sie
kann dann binnen 24 Stunden auf 80000 Eyer legen.

63. Mutilla. Alae nullae in plerisque. Corpus
pubescens. Thorax postice retusus. Aculeus
reconditus punctorius.

1. Occidentalis. (M. coccinea F.) M. coccinea, ab-
domine cingulo nigro.

In Nordamerica.



schen den Wendezirkeln zumahl in beiden Indien, im
südwestlichen Africa und auf Neuholland zu Hause sind)
findet sich besonders in Ostindien und Guinea, und
führt aus Thon, Letten ꝛc. kegelförmige, meist mit
mehreren Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte
Gebäude auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß hoch
sind, und theils in solcher Menge beysammen stehen,
daß sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs kriegen.
Mit den Jahren wird so ein hohler Ameisenhaufen von
außen ganz mit Gras überwachsen ꝛc. und ist dabey so
fest, daß er mehrere Menschen zu tragen im Stande
ist, ungeachtet die Wände selbst mit großen weiten
Gängen durchzogen sind, die theils über eine halbe
Elle im Durchmesser haben. Unaufhörlich wird in die-
sen Stöcken gebaut, alte Zellen abgebrochen, neue auf-
geführt, andere erweitert u. s. w. Die Zellen des Kö-
nigs und der Königinn (als von welchen in jedem Stocke
nur Ein Paar befindlich ist) sind im Innersten des Ge-
bäudes verborgen. Zunächst um dieselben herum woh-
nen die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die
junge Brut und dicht bey diesen die Magazine. Diese
Thiere zerbeißen und verzehren Holzwerk, Geräthe,
Hütten ꝛc. und können binnen wenigen Wochen mächtige
Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der Hinterleib
der befruchteten Königin 2000 Mahl dicker und größer
wird als er vorher war, ist schon oben erwähnt. Sie
kann dann binnen 24 Stunden auf 80000 Eyer legen.

63. Mutilla. Alae nullae in plerisque. Corpus
pubescens. Thorax postice retusus. Aculeus
reconditus punctorius.

1. Occidentalis. (M. coccinea F.) M. coccinea, ab-
domine cingulo nigro.

In Nordamerica.



<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p rendition="#l1em"><pb facs="#f0355" xml:id="pb333_0001" n="333"/>
schen den Wendezirkeln zumahl in beiden Indien, im<lb/>
südwestlichen Africa und auf Neuholland zu Hause sind)<lb/>
findet sich besonders in Ostindien und Guinea, und<lb/>
führt aus Thon, Letten &#xA75B;c. kegelförmige, meist mit<lb/>
mehreren Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte<lb/>
Gebäude auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß hoch<lb/>
sind, und theils in solcher Menge beysammen stehen,<lb/>
daß sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs kriegen.<lb/>
Mit den Jahren wird so ein hohler Ameisenhaufen von<lb/>
außen ganz mit Gras überwachsen &#xA75B;c. und ist dabey so<lb/>
fest, daß er mehrere Menschen zu tragen im Stande<lb/>
ist, ungeachtet die Wände selbst mit großen weiten<lb/>
Gängen durchzogen sind, die theils über eine halbe<lb/>
Elle im Durchmesser haben. Unaufhörlich wird in die-<lb/>
sen Stöcken gebaut, alte Zellen abgebrochen, neue auf-<lb/>
geführt, andere erweitert u. s. w. Die Zellen des Kö-<lb/>
nigs und der Königinn (als von welchen in jedem Stocke<lb/>
nur Ein Paar befindlich ist) sind im Innersten des Ge-<lb/>
bäudes verborgen. Zunächst um dieselben herum woh-<lb/>
nen die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die<lb/>
junge Brut und dicht bey diesen die Magazine. Diese<lb/>
Thiere zerbeißen und verzehren Holzwerk, Geräthe,<lb/>
Hütten &#xA75B;c. und können binnen wenigen Wochen mächtige<lb/>
Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der Hinterleib<lb/>
der befruchteten Königin 2000 Mahl dicker und größer<lb/>
wird als er vorher war, ist schon oben erwähnt. Sie<lb/>
kann dann binnen 24 Stunden auf 80000 Eyer legen.</p>
            <p rendition="#indent-1">63. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#k">Mutilla</hi>. Alae nullae in plerisque. Corpus<lb/>
pubescens. Thorax postice retusus. Aculeus<lb/>
reconditus punctorius.</hi></p>
            <p rendition="#indent-2">1. <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Occidentalis</hi></hi>. (<hi rendition="#aq">M. <hi rendition="#i">coccinea</hi> F.) M. coccinea, ab-<lb/>
domine cingulo nigro.</hi></p>
            <p rendition="#l1em">In Nordamerica.</p>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          </div>
          <div n="3">
</div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[333/0355] schen den Wendezirkeln zumahl in beiden Indien, im südwestlichen Africa und auf Neuholland zu Hause sind) findet sich besonders in Ostindien und Guinea, und führt aus Thon, Letten ꝛc. kegelförmige, meist mit mehreren Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte Gebäude auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß hoch sind, und theils in solcher Menge beysammen stehen, daß sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs kriegen. Mit den Jahren wird so ein hohler Ameisenhaufen von außen ganz mit Gras überwachsen ꝛc. und ist dabey so fest, daß er mehrere Menschen zu tragen im Stande ist, ungeachtet die Wände selbst mit großen weiten Gängen durchzogen sind, die theils über eine halbe Elle im Durchmesser haben. Unaufhörlich wird in die- sen Stöcken gebaut, alte Zellen abgebrochen, neue auf- geführt, andere erweitert u. s. w. Die Zellen des Kö- nigs und der Königinn (als von welchen in jedem Stocke nur Ein Paar befindlich ist) sind im Innersten des Ge- bäudes verborgen. Zunächst um dieselben herum woh- nen die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die junge Brut und dicht bey diesen die Magazine. Diese Thiere zerbeißen und verzehren Holzwerk, Geräthe, Hütten ꝛc. und können binnen wenigen Wochen mächtige Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der Hinterleib der befruchteten Königin 2000 Mahl dicker und größer wird als er vorher war, ist schon oben erwähnt. Sie kann dann binnen 24 Stunden auf 80000 Eyer legen. 63. Mutilla. Alae nullae in plerisque. Corpus pubescens. Thorax postice retusus. Aculeus reconditus punctorius. 1. Occidentalis. (M. coccinea F.) M. coccinea, ab- domine cingulo nigro. In Nordamerica.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Editura GmbH & Co.KG, Berlin: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung
Johann Friedrich Blumenbach – online: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-08-26T09:00:15Z)
Frank Wiegand: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2013-08-26T09:00:15Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Nicht erfasst: Bogensignaturen und Kustoden, Kolumnentitel.
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterschiede zugunsten der Identifizierung von <titlePart>s verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.
  • Langes ſ: als s transkribiert.
  • Hochgestellte e über Vokalen: in moderner Schreibweise erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1825
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1825/355
Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 11. Aufl. Göttingen, 1825, S. 333. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1825/355>, abgerufen am 24.05.2022.