annimmt, zum Schutze gegen die Affen geschehe, scheint mir nicht wahrscheinlich, da wenigstens die javanischen Affen sich wohl hüten werden, in den Vereich einer so kräftigen Waffe zu kommen, als es der Schnabel des Vogels ist. Eher könnten die größeren Eichhornarten gefährlich werden, zumal mir ein Fall bekannt ist, daß ein gefangen gehaltenes Flugeichhorn einen in dasselbe Zimmer gebrachten Falken sofort anfiel, trotz des Sträubens tödtete und selbst theilweise auffraß. Besonderer Erwäh- nung werth scheint mir der Umstand zu sein, daß in dem von mir beobachteten Falle das Weibchen den größten Theil seiner Schwung- und Schwanzfedern verloren hatte, indem von den Schwingen erster Ordnung nur noch die beiden ersten, von denen zweiter Ordnung in dem einen Flügel noch sechs, in dem andern blos noch vier vorhanden waren, während die neun ersten ein Viertel bis ein Halbes ihrer Länge erreicht hatten. Spuren davon, daß die Federn etwa abgebissen waren, ließen sich nirgends finden; auch war es auffallend, daß der Rumpf des Thieres weder Stoppeln noch junge Federn zeigte. Jn Folge dieses mangelhaften Zustandes seiner Flügel war der Vogel nicht im Stande, sich auch nur einen Fuß vom Boden zu erheben, und würde, einmal aus dem Neste gefallen, auf keine Weise wieder in dasselbe haben gelangen können. So weit meine Beobachtungen. Der Eingeborne, welcher das erwähnte Nest gefunden hatte, und mich zu demselben führte, versicherte mir, daß das Weibchen während des Brütens stets vom Männchen auf die angegebene Weise eingemauert würde, daß es in dieser Zeit seine Schwingen wechsele, völlig ungeschickt zum Fliegen wäre und erst zu der Zeit des Flüggewerdens der Jungen sein Flugvermögen wieder erhalte. Es findet mithin dieses Einmauern lediglich aus Vorsorge statt, um zu verhüten, daß das Weibchen nicht aus dem Neste fällt. Weitere Beobachtungen müssen Dies entscheiden."
Horsfield gibt noch andere Erzählungen der Eingebornen wieder. Er behauptet nämlich, daß das Weibchen vom Männchen eisersüchtig bewacht und nach Befinden bestraft werde. Glaubt das Männchen, so ungefähr sagt er, nach einer zeitweiligen Abwesenheit zu bemerken, daß inzwischen ein anderes Männchen sich dem Neste genähert hat, so wird die Oeffnung sofort durch den eifer- süchtigen und erzürnten Vogel zugemauert, und das eingeschlossene Weibchen muß alsdann elendlich umkommen.
Das von Bernstein beschriebene Nest bestand aus einer einfachen, dürren Unterlage von wenigen Reisern und Holzspänen. "Es enthielt neben einem kürzlich ausgekrochenen, noch blinden Jungen ein stark bebrütetes Ei, welches im Verhältniß zum Vogel ziemlich klein ist, da sein Längen- durchmesser nur aus 64 Millemeter, sein größter Querdurchmesser nur aus 43 Millemeter besteht. Es hat eine etwas längliche Gestalt und ziemlich grobkörnige, weiße Schale, auf der hier und da einige blaßröthliche und bräunliche, wenig in die Augen fallende wolkenähnliche Zeichnungen und Flecken sich befinden."
