Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 2. Hamburg, 1832.

Bild:
<< vorherige Seite
Zwei und vierzigster Brief.

-- Nun, Lafitte ist jetzt auch aus der Regie¬
rung getrieben, der erste und letzte Mann der Revo¬
lution. Und die Narren hier reden sich jetzt ein, Casi¬
mir Perrier würde ihnen Rosen und Veilchen pflan¬
zen, und sie würden ein Schäferleben führen, und
den ganzen Tag oben auf dem reinen Hügel der
Renten stehen, und singen und hinabschauen in das
grüne Thal, wo das grasende Lämmervolk springt
Teufel! In Deutschland war ich schon längst der
einzige gescheidte Mensch; das war mir lästig und
ich ging darum nach Frankreich. Und mit Aerger
sehe ich jetzt ein, daß ich hier auch der einzige ge¬
scheidte Mensch bin. Wo flüchte ich mich hin? Wo

10 *
Zwei und vierzigſter Brief.

— Nun, Lafitte iſt jetzt auch aus der Regie¬
rung getrieben, der erſte und letzte Mann der Revo¬
lution. Und die Narren hier reden ſich jetzt ein, Caſi¬
mir Perrier würde ihnen Roſen und Veilchen pflan¬
zen, und ſie würden ein Schäferleben führen, und
den ganzen Tag oben auf dem reinen Hügel der
Renten ſtehen, und ſingen und hinabſchauen in das
grüne Thal, wo das graſende Lämmervolk ſpringt
Teufel! In Deutſchland war ich ſchon längſt der
einzige geſcheidte Menſch; das war mir läſtig und
ich ging darum nach Frankreich. Und mit Aerger
ſehe ich jetzt ein, daß ich hier auch der einzige ge¬
ſcheidte Menſch bin. Wo flüchte ich mich hin? Wo

10 *
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0161" n="[147]"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b #g">Zwei und vierzig&#x017F;ter Brief.</hi><lb/>
          </head>
          <dateline> <hi rendition="#right">Paris, Dien&#x017F;tag, den 15. März 1831.</hi> </dateline><lb/>
          <p>&#x2014; Nun, Lafitte i&#x017F;t jetzt auch aus der Regie¬<lb/>
rung getrieben, der er&#x017F;te und letzte Mann der Revo¬<lb/>
lution. Und die Narren hier reden &#x017F;ich jetzt ein, Ca&#x017F;<lb/>
mir Perrier würde ihnen Ro&#x017F;en und Veilchen pflan¬<lb/>
zen, und &#x017F;ie würden ein Schäferleben führen, und<lb/>
den ganzen Tag oben auf dem reinen Hügel der<lb/>
Renten &#x017F;tehen, und &#x017F;ingen und hinab&#x017F;chauen in das<lb/>
grüne Thal, wo das gra&#x017F;ende Lämmervolk &#x017F;pringt<lb/>
Teufel! In Deut&#x017F;chland war ich &#x017F;chon läng&#x017F;t der<lb/>
einzige ge&#x017F;cheidte Men&#x017F;ch; das war mir lä&#x017F;tig und<lb/>
ich ging darum nach Frankreich. Und mit Aerger<lb/>
&#x017F;ehe ich jetzt ein, daß ich hier auch der einzige ge¬<lb/>
&#x017F;cheidte Men&#x017F;ch bin. Wo flüchte ich mich hin? Wo<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">10 *<lb/></fw>
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[147]/0161] Zwei und vierzigſter Brief. Paris, Dienſtag, den 15. März 1831. — Nun, Lafitte iſt jetzt auch aus der Regie¬ rung getrieben, der erſte und letzte Mann der Revo¬ lution. Und die Narren hier reden ſich jetzt ein, Caſi¬ mir Perrier würde ihnen Roſen und Veilchen pflan¬ zen, und ſie würden ein Schäferleben führen, und den ganzen Tag oben auf dem reinen Hügel der Renten ſtehen, und ſingen und hinabſchauen in das grüne Thal, wo das graſende Lämmervolk ſpringt Teufel! In Deutſchland war ich ſchon längſt der einzige geſcheidte Menſch; das war mir läſtig und ich ging darum nach Frankreich. Und mit Aerger ſehe ich jetzt ein, daß ich hier auch der einzige ge¬ ſcheidte Menſch bin. Wo flüchte ich mich hin? Wo 10 *

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris02_1832
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris02_1832/161
Zitationshilfe: Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 2. Hamburg, 1832, S. [147]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris02_1832/161>, abgerufen am 18.05.2021.