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Brentano, Clemens: Gockel, Hinkel und Gackeleia. Frankfurt, 1838.

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mag, wahrscheinlich mit meinem Grafenschwert die Hecken
werde schneiden müssen, um mir und Frau Hinkel mit un¬
sern hohen Insignien durchzuhelfen; also thuet und berei¬
tet uns einen würdigen Empfang." -- Da eilte der Hahn
und die Henne in vollem Laufe, was giebst du, was hast
du? in den Wald hinein nach dem Schlosse zu.

Nun ermahnte Gockel auch noch die Frau Hinkel und
das Kind Gackeleia zur Zufriedenheit, zum Vertrauen auf
Gott und zu Fleiß und Ordnung in dem neu bevorstehenden
Aufenthalt auf eine so liebreiche Art, daß Frau Hinkel
und das Kind Gackeleia den guten Vater herzlich umarmten
und ihm alles Gute und Liebe versprachen; und so zogen sie
alle froh und heiter durch den schönen Wald, die Sonne
sank hinter die Bäume, es ward so recht stille und vertrau¬
lich, ein kühles Lüftchen spielte mit den Blättern und Frau
Hinkel von Hennegau sang folgendes Liedchen mit freundli¬
cher Stimme, wozu Gockel und Gackeleia leise mitsangen.

Wie so leis die Blätter wehn
In dem lieben, stillen Hain,
Sonne will schon schlafen gehn,
Läßt ihr goldnes Hemdelein
Sinken auf den grünen Rasen,
Wo die schlanken Hirsche grasen
In dem rothen Abendschein.
Gute Nacht, Heiapopeia!
Singt Gockel, Hinkel und Gackeleia.
In der Quellen klarer Fluth
Treibt kein Fischlein mehr sein Spiel,
Jedes suchet, wo es ruht,
Sein gewöhnlich Ort und Ziel,
Und entschlummert überm Lauschen
Auf der Wellen leises Rauschen
Zwischen bunten Kieseln kühl.
Gute Nacht, Heiapopeia!
Singt Gockel, Hinkel und Gackeleia.

mag, wahrſcheinlich mit meinem Grafenſchwert die Hecken
werde ſchneiden muͤſſen, um mir und Frau Hinkel mit un¬
ſern hohen Inſignien durchzuhelfen; alſo thuet und berei¬
tet uns einen wuͤrdigen Empfang.“ — Da eilte der Hahn
und die Henne in vollem Laufe, was giebſt du, was haſt
du? in den Wald hinein nach dem Schloſſe zu.

Nun ermahnte Gockel auch noch die Frau Hinkel und
das Kind Gackeleia zur Zufriedenheit, zum Vertrauen auf
Gott und zu Fleiß und Ordnung in dem neu bevorſtehenden
Aufenthalt auf eine ſo liebreiche Art, daß Frau Hinkel
und das Kind Gackeleia den guten Vater herzlich umarmten
und ihm alles Gute und Liebe verſprachen; und ſo zogen ſie
alle froh und heiter durch den ſchoͤnen Wald, die Sonne
ſank hinter die Baͤume, es ward ſo recht ſtille und vertrau¬
lich, ein kuͤhles Luͤftchen ſpielte mit den Blaͤttern und Frau
Hinkel von Hennegau ſang folgendes Liedchen mit freundli¬
cher Stimme, wozu Gockel und Gackeleia leiſe mitſangen.

Wie ſo leis die Blaͤtter wehn
In dem lieben, ſtillen Hain,
Sonne will ſchon ſchlafen gehn,
Laͤßt ihr goldnes Hemdelein
Sinken auf den gruͤnen Raſen,
Wo die ſchlanken Hirſche graſen
In dem rothen Abendſchein.
Gute Nacht, Heiapopeia!
Singt Gockel, Hinkel und Gackeleia.
In der Quellen klarer Fluth
Treibt kein Fiſchlein mehr ſein Spiel,
Jedes ſuchet, wo es ruht,
Sein gewoͤhnlich Ort und Ziel,
Und entſchlummert uͤberm Lauſchen
Auf der Wellen leiſes Rauſchen
Zwiſchen bunten Kieſeln kuͤhl.
Gute Nacht, Heiapopeia!
Singt Gockel, Hinkel und Gackeleia.
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[14/0036] mag, wahrſcheinlich mit meinem Grafenſchwert die Hecken werde ſchneiden muͤſſen, um mir und Frau Hinkel mit un¬ ſern hohen Inſignien durchzuhelfen; alſo thuet und berei¬ tet uns einen wuͤrdigen Empfang.“ — Da eilte der Hahn und die Henne in vollem Laufe, was giebſt du, was haſt du? in den Wald hinein nach dem Schloſſe zu. Nun ermahnte Gockel auch noch die Frau Hinkel und das Kind Gackeleia zur Zufriedenheit, zum Vertrauen auf Gott und zu Fleiß und Ordnung in dem neu bevorſtehenden Aufenthalt auf eine ſo liebreiche Art, daß Frau Hinkel und das Kind Gackeleia den guten Vater herzlich umarmten und ihm alles Gute und Liebe verſprachen; und ſo zogen ſie alle froh und heiter durch den ſchoͤnen Wald, die Sonne ſank hinter die Baͤume, es ward ſo recht ſtille und vertrau¬ lich, ein kuͤhles Luͤftchen ſpielte mit den Blaͤttern und Frau Hinkel von Hennegau ſang folgendes Liedchen mit freundli¬ cher Stimme, wozu Gockel und Gackeleia leiſe mitſangen. Wie ſo leis die Blaͤtter wehn In dem lieben, ſtillen Hain, Sonne will ſchon ſchlafen gehn, Laͤßt ihr goldnes Hemdelein Sinken auf den gruͤnen Raſen, Wo die ſchlanken Hirſche graſen In dem rothen Abendſchein. Gute Nacht, Heiapopeia! Singt Gockel, Hinkel und Gackeleia. In der Quellen klarer Fluth Treibt kein Fiſchlein mehr ſein Spiel, Jedes ſuchet, wo es ruht, Sein gewoͤhnlich Ort und Ziel, Und entſchlummert uͤberm Lauſchen Auf der Wellen leiſes Rauſchen Zwiſchen bunten Kieſeln kuͤhl. Gute Nacht, Heiapopeia! Singt Gockel, Hinkel und Gackeleia.

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Zitationshilfe: Brentano, Clemens: Gockel, Hinkel und Gackeleia. Frankfurt, 1838, S. 14. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brentano_gockel_1838/36>, abgerufen am 08.05.2021.