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Bohse, August: Des Franzöischen Helicons Monat-Früchte. Leipzig, 1696.

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vor einen Edelmann.
Natur regierete. Demnach möchten sie so fort von
selbigen/ und solte es auch durch Hülffe der Waffen
seyn/ Posseß nehmen/ und sie aus derjenigen Händen
wieder reissen/ die sie aus Eyfersucht über ihre wach-
sende Macht usurpiren wolten.

Dahero/ fährt der Autor fort/ habe Franckreich
das Recht von Spanien das Königreich Navarra/
als das Patrimonium des Hauses Bourbon/ wie-
derzufodern/ item, das Hertzogthum Mäyland/ das
Königreich Neapolis/ und andere Souverainitäten
mehr/ wie auch die Spanischen Niederlande/ welche
durch das Recht der Königin Franckreich zustünden.

Das dritte Mittel einen Staat zu vergrössern
sey die Wahl/ wenn ein freyes Volck einen König
wehlete/ um seine Länder der Krone zu vereinigen.
Diese Maxime ist durch die Polen practiciret wor-
den/ die das Groß-Hertzogthum Lithau mit ihrer
Krone vereinbahret/ indem sie die Jagellonen/ wel-
che es besassen/ zu ihren Königen erwehlet. Und sie
würden auch zu der letzten Wahl gar nicht geman-
gelt haben/ den Churfürsten von Brandenburg zum
Könige zu nehmen/ wenn er nur Catholisch gewesen
wäre/ um das Hertzogliche Preussen und andere
Provintzen in Teutschland mit der Krone zu verei-
nigen.

Das vierdte Mittel so einen Staat vergrössert/ sey
die Donation, welche machete/ daß ein freyes
Volck oder auch Könige ihre Souverainität gerne
einem gütigen Fürsten gäben/ um von selbigen be-
schützet und regieret zu werden. Darauf führet er
Exempel an von Attalo Könige in Asien/ welcher
denen Römern in Testamente sein Reich vermachet:

von

vor einen Edelmann.
Natur regierete. Demnach moͤchten ſie ſo fort von
ſelbigen/ und ſolte es auch durch Huͤlffe der Waffen
ſeyn/ Poſſeß nehmen/ und ſie aus derjenigen Haͤnden
wieder reiſſen/ die ſie aus Eyferſucht uͤber ihre wach-
ſende Macht uſurpiren wolten.

Dahero/ faͤhrt der Autor fort/ habe Franckreich
das Recht von Spanien das Koͤnigreich Navarra/
als das Patrimonium des Hauſes Bourbon/ wie-
derzufodern/ item, das Hertzogthum Maͤyland/ das
Koͤnigreich Neapolis/ und andere Souverainitaͤten
mehr/ wie auch die Spaniſchen Niederlande/ welche
durch das Recht der Koͤnigin Franckreich zuſtuͤnden.

Das dritte Mittel einen Staat zu vergroͤſſern
ſey die Wahl/ wenn ein freyes Volck einen Koͤnig
wehlete/ um ſeine Laͤnder der Krone zu vereinigen.
Dieſe Maxime iſt durch die Polen practiciret wor-
den/ die das Groß-Hertzogthum Lithau mit ihrer
Krone vereinbahret/ indem ſie die Jagellonen/ wel-
che es beſaſſen/ zu ihren Koͤnigen erwehlet. Und ſie
wuͤrden auch zu der letzten Wahl gar nicht geman-
gelt haben/ den Churfuͤrſten von Brandenburg zum
Koͤnige zu nehmen/ wenn er nur Catholiſch geweſen
waͤre/ um das Hertzogliche Preuſſen und andere
Provintzen in Teutſchland mit der Krone zu verei-
nigen.

Das vierdte Mittel ſo einen Staat vergroͤſſert/ ſey
die Donation, welche machete/ daß ein freyes
Volck oder auch Koͤnige ihre Souverainitaͤt gerne
einem guͤtigen Fuͤrſten gaͤben/ um von ſelbigen be-
ſchuͤtzet und regieret zu werden. Darauf fuͤhret er
Exempel an von Attalo Koͤnige in Aſien/ welcher
denen Roͤmern in Teſtamente ſein Reich vermachet:

von
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[45/0065] vor einen Edelmann. Natur regierete. Demnach moͤchten ſie ſo fort von ſelbigen/ und ſolte es auch durch Huͤlffe der Waffen ſeyn/ Poſſeß nehmen/ und ſie aus derjenigen Haͤnden wieder reiſſen/ die ſie aus Eyferſucht uͤber ihre wach- ſende Macht uſurpiren wolten. Dahero/ faͤhrt der Autor fort/ habe Franckreich das Recht von Spanien das Koͤnigreich Navarra/ als das Patrimonium des Hauſes Bourbon/ wie- derzufodern/ item, das Hertzogthum Maͤyland/ das Koͤnigreich Neapolis/ und andere Souverainitaͤten mehr/ wie auch die Spaniſchen Niederlande/ welche durch das Recht der Koͤnigin Franckreich zuſtuͤnden. Das dritte Mittel einen Staat zu vergroͤſſern ſey die Wahl/ wenn ein freyes Volck einen Koͤnig wehlete/ um ſeine Laͤnder der Krone zu vereinigen. Dieſe Maxime iſt durch die Polen practiciret wor- den/ die das Groß-Hertzogthum Lithau mit ihrer Krone vereinbahret/ indem ſie die Jagellonen/ wel- che es beſaſſen/ zu ihren Koͤnigen erwehlet. Und ſie wuͤrden auch zu der letzten Wahl gar nicht geman- gelt haben/ den Churfuͤrſten von Brandenburg zum Koͤnige zu nehmen/ wenn er nur Catholiſch geweſen waͤre/ um das Hertzogliche Preuſſen und andere Provintzen in Teutſchland mit der Krone zu verei- nigen. Das vierdte Mittel ſo einen Staat vergroͤſſert/ ſey die Donation, welche machete/ daß ein freyes Volck oder auch Koͤnige ihre Souverainitaͤt gerne einem guͤtigen Fuͤrſten gaͤben/ um von ſelbigen be- ſchuͤtzet und regieret zu werden. Darauf fuͤhret er Exempel an von Attalo Koͤnige in Aſien/ welcher denen Roͤmern in Teſtamente ſein Reich vermachet: von

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Zitationshilfe: Bohse, August: Des Franzöischen Helicons Monat-Früchte. Leipzig, 1696, S. 45. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bohse_helicon_1696/65>, abgerufen am 06.08.2024.