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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 12. Aufl. Göttingen, 1830.

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II. SERPENTES*).

Die Schlangen**) haben gar keine äußere
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen lang
gestreckten Körper, den sie wellenförmig bewegen;
und der mit Schuppen, Schildern, oder Ringen
bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie bei
ihrer ausnehmend langen und theils blasenförmigen
Lunge leicht schwimmen können), andere auf der
Erde, andere meist auf Bäumen. Sie legen meh-
rentheils an einander gekettete Eier, und ihre Kinn-
laden sind nicht, wie bei andern Thieren, fest ein-
gelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie
sich weit von einander dehnen lassen, so daß die
Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker als
sie selbst sind, ganz verschlingen können. Ihre meist
gespaltene sehr schlanke Zunge dient ihnen zum Ta-
sten***). Manche sind mit heftigem Gift in beson-
dern Bläschen am vordern Rande des Oberkiefers
versehen+), das in eigenen Drüsen abgeschieden
und durch besondere röhrenförmige, einzeln stehende,
gegen die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung
versehene, Giftzähne (- als durch einen Ausfüh-
rungsgang -) beim Biß in die Wunde geflößt
wird. (- Abbild. n. h. Gegenst tab. 37. fig. 1. -)

*) Brongniart's Ophidiens.
**) S. Blas. Merrem Beyträge zur Geschichte der Am-
phibien
. Duisb. 1790-1821. III. Hefte 4.Patr. Russell's Account of Indian Serpents - together
with experiments on their several poisons
. Lond. 1796. gr. Fol.
***) Aug. Hellmann über den Tastsinn der Schlangen.
Göttingen, 1817. 8
+) Diese sind mit bezeichnet.Die Anzahl aller bis jetzt bekannten giftigen Gattungen scheint
sich zu den giftlosen ungefähr wie 1 zu 6 zu verhalten.
II. SERPENTES*).

Die Schlangen**) haben gar keine äußere
Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen lang
gestreckten Körper, den sie wellenförmig bewegen;
und der mit Schuppen, Schildern, oder Ringen
bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie bei
ihrer ausnehmend langen und theils blasenförmigen
Lunge leicht schwimmen können), andere auf der
Erde, andere meist auf Bäumen. Sie legen meh-
rentheils an einander gekettete Eier, und ihre Kinn-
laden sind nicht, wie bei andern Thieren, fest ein-
gelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie
sich weit von einander dehnen lassen, so daß die
Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker als
sie selbst sind, ganz verschlingen können. Ihre meist
gespaltene sehr schlanke Zunge dient ihnen zum Ta-
sten***). Manche sind mit heftigem Gift in beson-
dern Bläschen am vordern Rande des Oberkiefers
versehen†), das in eigenen Drüsen abgeschieden
und durch besondere röhrenförmige, einzeln stehende,
gegen die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung
versehene, Giftzähne (– als durch einen Ausfüh-
rungsgang –) beim Biß in die Wunde geflößt
wird. (– Abbild. n. h. Gegenst tab. 37. fig. 1. –)

*) Brongniart's Ophidiens.
**) S. Blas. Merrem Beyträge zur Geschichte der Am-
phibien
. Duisb. 1790–1821. III. Hefte 4.Patr. Russell's Account of Indian Serpents – together
with experiments on their several poisons
. Lond. 1796. gr. Fol.
***) Aug. Hellmann über den Tastsinn der Schlangen.
Göttingen, 1817. 8
†) Diese sind mit ♂ bezeichnet.Die Anzahl aller bis jetzt bekannten giftigen Gattungen scheint
sich zu den giftlosen ungefähr wie 1 zu 6 zu verhalten.
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[209/0227] II. SERPENTES *). Die Schlangen **) haben gar keine äußere Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig bewegen; und der mit Schuppen, Schildern, oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie bei ihrer ausnehmend langen und theils blasenförmigen Lunge leicht schwimmen können), andere auf der Erde, andere meist auf Bäumen. Sie legen meh- rentheils an einander gekettete Eier, und ihre Kinn- laden sind nicht, wie bei andern Thieren, fest ein- gelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie sich weit von einander dehnen lassen, so daß die Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen können. Ihre meist gespaltene sehr schlanke Zunge dient ihnen zum Ta- sten ***). Manche sind mit heftigem Gift in beson- dern Bläschen am vordern Rande des Oberkiefers versehen †), das in eigenen Drüsen abgeschieden und durch besondere röhrenförmige, einzeln stehende, gegen die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung versehene, Giftzähne (– als durch einen Ausfüh- rungsgang –) beim Biß in die Wunde geflößt wird. (– Abbild. n. h. Gegenst tab. 37. fig. 1. –) *) Brongniart's Ophidiens. **) S. Blas. Merrem Beyträge zur Geschichte der Am- phibien. Duisb. 1790–1821. III. Hefte 4. Patr. Russell's Account of Indian Serpents – together with experiments on their several poisons. Lond. 1796. gr. Fol. ***) Aug. Hellmann über den Tastsinn der Schlangen. Göttingen, 1817. 8 †) Diese sind mit ♂ bezeichnet. Die Anzahl aller bis jetzt bekannten giftigen Gattungen scheint sich zu den giftlosen ungefähr wie 1 zu 6 zu verhalten.

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 12. Aufl. Göttingen, 1830, S. 209. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1830/227>, abgerufen am 04.07.2022.