Wie viel tausend Kräuter grünen, Wie viel tausend Blumen blühn, Die nur, bloß um uns zu dienen, Jhren Saft der Erd' entziehn? Ja, wie mancherley Gerichte Reichen uns der Bäume Früchte, Deren schöner Nahrungssaft Bloß der Erde Wunderkraft.
Bäu- me.
Hier ergetz ich mich vom neuen, Wenn mein sattes Herz erwägt, Wie die Erd, uns zu erfrenen, So verschiedne Bäume trägt, Drinn sie, um uns zu erfrischen, Saur' und süß weis so zu mischen; Daß was ihre Kraft uns schenkt, Uns mit Anmuth nährt und tränkt.
Wie viel tausend Bäume grünen, Die, ob sie gleich unfruchtbar, Doch mit ihrem Holz uns dienen, Und vor allerley Gefahr Durch die Festigkeit uns schützen, Wenn wir frieren, uns erhitzen, Ja vor Regen, Sturm und Wind Ein gesichert Schirmdach sind!
Jhr Nutz ist nicht zu ergründen, Jhre Menge zählt man kaum. Buchen, Weiden, Eschen, Linden, Erlen, sammt dem Pappelnbaum, Cedern, fo zum Himmel reichen, Jpern, Tannen, Birken, Eichen, Ulm und Ficht, der Felsen Zier, Buxbaum, Tax, Cypreß Laurier.
Nun
Betrachtungen
Wie viel tauſend Kraͤuter gruͤnen, Wie viel tauſend Blumen bluͤhn, Die nur, bloß um uns zu dienen, Jhren Saft der Erd’ entziehn? Ja, wie mancherley Gerichte Reichen uns der Baͤume Fruͤchte, Deren ſchoͤner Nahrungsſaft Bloß der Erde Wunderkraft.
Bäu- me.
Hier ergetz ich mich vom neuen, Wenn mein ſattes Herz erwaͤgt, Wie die Erd, uns zu erfrenen, So verſchiedne Baͤume traͤgt, Drinn ſie, um uns zu erfriſchen, Saur’ und ſuͤß weis ſo zu miſchen; Daß was ihre Kraft uns ſchenkt, Uns mit Anmuth naͤhrt und traͤnkt.
Wie viel tauſend Baͤume gruͤnen, Die, ob ſie gleich unfruchtbar, Doch mit ihrem Holz uns dienen, Und vor allerley Gefahr Durch die Feſtigkeit uns ſchuͤtzen, Wenn wir frieren, uns erhitzen, Ja vor Regen, Sturm und Wind Ein geſichert Schirmdach ſind!
Jhr Nutz iſt nicht zu ergruͤnden, Jhre Menge zaͤhlt man kaum. Buchen, Weiden, Eſchen, Linden, Erlen, ſammt dem Pappelnbaum, Cedern, fo zum Himmel reichen, Jpern, Tannen, Birken, Eichen, Ulm und Ficht, der Felſen Zier, Buxbaum, Tax, Cypreß Laurier.
Nun
<TEI><text><body><divn="1"><pbfacs="#f0118"n="98"/><fwplace="top"type="header">Betrachtungen</fw><lb/><lgn="375"><l>Wie viel tauſend Kraͤuter gruͤnen,</l><lb/><l>Wie viel tauſend Blumen bluͤhn,</l><lb/><l>Die nur, bloß um uns zu dienen,</l><lb/><l>Jhren Saft der Erd’ entziehn?</l><lb/><l>Ja, wie mancherley Gerichte</l><lb/><l>Reichen uns der Baͤume Fruͤchte,</l><lb/><l>Deren ſchoͤner Nahrungsſaft</l><lb/><l>Bloß der Erde Wunderkraft.</l></lg><lb/><noteplace="left">Bäu-<lb/>
me.</note><lgn="376"><l>Hier ergetz ich mich vom neuen,</l><lb/><l>Wenn mein ſattes Herz erwaͤgt,</l><lb/><l>Wie die Erd, uns zu erfrenen,</l><lb/><l>So verſchiedne Baͤume traͤgt,</l><lb/><l>Drinn ſie, um uns zu erfriſchen,</l><lb/><l>Saur’ und ſuͤß weis ſo zu miſchen;</l><lb/><l>Daß was ihre Kraft uns ſchenkt,</l><lb/><l>Uns mit Anmuth naͤhrt und traͤnkt.</l></lg><lb/><lgn="377"><l>Wie viel tauſend Baͤume gruͤnen,</l><lb/><l>Die, ob ſie gleich unfruchtbar,</l><lb/><l>Doch mit ihrem Holz uns dienen,</l><lb/><l>Und vor allerley Gefahr</l><lb/><l>Durch die Feſtigkeit uns ſchuͤtzen,</l><lb/><l>Wenn wir frieren, uns erhitzen,</l><lb/><l>Ja vor Regen, Sturm und Wind</l><lb/><l>Ein geſichert Schirmdach ſind!</l></lg><lb/><lgn="378"><l>Jhr Nutz iſt nicht zu ergruͤnden,</l><lb/><l>Jhre Menge zaͤhlt man kaum.</l><lb/><l>Buchen, Weiden, Eſchen, Linden,</l><lb/><l>Erlen, ſammt dem Pappelnbaum,</l><lb/><l>Cedern, fo zum Himmel reichen,</l><lb/><l>Jpern, Tannen, Birken, Eichen,</l><lb/><l>Ulm und Ficht, der Felſen Zier,</l><lb/><l>Buxbaum, Tax, Cypreß Laurier.</l></lg><lb/><fwplace="bottom"type="catch">Nun</fw><lb/></div></body></text></TEI>
[98/0118]
Betrachtungen
Wie viel tauſend Kraͤuter gruͤnen,
Wie viel tauſend Blumen bluͤhn,
Die nur, bloß um uns zu dienen,
Jhren Saft der Erd’ entziehn?
Ja, wie mancherley Gerichte
Reichen uns der Baͤume Fruͤchte,
Deren ſchoͤner Nahrungsſaft
Bloß der Erde Wunderkraft.
Hier ergetz ich mich vom neuen,
Wenn mein ſattes Herz erwaͤgt,
Wie die Erd, uns zu erfrenen,
So verſchiedne Baͤume traͤgt,
Drinn ſie, um uns zu erfriſchen,
Saur’ und ſuͤß weis ſo zu miſchen;
Daß was ihre Kraft uns ſchenkt,
Uns mit Anmuth naͤhrt und traͤnkt.
Wie viel tauſend Baͤume gruͤnen,
Die, ob ſie gleich unfruchtbar,
Doch mit ihrem Holz uns dienen,
Und vor allerley Gefahr
Durch die Feſtigkeit uns ſchuͤtzen,
Wenn wir frieren, uns erhitzen,
Ja vor Regen, Sturm und Wind
Ein geſichert Schirmdach ſind!
Jhr Nutz iſt nicht zu ergruͤnden,
Jhre Menge zaͤhlt man kaum.
Buchen, Weiden, Eſchen, Linden,
Erlen, ſammt dem Pappelnbaum,
Cedern, fo zum Himmel reichen,
Jpern, Tannen, Birken, Eichen,
Ulm und Ficht, der Felſen Zier,
Buxbaum, Tax, Cypreß Laurier.
Nun
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 98. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/118>, abgerufen am 15.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.