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[Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 8. Zürich, 1743.

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Wohlgemeinter Vorschlag,
wie Herrn Christoph Schwartzen
deutsche Aeneis von dem Gerichte der
Maklatur noch zu erretten wäre; in
einem Schreiben an Herrn Heinrich
Gottfried Zunkel, als den Verleger
derselben.
Mein Herr.

JHr alleine müßtet nicht wissen, was vor einen
gewaltigen Stoß das Ansehen des Hrn. Prof.
Gottscheds seit einem halben Jahre erlitten hat,
wenn ihr euch noch mit der Hoffnung aufhalten könn-
tet, daß sein Beglaubigungsbrief die Kraft habe,
eurer Aeneis den Credit wieder herzustellen, den
ihr die Critiken bekannter Kunstverständigen fast
durchgehends genommen haben. Der Hr. Prof.
hat seit einiger Zeit selbst Creditive nöthig; seine
heftigen Gegner haben ihm so wenig Credit übrig
gelassen, daß man ihm auf sein Wort nichts
mehr glaubt, was er nicht, wie einer aus dem
niedrigsten Pöbel, mit baaren Gründen bewei-
sen kan. Aber was hat er eurem neuen Wer-
ke zum besten hervorgebracht, die Censuren zu
widerlegen, oder die Schönheiten desselben, die
unter den Schnitzern verborgen liegen, darun-
ter hervorzuziehen. Er sagt uns viel Zeug von
einem Schocke elender Uebersetzungen der Aeneis,

die
[Crit. Samml VIII. St.] C


Wohlgemeinter Vorſchlag,
wie Herrn Chriſtoph Schwartzen
deutſche Aeneis von dem Gerichte der
Maklatur noch zu erretten waͤre; in
einem Schreiben an Herrn Heinrich
Gottfried Zunkel, als den Verleger
derſelben.
Mein Herr.

JHr alleine muͤßtet nicht wiſſen, was vor einen
gewaltigen Stoß das Anſehen des Hrn. Prof.
Gottſcheds ſeit einem halben Jahre erlitten hat,
wenn ihr euch noch mit der Hoffnung aufhalten koͤnn-
tet, daß ſein Beglaubigungsbrief die Kraft habe,
eurer Aeneis den Credit wieder herzuſtellen, den
ihr die Critiken bekannter Kunſtverſtaͤndigen faſt
durchgehends genommen haben. Der Hr. Prof.
hat ſeit einiger Zeit ſelbſt Creditive noͤthig; ſeine
heftigen Gegner haben ihm ſo wenig Credit uͤbrig
gelaſſen, daß man ihm auf ſein Wort nichts
mehr glaubt, was er nicht, wie einer aus dem
niedrigſten Poͤbel, mit baaren Gruͤnden bewei-
ſen kan. Aber was hat er eurem neuen Wer-
ke zum beſten hervorgebracht, die Cenſuren zu
widerlegen, oder die Schoͤnheiten deſſelben, die
unter den Schnitzern verborgen liegen, darun-
ter hervorzuziehen. Er ſagt uns viel Zeug von
einem Schocke elender Ueberſetzungen der Aeneis,

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[33/0033] Wohlgemeinter Vorſchlag, wie Herrn Chriſtoph Schwartzen deutſche Aeneis von dem Gerichte der Maklatur noch zu erretten waͤre; in einem Schreiben an Herrn Heinrich Gottfried Zunkel, als den Verleger derſelben. Mein Herr. JHr alleine muͤßtet nicht wiſſen, was vor einen gewaltigen Stoß das Anſehen des Hrn. Prof. Gottſcheds ſeit einem halben Jahre erlitten hat, wenn ihr euch noch mit der Hoffnung aufhalten koͤnn- tet, daß ſein Beglaubigungsbrief die Kraft habe, eurer Aeneis den Credit wieder herzuſtellen, den ihr die Critiken bekannter Kunſtverſtaͤndigen faſt durchgehends genommen haben. Der Hr. Prof. hat ſeit einiger Zeit ſelbſt Creditive noͤthig; ſeine heftigen Gegner haben ihm ſo wenig Credit uͤbrig gelaſſen, daß man ihm auf ſein Wort nichts mehr glaubt, was er nicht, wie einer aus dem niedrigſten Poͤbel, mit baaren Gruͤnden bewei- ſen kan. Aber was hat er eurem neuen Wer- ke zum beſten hervorgebracht, die Cenſuren zu widerlegen, oder die Schoͤnheiten deſſelben, die unter den Schnitzern verborgen liegen, darun- ter hervorzuziehen. Er ſagt uns viel Zeug von einem Schocke elender Ueberſetzungen der Aeneis, die [Crit. Sam̃l VIII. St.] C

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Zitationshilfe: [Bodmer, Johann Jacob]: Sammlung Critischer, Poetischer, und anderer geistvollen Schriften. Bd. 8. Zürich, 1743, S. 33. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bodmer_sammlung08_1743/33>, abgerufen am 23.07.2024.