Der berühmteste aller afrikanischen Hornvögel ist der Abbagamba (Bucorax abyssinicus), Vertreter der Sippe der Hornraben. Er gehört zu den größten Arten der Familie, ist kräftig gebaut, kurzflügelig, kurzschwänzig, aber ziemlich hochbeinig. Sein Schnabel ist sehr groß, schwach gebogen, seitlich abgeplattet, stumpfspitzig, in der Mitte der Schneiden klaffend, aber nur mit einem kurzen, obschon ziemlich hohen Auswuchse über der Wurzel des Oberschnabels verziert. Die Augen und die Kehlgegend sind nackt und sehr lebhaft gefärbt. Jm Fittig überragt die sechste Schwinge die andern. Das Gefieder ist, bis auf die zehn gilblichweißen Handschwingen, glänzend schwarz, das Auge dunkelbraun, der Schnabel, mit Ausnahme eines Fleckens am Oberschnabel, welcher hinten roth, vorn gelb ist, schwarz, der Augenring, wie die Kehle, dunkelbleigrau, letztere breit hochroth gesäumt. Das Weibchen unterscheidet sich bauptsächlich durch etwas geringere Größe und das weniger entwickelte nackte Kehlfeld. Die Länge beträgt nach eigenen Messungen 431/2, die Breite 70, die Fittiglänge 213/4, die Schwanzlänge 131/2 Zoll.
Die Späher. Leichtſchnäbler. Hornvögel.
annimmt, zum Schutze gegen die Affen geſchehe, ſcheint mir nicht wahrſcheinlich, da wenigſtens die javaniſchen Affen ſich wohl hüten werden, in den Vereich einer ſo kräftigen Waffe zu kommen, als es der Schnabel des Vogels iſt. Eher könnten die größeren Eichhornarten gefährlich werden, zumal mir ein Fall bekannt iſt, daß ein gefangen gehaltenes Flugeichhorn einen in daſſelbe Zimmer gebrachten Falken ſofort anfiel, trotz des Sträubens tödtete und ſelbſt theilweiſe auffraß. Beſonderer Erwäh- nung werth ſcheint mir der Umſtand zu ſein, daß in dem von mir beobachteten Falle das Weibchen den größten Theil ſeiner Schwung- und Schwanzfedern verloren hatte, indem von den Schwingen erſter Ordnung nur noch die beiden erſten, von denen zweiter Ordnung in dem einen Flügel noch ſechs, in dem andern blos noch vier vorhanden waren, während die neun erſten ein Viertel bis ein Halbes ihrer Länge erreicht hatten. Spuren davon, daß die Federn etwa abgebiſſen waren, ließen ſich nirgends finden; auch war es auffallend, daß der Rumpf des Thieres weder Stoppeln noch junge Federn zeigte. Jn Folge dieſes mangelhaften Zuſtandes ſeiner Flügel war der Vogel nicht im Stande, ſich auch nur einen Fuß vom Boden zu erheben, und würde, einmal aus dem Neſte gefallen, auf keine Weiſe wieder in daſſelbe haben gelangen können. So weit meine Beobachtungen. Der Eingeborne, welcher das erwähnte Neſt gefunden hatte, und mich zu demſelben führte, verſicherte mir, daß das Weibchen während des Brütens ſtets vom Männchen auf die angegebene Weiſe eingemauert würde, daß es in dieſer Zeit ſeine Schwingen wechſele, völlig ungeſchickt zum Fliegen wäre und erſt zu der Zeit des Flüggewerdens der Jungen ſein Flugvermögen wieder erhalte. Es findet mithin dieſes Einmauern lediglich aus Vorſorge ſtatt, um zu verhüten, daß das Weibchen nicht aus dem Neſte fällt. Weitere Beobachtungen müſſen Dies entſcheiden.“
Horsfield gibt noch andere Erzählungen der Eingebornen wieder. Er behauptet nämlich, daß das Weibchen vom Männchen eiſerſüchtig bewacht und nach Befinden beſtraft werde. Glaubt das Männchen, ſo ungefähr ſagt er, nach einer zeitweiligen Abweſenheit zu bemerken, daß inzwiſchen ein anderes Männchen ſich dem Neſte genähert hat, ſo wird die Oeffnung ſofort durch den eifer- ſüchtigen und erzürnten Vogel zugemauert, und das eingeſchloſſene Weibchen muß alsdann elendlich umkommen.
