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Boeheim, Wendelin: Handbuch der Waffenkunde. Leipzig, 1890.

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17. Die kaiserliche Waffensammlung zu Zarskoe-Selo.
seit die Gedenkstücke Gustav Adolfs hinzukamen, bildete das Ka-
binett für Schweden einen Gegenstand besonderer Verehrung. Im
Jahre 1691 wurde die Sammlung, wenn auch immer dem Arsenal
angehörig, in ein Palais übertragen, das ehemals dem Grafen Magnus
Gabriel de la Gardie
gehörte, und blieb dort bis 1793, wo dieses
in ein Theater umgewandelt wurde. Von da gelangte sie ins Schloss
Fredrikshof und zehn Jahre später in eine alte Orangerie des könig-
lichen Gartens. Wenige Jahre darnach wurde der Inhalt der Samm-
lung auf sonderbare Weise zerstreut, die historischen Stücke gelangten
1817 in die Kirche zu Riddarholmen, die kostbareren Waffen ins
königliche Palais, die Waffen, die bei den Karoussels Gustavs III.
dienten, ins Schloss zu Gripsholm, anderes in die Magazine des
Theaters etc. Erst 1850 wurde alles wieder in Stockholm gesammelt
und im Palais des Kronprinzen aufgestellt. Seit 1856 war die Samm-
lung so lange in einem gemieteten Privathause untergebracht, bis sie
1865 ins Nationalmuseum übertragen werden konnte. Als dieses den
industriellen Künsten gewidmet wurde, verfügte König Oskar II.
1884 deren Aufstellung im königlichen Palais in dessen Nordwest-
trakte, wo sie im ersten Stocke die Räume der alten königlichen
Bibliothek und eine Galerie, im Zwischenstocke eine andere Galerie
und einen Saal einnimmt, der ehemals das Skulpturenmuseum ent-
hielt. In dieser Aufstellung wurde das Museum am 31. Juli 1885
eröffnet.

Seit der Mitte unseres Jahrhunderts wurde die Sammlung durch
namhafte Legate und Ankäufe vergrössert, so durch Spenden des
Kämmerers J. O. de Blomstedt 1858, das Legat des Baron
E. M. Willebrand 1859, durch den Ankauf der Sammlung des
Barons G. Fleetwood 1862, ferner durch das Legat Karls XV. 1872,
zumeist aus der Sammlung M. A. L. Soldins bestehend, die der
König an sich brachte, durch das Legat des Grafen Axel Bielke u. a.

Das Museum, zu den grösseren Europas zählend, ist reich an
Harnischen und Waffen von kunstvoller und prächtiger Ausführung.
Für die ältere Waffenindustrie Schwedens und Dänemarks ist es eine
reiche Quelle des Studiums. Unerreicht aber steht es in seinen
historischen Kostümen da, die, wenn sie auch nicht speziell in unser
Gebiet fallen, doch ihres ungemeinen Wertes halber hier einer Er-
wähnung verdienen. Das Museum zählt rund 5700 Nummern.*)

17. Die kaiserliche Waffensammlung zu Zarskoe-Selo.

Die kaiserliche Waffensammlung ist in einem schlossähnlichen,
in modern gotischem Stile gehaltenen Gebäude im Garten des kaiser-
lichen Lustschlosses Zarskoe-Selo aufgestellt. Vordem stand auf

*) Nach dem sehr tüchtig gearbeiteten Guide des Conservators C. A. Ossbahr.
Stockholm 1889.

17. Die kaiserliche Waffensammlung zu Zarskoë-Selo.
seit die Gedenkstücke Gustav Adolfs hinzukamen, bildete das Ka-
binett für Schweden einen Gegenstand besonderer Verehrung. Im
Jahre 1691 wurde die Sammlung, wenn auch immer dem Arsenal
angehörig, in ein Palais übertragen, das ehemals dem Grafen Magnus
Gabriel de la Gardie
gehörte, und blieb dort bis 1793, wo dieses
in ein Theater umgewandelt wurde. Von da gelangte sie ins Schloſs
Fredrikshof und zehn Jahre später in eine alte Orangerie des könig-
lichen Gartens. Wenige Jahre darnach wurde der Inhalt der Samm-
lung auf sonderbare Weise zerstreut, die historischen Stücke gelangten
1817 in die Kirche zu Riddarholmen, die kostbareren Waffen ins
königliche Palais, die Waffen, die bei den Karoussels Gustavs III.
dienten, ins Schloſs zu Gripsholm, anderes in die Magazine des
Theaters etc. Erst 1850 wurde alles wieder in Stockholm gesammelt
und im Palais des Kronprinzen aufgestellt. Seit 1856 war die Samm-
lung so lange in einem gemieteten Privathause untergebracht, bis sie
1865 ins Nationalmuseum übertragen werden konnte. Als dieses den
industriellen Künsten gewidmet wurde, verfügte König Oskar II.
1884 deren Aufstellung im königlichen Palais in dessen Nordwest-
trakte, wo sie im ersten Stocke die Räume der alten königlichen
Bibliothek und eine Galerie, im Zwischenstocke eine andere Galerie
und einen Saal einnimmt, der ehemals das Skulpturenmuseum ent-
hielt. In dieser Aufstellung wurde das Museum am 31. Juli 1885
eröffnet.

