Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bremscheid, Matthias von. Der christliche Mann in seinem Glauben und Leben. Mainz, 1901.

Bild:
<< vorherige Seite

des Staates herbei. Ich brauche hier bloß die
Hauptsätze des vorhin Gesagten zu wiederholen. Die
Sonntagsentheiligung untergräbt die Religion. Wie
kann aber ein Staat auf die Dauer bestehen, wenn
seine Bürger keine Religion haben? Selbst der berühmte
Redner und Staatsmann des Heidenthums, Cicero,
behauptet, es sei eher möglich eine Stadt in die Luft
zu bauen, als einen Staat ohne Religion zu gründen.
Mit welchem Rechte kann man z. B. erwarten, daß
die Auctorität des Fürsten oder seiner Beamten noch
in Ehren und Ansehen stehe, wenn man die Auctorität
Gottes und seiner Kirche schnöde verachtet und mit
Füßen tritt? Das geschieht aber, wenn man die Tage
des Herrn entweiht. Die Sonntagsentheiligung bewirkt
mit der Zeit eine allgemeine Korruption der Sitten.
Wie kann aber ein Staat auf die Dauer bestehen, wenn
seine Unterthanen kein anderes Streben mehr kennen,
als zu erwerben, als zu genießen und immer mehr zu
genießen. Müssen dann nicht die besten und edelsten
Kräfte eines Volkes immer mehr verzehrt, muß es
nicht immer mehr entnervt und verweichlicht, nicht
immer elender und thierischer werden? So ist selbst
der Staat der alten Römer, die doch so herrliche Natur-
anlagen besaßen und mit ihrer Kraft und Tapferkeit
sich die Welt erobert hatten, morsch und faul geworden,
so daß er zusammenbrach unter den Schlägen der
Völkerwanderung. Die Sonntagsentheiligung verdirbt
dann weiter, wie wir gesehen haben, die Familie.
Sind aber die Familien entchristlicht, sind sie nur

des Staates herbei. Ich brauche hier bloß die
Hauptsätze des vorhin Gesagten zu wiederholen. Die
Sonntagsentheiligung untergräbt die Religion. Wie
kann aber ein Staat auf die Dauer bestehen, wenn
seine Bürger keine Religion haben? Selbst der berühmte
Redner und Staatsmann des Heidenthums, Cicero,
behauptet, es sei eher möglich eine Stadt in die Luft
zu bauen, als einen Staat ohne Religion zu gründen.
Mit welchem Rechte kann man z. B. erwarten, daß
die Auctorität des Fürsten oder seiner Beamten noch
in Ehren und Ansehen stehe, wenn man die Auctorität
Gottes und seiner Kirche schnöde verachtet und mit
Füßen tritt? Das geschieht aber, wenn man die Tage
des Herrn entweiht. Die Sonntagsentheiligung bewirkt
mit der Zeit eine allgemeine Korruption der Sitten.
Wie kann aber ein Staat auf die Dauer bestehen, wenn
seine Unterthanen kein anderes Streben mehr kennen,
als zu erwerben, als zu genießen und immer mehr zu
genießen. Müssen dann nicht die besten und edelsten
Kräfte eines Volkes immer mehr verzehrt, muß es
nicht immer mehr entnervt und verweichlicht, nicht
immer elender und thierischer werden? So ist selbst
der Staat der alten Römer, die doch so herrliche Natur-
anlagen besaßen und mit ihrer Kraft und Tapferkeit
sich die Welt erobert hatten, morsch und faul geworden,
so daß er zusammenbrach unter den Schlägen der
Völkerwanderung. Die Sonntagsentheiligung verdirbt
dann weiter, wie wir gesehen haben, die Familie.
Sind aber die Familien entchristlicht, sind sie nur

