Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Herrn B. H. Brockes, [...] verdeutschte Grund-Sätze der Welt-Weisheit, des Herrn Abts Genest. Bd. 3. 2. Aufl. Hamburg, 1730.

Bild:
<< vorherige Seite
Schluß.
Sieht man eine schöne Bluhme,
Sieht man grünes Laub und Gras;
Ach! so denckt nur, GOTT zum Ruhme:
Ey! GOTT Lob! wie schön ist das!
Jn des Schöpffers Wunder-Wercken
Seine Macht und Weisheit mercken,
Und, an der Geschöpffe Schätzen,
GOTT zu Ehren, sich ergötzen;
Dient nicht nur zur Lust für euch;
Jst ein GOTTES-Dienst zugleich.
Adam selbst im Paradeise,
Hat, auf eben diese Weise,
Sich zur Lust und GOTT zum Preise,
Jhn als Schöpffer zu erhöhn,
Sein Geschöpff offt angesehn:
Ja er würde, GOTT zur Ehre,
Wenn er nicht gefallen wäre;
An des Schöpffers Wunder-Gaben
Ewig sich gelabet haben.
Darum wende jedermann
Seiner Seelen Sinn und Kräffte,
Zu so lieblichem Geschäffte,
Wiederum mit Freuden an:
Sich von neuen zu bereiten,
Zum Genuß der Herrlichkeiten,
Die in jenem Himmels-Garten
Unsrer warten.


Regi-
Schluß.
Sieht man eine ſchoͤne Bluhme,
Sieht man gruͤnes Laub und Gras;
Ach! ſo denckt nur, GOTT zum Ruhme:
Ey! GOTT Lob! wie ſchoͤn iſt das!
Jn des Schoͤpffers Wunder-Wercken
Seine Macht und Weisheit mercken,
Und, an der Geſchoͤpffe Schaͤtzen,
GOTT zu Ehren, ſich ergoͤtzen;
Dient nicht nur zur Luſt fuͤr euch;
Jſt ein GOTTES-Dienſt zugleich.
Adam ſelbſt im Paradeiſe,
Hat, auf eben dieſe Weiſe,
Sich zur Luſt und GOTT zum Preiſe,
Jhn als Schoͤpffer zu erhoͤhn,
Sein Geſchoͤpff offt angeſehn:
Ja er wuͤrde, GOTT zur Ehre,
Wenn er nicht gefallen waͤre;
An des Schoͤpffers Wunder-Gaben
Ewig ſich gelabet haben.
Darum wende jedermann
Seiner Seelen Sinn und Kraͤffte,
Zu ſo lieblichem Geſchaͤffte,
Wiederum mit Freuden an:
Sich von neuen zu bereiten,
Zum Genuß der Herrlichkeiten,
Die in jenem Himmels-Garten
Unſrer warten.


Regi-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0734" n="704"/>
        <div n="2">
          <head>Schluß.</head><lb/>
          <lg type="poem">
            <l><hi rendition="#in">S</hi>ieht man eine &#x017F;cho&#x0364;ne Bluhme,</l><lb/>
            <l>Sieht man gru&#x0364;nes Laub und Gras;</l><lb/>
            <l>Ach! &#x017F;o denckt nur, GOTT zum Ruhme:</l><lb/>
            <l>Ey! GOTT Lob! wie &#x017F;cho&#x0364;n i&#x017F;t das!</l><lb/>
            <l>Jn des Scho&#x0364;pffers Wunder-Wercken</l><lb/>
            <l>Seine Macht und Weisheit mercken,</l><lb/>
            <l>Und, an der Ge&#x017F;cho&#x0364;pffe Scha&#x0364;tzen,</l><lb/>
            <l>GOTT zu Ehren, &#x017F;ich ergo&#x0364;tzen;</l><lb/>
            <l>Dient nicht nur zur Lu&#x017F;t fu&#x0364;r euch;</l><lb/>
            <l>J&#x017F;t ein GOTTES-Dien&#x017F;t zugleich.</l>
          </lg><lb/>
          <lg type="poem">
            <l>Adam &#x017F;elb&#x017F;t im Paradei&#x017F;e,</l><lb/>
            <l>Hat, auf eben die&#x017F;e Wei&#x017F;e,</l><lb/>
            <l>Sich zur Lu&#x017F;t und GOTT zum Prei&#x017F;e,</l><lb/>
            <l>Jhn als Scho&#x0364;pffer zu erho&#x0364;hn,</l><lb/>
            <l>Sein Ge&#x017F;cho&#x0364;pff offt ange&#x017F;ehn:</l><lb/>
            <l>Ja er wu&#x0364;rde, GOTT zur Ehre,</l><lb/>
            <l>Wenn er nicht gefallen wa&#x0364;re;</l><lb/>
            <l>An des Scho&#x0364;pffers Wunder-Gaben</l><lb/>
            <l>Ewig &#x017F;ich gelabet haben.</l><lb/>
            <l>Darum wende jedermann</l><lb/>
            <l>Seiner Seelen Sinn und Kra&#x0364;ffte,</l><lb/>
            <l>Zu &#x017F;o lieblichem Ge&#x017F;cha&#x0364;ffte,</l><lb/>
            <l>Wiederum mit Freuden an:</l><lb/>
            <l>Sich von neuen zu bereiten,</l><lb/>
            <l>Zum Genuß der Herrlichkeiten,</l><lb/>
            <l>Die in jenem Himmels-Garten</l><lb/>
            <l>Un&#x017F;rer warten.</l>
          </lg>
        </div>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <fw place="bottom" type="catch">Regi-</fw><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[704/0734] Schluß. Sieht man eine ſchoͤne Bluhme, Sieht man gruͤnes Laub und Gras; Ach! ſo denckt nur, GOTT zum Ruhme: Ey! GOTT Lob! wie ſchoͤn iſt das! Jn des Schoͤpffers Wunder-Wercken Seine Macht und Weisheit mercken, Und, an der Geſchoͤpffe Schaͤtzen, GOTT zu Ehren, ſich ergoͤtzen; Dient nicht nur zur Luſt fuͤr euch; Jſt ein GOTTES-Dienſt zugleich. Adam ſelbſt im Paradeiſe, Hat, auf eben dieſe Weiſe, Sich zur Luſt und GOTT zum Preiſe, Jhn als Schoͤpffer zu erhoͤhn, Sein Geſchoͤpff offt angeſehn: Ja er wuͤrde, GOTT zur Ehre, Wenn er nicht gefallen waͤre; An des Schoͤpffers Wunder-Gaben Ewig ſich gelabet haben. Darum wende jedermann Seiner Seelen Sinn und Kraͤffte, Zu ſo lieblichem Geſchaͤffte, Wiederum mit Freuden an: Sich von neuen zu bereiten, Zum Genuß der Herrlichkeiten, Die in jenem Himmels-Garten Unſrer warten. Regi-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen03_1730
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen03_1730/734
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Herrn B. H. Brockes, [...] verdeutschte Grund-Sätze der Welt-Weisheit, des Herrn Abts Genest. Bd. 3. 2. Aufl. Hamburg, 1730, S. 704. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen03_1730/734>, abgerufen am 14.04.2021.