Seit der Mitte unseres Jahrhunderts wurde die Sammlung durch
namhafte Legate und Ankäufe vergröſsert, so durch Spenden des
Kämmerers J. O. de Blomstedt 1858, das Legat des Baron
E. M. Willebrand 1859, durch den Ankauf der Sammlung des
Barons G. Fleetwood 1862, ferner durch das Legat Karls XV. 1872,
zumeist aus der Sammlung M. A. L. Soldins bestehend, die der
König an sich brachte, durch das Legat des Grafen Axel Bielke u. a.

Das Museum, zu den gröſseren Europas zählend, ist reich an
Harnischen und Waffen von kunstvoller und prächtiger Ausführung.
Für die ältere Waffenindustrie Schwedens und Dänemarks ist es eine
reiche Quelle des Studiums. Unerreicht aber steht es in seinen
historischen Kostümen da, die, wenn sie auch nicht speziell in unser
Gebiet fallen, doch ihres ungemeinen Wertes halber hier einer Er-
wähnung verdienen. Das Museum zählt rund 5700 Nummern.*)

17. Die kaiserliche Waffensammlung zu Zarskoë-Selo.

Die kaiserliche Waffensammlung ist in einem schloſsähnlichen,
in modern gotischem Stile gehaltenen Gebäude im Garten des kaiser-
lichen Lustschlosses Zarskoë-Selo aufgestellt. Vordem stand auf

*) Nach dem sehr tüchtig gearbeiteten Guide des Conservators C. A. Oſsbahr.
Stockholm 1889.
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[635/0653] 17. Die kaiserliche Waffensammlung zu Zarskoë-Selo. seit die Gedenkstücke Gustav Adolfs hinzukamen, bildete das Ka- binett für Schweden einen Gegenstand besonderer Verehrung. Im Jahre 1691 wurde die Sammlung, wenn auch immer dem Arsenal angehörig, in ein Palais übertragen, das ehemals dem Grafen Magnus Gabriel de la Gardie gehörte, und blieb dort bis 1793, wo dieses in ein Theater umgewandelt wurde. Von da gelangte sie ins Schloſs Fredrikshof und zehn Jahre später in eine alte Orangerie des könig- lichen Gartens. Wenige Jahre darnach wurde der Inhalt der Samm- lung auf sonderbare Weise zerstreut, die historischen Stücke gelangten 1817 in die Kirche zu Riddarholmen, die kostbareren Waffen ins königliche Palais, die Waffen, die bei den Karoussels Gustavs III. dienten, ins Schloſs zu Gripsholm, anderes in die Magazine des Theaters etc. Erst 1850 wurde alles wieder in Stockholm gesammelt und im Palais des Kronprinzen aufgestellt. Seit 1856 war die Samm- lung so lange in einem gemieteten Privathause untergebracht, bis sie 1865 ins Nationalmuseum übertragen werden konnte. Als dieses den industriellen Künsten gewidmet wurde, verfügte König Oskar II. 1884 deren Aufstellung im königlichen Palais in dessen Nordwest- trakte, wo sie im ersten Stocke die Räume der alten königlichen Bibliothek und eine Galerie, im Zwischenstocke eine andere Galerie und einen Saal einnimmt, der ehemals das Skulpturenmuseum ent- hielt. In dieser Aufstellung wurde das Museum am 31. Juli 1885 eröffnet. Seit der Mitte unseres Jahrhunderts wurde die Sammlung durch namhafte Legate und Ankäufe vergröſsert, so durch Spenden des Kämmerers J. O. de Blomstedt 1858, das Legat des Baron E. M. Willebrand 1859, durch den Ankauf der Sammlung des Barons G. Fleetwood 1862, ferner durch das Legat Karls XV. 1872, zumeist aus der Sammlung M. A. L. Soldins bestehend, die der König an sich brachte, durch das Legat des Grafen Axel Bielke u. a. Das Museum, zu den gröſseren Europas zählend, ist reich an Harnischen und Waffen von kunstvoller und prächtiger Ausführung. Für die ältere Waffenindustrie Schwedens und Dänemarks ist es eine reiche Quelle des Studiums. Unerreicht aber steht es in seinen historischen Kostümen da, die, wenn sie auch nicht speziell in unser Gebiet fallen, doch ihres ungemeinen Wertes halber hier einer Er- wähnung verdienen. Das Museum zählt rund 5700 Nummern. *) 17. Die kaiserliche Waffensammlung zu Zarskoë-Selo. Die kaiserliche Waffensammlung ist in einem schloſsähnlichen, in modern gotischem Stile gehaltenen Gebäude im Garten des kaiser- lichen Lustschlosses Zarskoë-Selo aufgestellt. Vordem stand auf *) Nach dem sehr tüchtig gearbeiteten Guide des Conservators C. A. Oſsbahr. Stockholm 1889.

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Zitationshilfe: Boeheim, Wendelin: Handbuch der Waffenkunde. Leipzig, 1890, S. 635. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/boeheim_waffenkunde_1890/653>, abgerufen am 25.05.2022.