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="6">
        <div n="5">
          <p><hi rendition="#g"><pb facs="#f0158" xml:id="B836_001_1901_pb0146_0001" n="146"/>
des Staates herbei</hi>. Ich brauche hier bloß die<lb/>
Hauptsätze des vorhin Gesagten zu wiederholen. Die<lb/>
Sonntagsentheiligung untergräbt die Religion. Wie<lb/>
kann aber ein Staat auf die Dauer bestehen, wenn<lb/>
seine Bürger keine Religion haben? Selbst der berühmte<lb/>
Redner und Staatsmann des Heidenthums, Cicero,<lb/>
behauptet, es sei eher möglich eine Stadt in die Luft<lb/>
zu bauen, als einen Staat ohne Religion zu gründen.<lb/>
Mit welchem Rechte kann man z. B. erwarten, daß<lb/>
die Auctorität des Fürsten oder seiner Beamten noch<lb/>
in Ehren und Ansehen stehe, wenn man die Auctorität<lb/>
Gottes und seiner Kirche schnöde verachtet und mit<lb/>
Füßen tritt? Das geschieht aber, wenn man die Tage<lb/>
des Herrn entweiht. Die Sonntagsentheiligung bewirkt<lb/>
mit der Zeit eine allgemeine Korruption der Sitten.<lb/>
Wie kann aber ein Staat auf die Dauer bestehen, wenn<lb/>
seine Unterthanen kein anderes Streben mehr kennen,<lb/>
als zu erwerben, als zu genießen und immer mehr zu<lb/>
genießen. Müssen dann nicht die besten und edelsten<lb/>
Kräfte eines Volkes immer mehr verzehrt, muß es<lb/>
nicht immer mehr entnervt und verweichlicht, nicht<lb/>
immer elender und thierischer werden? So ist selbst<lb/>
der Staat der alten Römer, die doch so herrliche Natur-<lb/>
anlagen besaßen und mit ihrer Kraft und Tapferkeit<lb/>
sich die Welt erobert hatten, morsch und faul geworden,<lb/>
so daß er zusammenbrach unter den Schlägen der<lb/>
Völkerwanderung. Die Sonntagsentheiligung verdirbt<lb/>
dann weiter, wie wir gesehen haben, die Familie.<lb/>
Sind aber die Familien entchristlicht, sind sie nur<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[146/0158] des Staates herbei. Ich brauche hier bloß die Hauptsätze des vorhin Gesagten zu wiederholen. Die Sonntagsentheiligung untergräbt die Religion. Wie kann aber ein Staat auf die Dauer bestehen, wenn seine Bürger keine Religion haben? Selbst der berühmte Redner und Staatsmann des Heidenthums, Cicero, behauptet, es sei eher möglich eine Stadt in die Luft zu bauen, als einen Staat ohne Religion zu gründen. Mit welchem Rechte kann man z. B. erwarten, daß die Auctorität des Fürsten oder seiner Beamten noch in Ehren und Ansehen stehe, wenn man die Auctorität Gottes und seiner Kirche schnöde verachtet und mit Füßen tritt? Das geschieht aber, wenn man die Tage des Herrn entweiht. Die Sonntagsentheiligung bewirkt mit der Zeit eine allgemeine Korruption der Sitten. Wie kann aber ein Staat auf die Dauer bestehen, wenn seine Unterthanen kein anderes Streben mehr kennen, als zu erwerben, als zu genießen und immer mehr zu genießen. Müssen dann nicht die besten und edelsten Kräfte eines Volkes immer mehr verzehrt, muß es nicht immer mehr entnervt und verweichlicht, nicht immer elender und thierischer werden? So ist selbst der Staat der alten Römer, die doch so herrliche Natur- anlagen besaßen und mit ihrer Kraft und Tapferkeit sich die Welt erobert hatten, morsch und faul geworden, so daß er zusammenbrach unter den Schlägen der Völkerwanderung. Die Sonntagsentheiligung verdirbt dann weiter, wie wir gesehen haben, die Familie. Sind aber die Familien entchristlicht, sind sie nur

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Dieses Werk stammt vom Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.

In Absprache mit dem MPI wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:

  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von titleParts verzichtet.
  • Bei Textpassagen, die als Abschnittsüberschrift ausgeweisen werden können, wird auf die zusätzliche Auszeichnung des Layouts verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit q ausgezeichnet.

Weiche und harte Zeilentrennungen werden identisch als 002D übernommen. Der Zeilenumbruch selbst über lb ausgezeichnet.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/bremscheid_mann_1901
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/bremscheid_mann_1901/158
Zitationshilfe: Bremscheid, Matthias von. Der christliche Mann in seinem Glauben und Leben. Mainz, 1901, S. 146. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/bremscheid_mann_1901/158>, abgerufen am 01.07.2022.