Das von Bernſtein beſchriebene Neſt beſtand aus einer einfachen, dürren Unterlage von wenigen Reiſern und Holzſpänen. „Es enthielt neben einem kürzlich ausgekrochenen, noch blinden Jungen ein ſtark bebrütetes Ei, welches im Verhältniß zum Vogel ziemlich klein iſt, da ſein Längen- durchmeſſer nur aus 64 Millemeter, ſein größter Querdurchmeſſer nur aus 43 Millemeter beſteht. Es hat eine etwas längliche Geſtalt und ziemlich grobkörnige, weiße Schale, auf der hier und da einige blaßröthliche und bräunliche, wenig in die Augen fallende wolkenähnliche Zeichnungen und Flecken ſich befinden.“
Der berühmteſte aller afrikaniſchen Hornvögel iſt der Abbagamba (Bucorax abyssinicus), Vertreter der Sippe der Hornraben. Er gehört zu den größten Arten der Familie, iſt kräftig gebaut, kurzflügelig, kurzſchwänzig, aber ziemlich hochbeinig. Sein Schnabel iſt ſehr groß, ſchwach gebogen, ſeitlich abgeplattet, ſtumpfſpitzig, in der Mitte der Schneiden klaffend, aber nur mit einem kurzen, obſchon ziemlich hohen Auswuchſe über der Wurzel des Oberſchnabels verziert. Die Augen und die Kehlgegend ſind nackt und ſehr lebhaft gefärbt. Jm Fittig überragt die ſechste Schwinge die andern. Das Gefieder iſt, bis auf die zehn gilblichweißen Handſchwingen, glänzend ſchwarz, das Auge dunkelbraun, der Schnabel, mit Ausnahme eines Fleckens am Oberſchnabel, welcher hinten roth, vorn gelb iſt, ſchwarz, der Augenring, wie die Kehle, dunkelbleigrau, letztere breit hochroth geſäumt. Das Weibchen unterſcheidet ſich bauptſächlich durch etwas geringere Größe und das weniger entwickelte nackte Kehlfeld. Die Länge beträgt nach eigenen Meſſungen 43½, die Breite 70, die Fittiglänge 21¾, die Schwanzlänge 13½ Zoll.
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Die Späher. Leichtſchnäbler. Hornvögel.
annimmt, zum Schutze gegen die Affen geſchehe, ſcheint mir nicht wahrſcheinlich, da wenigſtens die
javaniſchen Affen ſich wohl hüten werden, in den Vereich einer ſo kräftigen Waffe zu kommen, als es
der Schnabel des Vogels iſt. Eher könnten die größeren Eichhornarten gefährlich werden, zumal mir
ein Fall bekannt iſt, daß ein gefangen gehaltenes Flugeichhorn einen in daſſelbe Zimmer gebrachten
Falken ſofort anfiel, trotz des Sträubens tödtete und ſelbſt theilweiſe auffraß. Beſonderer Erwäh-
nung werth ſcheint mir der Umſtand zu ſein, daß in dem von mir beobachteten Falle das Weibchen
den größten Theil ſeiner Schwung- und Schwanzfedern verloren hatte, indem von den Schwingen
erſter Ordnung nur noch die beiden erſten, von denen zweiter Ordnung in dem einen Flügel
noch ſechs, in dem andern blos noch vier vorhanden waren, während die neun erſten ein Viertel bis
ein Halbes ihrer Länge erreicht hatten. Spuren davon, daß die Federn etwa abgebiſſen waren,
ließen ſich nirgends finden; auch war es auffallend, daß der Rumpf des Thieres weder Stoppeln
noch junge Federn zeigte. Jn Folge dieſes mangelhaften Zuſtandes ſeiner Flügel war der Vogel
nicht im Stande, ſich auch nur einen Fuß vom Boden zu erheben, und würde, einmal aus dem Neſte
gefallen, auf keine Weiſe wieder in daſſelbe haben gelangen können. So weit meine Beobachtungen.
