Wenn wir unsrer Rosen Funkeln, Blu- men über- haupt.Tulpen, Mah' und Tausendschön, Tuberosen und Ranunkeln, Sammt der Nelken Purpur sehn, Weis kein Mensch, wie in der Erden Solcher Schmuck gemischt kann werden, Wie ihr Glanz, so weiß als Schnee, Aus so schwarzem Sand entsteh.
Wie das Blau der krausen Liljen, Wie der Anemonen Roth, Wie das Gelbe der Schonkiljen Stamm' aus Leimen, Sand und Koth, Wie sich tausend Farben flößen Aus verworfnen Erdenklößen, Wie des Frühlings schönster Putz Nur entspring' aus Staub und Schmuz.
Seht, wie ihre Blätter scheinen! Jhre Schönheit, Schmuck und Zier Gleichen fast den Edelsteinen, Ja sie übergehn sie schier. Rosen glänzen, wie Rubinen, Wie Sardonich die Jesminen, Beyden gleicht der Amaranth, Lilien dem Diamant.
Könnte man aus Edelsteinen, Aus Smaragd, Sapphir, Rubin, Jhr so buntgefärbtes Scheinen, Jhre Farb in Säften ziehn Mit Behaltung ihrer Stralen, Und man wollte Blumen mahlen, Würd es, bey der Blumen Schein, Doch wie nichts zu rechnen seyn.
Wer
Betrachtungen
Wenn wir unſrer Roſen Funkeln, Blu- men über- haupt.Tulpen, Mah’ und Tauſendſchoͤn, Tuberoſen und Ranunkeln, Sammt der Nelken Purpur ſehn, Weis kein Menſch, wie in der Erden Solcher Schmuck gemiſcht kann werden, Wie ihr Glanz, ſo weiß als Schnee, Aus ſo ſchwarzem Sand entſteh.
Wie das Blau der krauſen Liljen, Wie der Anemonen Roth, Wie das Gelbe der Schonkiljen Stamm’ aus Leimen, Sand und Koth, Wie ſich tauſend Farben floͤßen Aus verworfnen Erdenkloͤßen, Wie des Fruͤhlings ſchoͤnſter Putz Nur entſpring’ aus Staub und Schmuz.
Seht, wie ihre Blaͤtter ſcheinen! Jhre Schoͤnheit, Schmuck und Zier Gleichen faſt den Edelſteinen, Ja ſie uͤbergehn ſie ſchier. Roſen glaͤnzen, wie Rubinen, Wie Sardonich die Jesminen, Beyden gleicht der Amaranth, Lilien dem Diamant.
Koͤnnte man aus Edelſteinen, Aus Smaragd, Sapphir, Rubin, Jhr ſo buntgefaͤrbtes Scheinen, Jhre Farb in Saͤften ziehn Mit Behaltung ihrer Stralen, Und man wollte Blumen mahlen, Wuͤrd es, bey der Blumen Schein, Doch wie nichts zu rechnen ſeyn.
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Betrachtungen
Wenn wir unſrer Roſen Funkeln,
Tulpen, Mah’ und Tauſendſchoͤn,
Tuberoſen und Ranunkeln,
Sammt der Nelken Purpur ſehn,
Weis kein Menſch, wie in der Erden
Solcher Schmuck gemiſcht kann werden,
Wie ihr Glanz, ſo weiß als Schnee,
Aus ſo ſchwarzem Sand entſteh.
Wie das Blau der krauſen Liljen,
Wie der Anemonen Roth,
Wie das Gelbe der Schonkiljen
Stamm’ aus Leimen, Sand und Koth,
Wie ſich tauſend Farben floͤßen
Aus verworfnen Erdenkloͤßen,
Wie des Fruͤhlings ſchoͤnſter Putz
Nur entſpring’ aus Staub und Schmuz.
Seht, wie ihre Blaͤtter ſcheinen!
Jhre Schoͤnheit, Schmuck und Zier
Gleichen faſt den Edelſteinen,
Ja ſie uͤbergehn ſie ſchier.
Roſen glaͤnzen, wie Rubinen,
Wie Sardonich die Jesminen,
Beyden gleicht der Amaranth,
Lilien dem Diamant.
Koͤnnte man aus Edelſteinen,
Aus Smaragd, Sapphir, Rubin,
Jhr ſo buntgefaͤrbtes Scheinen,
Jhre Farb in Saͤften ziehn
Mit Behaltung ihrer Stralen,
Und man wollte Blumen mahlen,
Wuͤrd es, bey der Blumen Schein,
Doch wie nichts zu rechnen ſeyn.
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 96. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/116>, abgerufen am 15.09.2024.
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