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[Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 3. Zürich, 1742.

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Von der possenhaften Schreibart.
Muffen; worinn das Frauenzimmer kaum
die Finger bergen, hingegen selbige über die
Hand stossen/ und dadurch den Arm-Bän-
dern in ihrem Rechte Eintrag thun kan: Aus
dem Frantzösischen des Hrn.
D * * in drey
Tagen übersetzt. Zweiter Druck/ von vielen
Fehlern gesäubert/ und mit einem poetischen
Anhange von der gelehrten Bären-Haut ver-
mehret. 13. Bogen in 8. Kurtz und gut/ d. i.
23. Lob-Gedichte auf die Contuschen/ worinn
allein
23. Facons derselben erzehlet werden. 4.
Bogen in 8. Der wohl unterwiesene Beutel-
Schneider/ welcher besondere Handgriffe an-
zeiget/ einen Haar-Beutel nach der neuesten
Mode zu schneiden etc. samt einer Zugabe von
der schwartzen Kunst in dem lebendigen Haa-
re 9. Bogen in
12. Der zweite Brief ist eben
so abgeschmackt, er fängt also an: Ein sehr Kunst-
reicher Grob-Schmid hiesiges Ortes/ der
seit kurtzer Zeit das Perlensticken angefangen/
hat eine neue Art zu punctieren erfunden etc.
er hat glücklich herauspunctiert/ daß der
Patriot gantz gewiß mit dem letzten Stücke
aufhören werde/ welches die Zeit zweifels-
ohne bestätigen wird.
Aber ich würde mich sei-
ner Thorheit theilhaft machen, wenn ich mehre-
re Stellen von dieser Art, dergleichen N. 70. 79.
und anderstwo häuffig zu finden sind, anführen wollte.
Doch muß ich in Ansehung des N. 70. eingerükten
possierlichen Briefs erinnern, daß er sich nicht
geschämt, durch folgende Vorrede diese Possen an-
zupreisen: Jn dieser Absicht gebe ich den fol-
genden Brief öffentlich zu lesen/ weil er nicht

allein
C 2

Von der poſſenhaften Schreibart.
Muffen; worinn das Frauenzimmer kaum
die Finger bergen, hingegen ſelbige uͤber die
Hand ſtoſſen/ und dadurch den Arm-Baͤn-
dern in ihrem Rechte Eintrag thun kan: Aus
dem Frantzoͤſiſchen des Hrn.
D * * in drey
Tagen uͤberſetzt. Zweiter Druck/ von vielen
Fehlern geſaͤubert/ und mit einem poetiſchen
Anhange von der gelehrten Baͤren-Haut ver-
mehret. 13. Bogen in 8. Kurtz und gut/ d. i.
23. Lob-Gedichte auf die Contuſchen/ worinn
allein
23. Façons derſelben erzehlet werden. 4.
Bogen in 8. Der wohl unterwieſene Beutel-
Schneider/ welcher beſondere Handgriffe an-
zeiget/ einen Haar-Beutel nach der neueſten
Mode zu ſchneiden ꝛc. ſamt einer Zugabe von
der ſchwartzen Kunſt in dem lebendigen Haa-
re 9. Bogen in
12. Der zweite Brief iſt eben
ſo abgeſchmackt, er faͤngt alſo an: Ein ſehr Kunſt-
reicher Grob-Schmid hieſiges Ortes/ der
ſeit kurtzer Zeit das Perlenſticken angefangen/
hat eine neue Art zu punctieren erfunden ꝛc.
er hat gluͤcklich herauspunctiert/ daß der
Patriot gantz gewiß mit dem letzten Stuͤcke
aufhoͤren werde/ welches die Zeit zweifels-
ohne beſtaͤtigen wird.
Aber ich wuͤrde mich ſei-
ner Thorheit theilhaft machen, wenn ich mehre-
re Stellen von dieſer Art, dergleichen N. 70. 79.
und anderſtwo haͤuffig zu finden ſind, anfuͤhren wollte.
Doch muß ich in Anſehung des N. 70. eingeruͤkten
poſſierlichen Briefs erinnern, daß er ſich nicht
geſchaͤmt, durch folgende Vorrede dieſe Poſſen an-
zupreiſen: Jn dieſer Abſicht gebe ich den fol-
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[35/0037] Von der poſſenhaften Schreibart. Muffen; worinn das Frauenzimmer kaum die Finger bergen, hingegen ſelbige uͤber die Hand ſtoſſen/ und dadurch den Arm-Baͤn- dern in ihrem Rechte Eintrag thun kan: Aus dem Frantzoͤſiſchen des Hrn. D * * in drey Tagen uͤberſetzt. Zweiter Druck/ von vielen Fehlern geſaͤubert/ und mit einem poetiſchen Anhange von der gelehrten Baͤren-Haut ver- mehret. 13. Bogen in 8. Kurtz und gut/ d. i. 23. Lob-Gedichte auf die Contuſchen/ worinn allein 23. Façons derſelben erzehlet werden. 4. Bogen in 8. Der wohl unterwieſene Beutel- Schneider/ welcher beſondere Handgriffe an- zeiget/ einen Haar-Beutel nach der neueſten Mode zu ſchneiden ꝛc. ſamt einer Zugabe von der ſchwartzen Kunſt in dem lebendigen Haa- re 9. Bogen in 12. Der zweite Brief iſt eben ſo abgeſchmackt, er faͤngt alſo an: Ein ſehr Kunſt- reicher Grob-Schmid hieſiges Ortes/ der ſeit kurtzer Zeit das Perlenſticken angefangen/ hat eine neue Art zu punctieren erfunden ꝛc. er hat gluͤcklich herauspunctiert/ daß der Patriot gantz gewiß mit dem letzten Stuͤcke aufhoͤren werde/ welches die Zeit zweifels- ohne beſtaͤtigen wird. Aber ich wuͤrde mich ſei- ner Thorheit theilhaft machen, wenn ich mehre- re Stellen von dieſer Art, dergleichen N. 70. 79. und anderſtwo haͤuffig zu finden ſind, anfuͤhren wollte. Doch muß ich in Anſehung des N. 70. eingeruͤkten poſſierlichen Briefs erinnern, daß er ſich nicht geſchaͤmt, durch folgende Vorrede dieſe Poſſen an- zupreiſen: Jn dieſer Abſicht gebe ich den fol- genden Brief oͤffentlich zu leſen/ weil er nicht allein C 2

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Zitationshilfe: [Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 3. Zürich, 1742, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung03_1742/37>, abgerufen am 06.02.2023.