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Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 12. Aufl. Göttingen, 1830.

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wie die Kleidermotten und Frühlingsfliegen in ihrer
unvollendeten Gestalt als Larven sich ein Gehäuse
zum Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder
sich um die Verwandlung und den langen Todes-
schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich einspin-
nen etc., oder die sich wie die Ameisenlöwen Fall-
gruben graben, und wie die Spinnen Netze für ihren
Raub weben: oder die, wie manche Wasserkäfer
und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nachkommen-
schaft, Säcke oder Nester zubereiten, denen sie ihre
Eier anvertrauen können. Manche von denen, die
in gesellschaftlicher Verbindung leben, bauen sich mit
vereinten Kräften, und nach den Gesetzen einer
äußerst regelmäßigen, ihnen angebornen Meßkunst,
gemeinschaftliche Wohnungen u. s. w.

§. 133.

Bei der Ernährungsart der Insecten sieht
man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bei den aller-
mehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre Selbst-
erhaltung, sondern hauptsächlich darauf abzweckt,
daß sie organisirte Materie consumiren sollen.
Sie müssen essen, nicht bloß um satt zu werden,
sondern um zugleich Aas zu verzehren, um selbst
wieder andere lebendige Insecten aufzureiben etc.,
um Unkraut zu vertilgen etc. - eine große Bestim-
mung, zu deren Erfüllung außer der fast zahllosen
Menge der Gattung überhaupt, sehr vielen von
diesen speciebus, theils ihre äußerst starke Ver-
mehrung, theils ihre beispiellos heftige Freßgierde
und schnelle Verdauung bei einem sehr kurzen Darm-
canal zu Statten kommt. Man weiß z. B., daß
eine Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres eige-
nen Gewichts verzehren kann. - Auch sind die
Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger als in
irgend einer andern Thierclasse: da manche mit seit-

wie die Kleidermotten und Frühlingsfliegen in ihrer
unvollendeten Gestalt als Larven sich ein Gehäuse
zum Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder
sich um die Verwandlung und den langen Todes-
schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich einspin-
nen ꝛc., oder die sich wie die Ameisenlöwen Fall-
gruben graben, und wie die Spinnen Netze für ihren
Raub weben: oder die, wie manche Wasserkäfer
und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nachkommen-
schaft, Säcke oder Nester zubereiten, denen sie ihre
Eier anvertrauen können. Manche von denen, die
in gesellschaftlicher Verbindung leben, bauen sich mit
vereinten Kräften, und nach den Gesetzen einer
äußerst regelmäßigen, ihnen angebornen Meßkunst,
gemeinschaftliche Wohnungen u. s. w.

§. 133.

Bei der Ernährungsart der Insecten sieht
man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bei den aller-
mehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre Selbst-
erhaltung, sondern hauptsächlich darauf abzweckt,
daß sie organisirte Materie consumiren sollen.
Sie müssen essen, nicht bloß um satt zu werden,
sondern um zugleich Aas zu verzehren, um selbst
wieder andere lebendige Insecten aufzureiben ꝛc.,
um Unkraut zu vertilgen ꝛc. – eine große Bestim-
mung, zu deren Erfüllung außer der fast zahllosen
Menge der Gattung überhaupt, sehr vielen von
diesen speciebus, theils ihre äußerst starke Ver-
mehrung, theils ihre beispiellos heftige Freßgierde
und schnelle Verdauung bei einem sehr kurzen Darm-
canal zu Statten kommt. Man weiß z. B., daß
eine Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres eige-
nen Gewichts verzehren kann. – Auch sind die
Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger als in
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[263/0281] wie die Kleidermotten und Frühlingsfliegen in ihrer unvollendeten Gestalt als Larven sich ein Gehäuse zum Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder sich um die Verwandlung und den langen Todes- schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich einspin- nen ꝛc., oder die sich wie die Ameisenlöwen Fall- gruben graben, und wie die Spinnen Netze für ihren Raub weben: oder die, wie manche Wasserkäfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nachkommen- schaft, Säcke oder Nester zubereiten, denen sie ihre Eier anvertrauen können. Manche von denen, die in gesellschaftlicher Verbindung leben, bauen sich mit vereinten Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen, ihnen angebornen Meßkunst, gemeinschaftliche Wohnungen u. s. w. §. 133. Bei der Ernährungsart der Insecten sieht man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bei den aller- mehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre Selbst- erhaltung, sondern hauptsächlich darauf abzweckt, daß sie organisirte Materie consumiren sollen. Sie müssen essen, nicht bloß um satt zu werden, sondern um zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder andere lebendige Insecten aufzureiben ꝛc., um Unkraut zu vertilgen ꝛc. – eine große Bestim- mung, zu deren Erfüllung außer der fast zahllosen Menge der Gattung überhaupt, sehr vielen von diesen speciebus, theils ihre äußerst starke Ver- mehrung, theils ihre beispiellos heftige Freßgierde und schnelle Verdauung bei einem sehr kurzen Darm- canal zu Statten kommt. Man weiß z. B., daß eine Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres eige- nen Gewichts verzehren kann. – Auch sind die Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger als in irgend einer andern Thierclasse: da manche mit seit-

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Zitationshilfe: Blumenbach, Johann Friedrich: Handbuch der Naturgeschichte. 12. Aufl. Göttingen, 1830, S. 263. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/blumenbach_naturgeschichte_1830/281>, abgerufen am 28.05.2022.