Der Eingeborne, welcher das erwähnte Neſt gefunden hatte, und mich zu demſelben führte, verſicherte
mir, daß das Weibchen während des Brütens ſtets vom Männchen auf die angegebene Weiſe
eingemauert würde, daß es in dieſer Zeit ſeine Schwingen wechſele, völlig ungeſchickt zum Fliegen
wäre und erſt zu der Zeit des Flüggewerdens der Jungen ſein Flugvermögen wieder erhalte. Es
findet mithin dieſes Einmauern lediglich aus Vorſorge ſtatt, um zu verhüten, daß das Weibchen nicht
aus dem Neſte fällt. Weitere Beobachtungen müſſen Dies entſcheiden.“
Horsfield gibt noch andere Erzählungen der Eingebornen wieder. Er behauptet nämlich,
daß das Weibchen vom Männchen eiſerſüchtig bewacht und nach Befinden beſtraft werde. Glaubt
das Männchen, ſo ungefähr ſagt er, nach einer zeitweiligen Abweſenheit zu bemerken, daß inzwiſchen
ein anderes Männchen ſich dem Neſte genähert hat, ſo wird die Oeffnung ſofort durch den eifer-
ſüchtigen und erzürnten Vogel zugemauert, und das eingeſchloſſene Weibchen muß alsdann elendlich
umkommen.
Das von Bernſtein beſchriebene Neſt beſtand aus einer einfachen, dürren Unterlage von
wenigen Reiſern und Holzſpänen. „Es enthielt neben einem kürzlich ausgekrochenen, noch blinden
Jungen ein ſtark bebrütetes Ei, welches im Verhältniß zum Vogel ziemlich klein iſt, da ſein Längen-
durchmeſſer nur aus 64 Millemeter, ſein größter Querdurchmeſſer nur aus 43 Millemeter beſteht.
Es hat eine etwas längliche Geſtalt und ziemlich grobkörnige, weiße Schale, auf der hier und da
einige blaßröthliche und bräunliche, wenig in die Augen fallende wolkenähnliche Zeichnungen und
Flecken ſich befinden.“
Der berühmteſte aller afrikaniſchen Hornvögel iſt der Abbagamba (Bucorax abyssinicus),
Vertreter der Sippe der Hornraben. Er gehört zu den größten Arten der Familie, iſt kräftig
gebaut, kurzflügelig, kurzſchwänzig, aber ziemlich hochbeinig. Sein Schnabel iſt ſehr groß, ſchwach
gebogen, ſeitlich abgeplattet, ſtumpfſpitzig, in der Mitte der Schneiden klaffend, aber nur mit
einem kurzen, obſchon ziemlich hohen Auswuchſe über der Wurzel des Oberſchnabels verziert. Die
Augen und die Kehlgegend ſind nackt und ſehr lebhaft gefärbt. Jm Fittig überragt die ſechste
Schwinge die andern. Das Gefieder iſt, bis auf die zehn gilblichweißen Handſchwingen, glänzend
ſchwarz, das Auge dunkelbraun, der Schnabel, mit Ausnahme eines Fleckens am Oberſchnabel,
welcher hinten roth, vorn gelb iſt, ſchwarz, der Augenring, wie die Kehle, dunkelbleigrau, letztere breit
hochroth geſäumt. Das Weibchen unterſcheidet ſich bauptſächlich durch etwas geringere Größe und das
weniger entwickelte nackte Kehlfeld. Die Länge beträgt nach eigenen Meſſungen 43½, die Breite 70,
die Fittiglänge 21¾, die Schwanzlänge 13½ Zoll.
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Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 4. Hildburghausen, 1867, S. 248. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brehm_thierleben04_1867/270>, abgerufen am 26.09.2024.
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