Wie wir an den Stielen sehen, Daß sie bloß ein Theil vom Ast, Und aus selbem Stoff bestehen: Also wird auch leicht gefaßt, Blät- ter.Daß die Blätter, ihre Kinder, Eben auch wie sie, nicht minder, Von demselben Stoff und Zeug Seyn gewebt, wie Stamm und Zweig.
Sie bestehen auch aus Röhren, Welche holzigt, hol und fest, Aus Gefäßen, die sie nähren, Als wodurch der Saft sich preßt, Noch aus Bläslein, die, gleich Netzen, Sich verschrenkt zusammen setzen. Luftgefäß, ein äußre Haut Sind auch mit daran gebaut.
Von den Blättern ist zu wissen, Daß sie nicht zur Zier allein, Sondern, daß sie vielfach müssen Blüt- und Früchten nützlich seyn; Wenn die noch in Knospen stecken, Dient das zarte Laub zur Decken, Die sie für die Luft und Kält, Durch die Festigkeit, erhält.
Wenn nun Blüt und Frucht sich zeiget, Siehet man recht wunderbar, Daß, nebst ihnen, vorwerts steiget Der beschirm'nden Blätter Schaar, Die sind für zu starke Hitze, Jhnen dienlich, nöthig, nütze, Sonst vertrocknet' ihren Saft Der zu starken Sonnen Kraft.
Wie
uͤber das Reich der Pflanzen.
Wie wir an den Stielen ſehen, Daß ſie bloß ein Theil vom Aſt, Und aus ſelbem Stoff beſtehen: Alſo wird auch leicht gefaßt, Blät- ter.Daß die Blaͤtter, ihre Kinder, Eben auch wie ſie, nicht minder, Von demſelben Stoff und Zeug Seyn gewebt, wie Stamm und Zweig.
Sie beſtehen auch aus Roͤhren, Welche holzigt, hol und feſt, Aus Gefaͤßen, die ſie naͤhren, Als wodurch der Saft ſich preßt, Noch aus Blaͤslein, die, gleich Netzen, Sich verſchrenkt zuſammen ſetzen. Luftgefaͤß, ein aͤußre Haut Sind auch mit daran gebaut.
Von den Blaͤttern iſt zu wiſſen, Daß ſie nicht zur Zier allein, Sondern, daß ſie vielfach muͤſſen Bluͤt- und Fruͤchten nuͤtzlich ſeyn; Wenn die noch in Knoſpen ſtecken, Dient das zarte Laub zur Decken, Die ſie fuͤr die Luft und Kaͤlt, Durch die Feſtigkeit, erhaͤlt.
Wenn nun Bluͤt und Frucht ſich zeiget, Siehet man recht wunderbar, Daß, nebſt ihnen, vorwerts ſteiget Der beſchirm’nden Blaͤtter Schaar, Die ſind fuͤr zu ſtarke Hitze, Jhnen dienlich, noͤthig, nuͤtze, Sonſt vertrocknet’ ihren Saft Der zu ſtarken Sonnen Kraft.
Wie
<TEI><text><body><divn="1"><pbfacs="#f0127"n="107"/><fwplace="top"type="header">uͤber das Reich der Pflanzen.</fw><lb/><lgn="411"><l>Wie wir an den Stielen ſehen,</l><lb/><l>Daß ſie bloß ein Theil vom Aſt,</l><lb/><l>Und aus ſelbem Stoff beſtehen:</l><lb/><l>Alſo wird auch leicht gefaßt,<lb/><noteplace="left">Blät-<lb/>
ter.</note>Daß die Blaͤtter, ihre Kinder,</l><lb/><l>Eben auch wie ſie, nicht minder,</l><lb/><l>Von demſelben Stoff und Zeug</l><lb/><l>Seyn gewebt, wie Stamm und Zweig.</l></lg><lb/><lgn="412"><l>Sie beſtehen auch aus Roͤhren,</l><lb/><l>Welche holzigt, hol und feſt,</l><lb/><l>Aus Gefaͤßen, die ſie naͤhren,</l><lb/><l>Als wodurch der Saft ſich preßt,</l><lb/><l>Noch aus Blaͤslein, die, gleich Netzen,</l><lb/><l>Sich verſchrenkt zuſammen ſetzen.</l><lb/><l>Luftgefaͤß, ein aͤußre Haut</l><lb/><l>Sind auch mit daran gebaut.</l></lg><lb/><lgn="413"><l>Von den Blaͤttern iſt zu wiſſen,</l><lb/><l>Daß ſie nicht zur Zier allein,</l><lb/><l>Sondern, daß ſie vielfach muͤſſen</l><lb/><l>Bluͤt- und Fruͤchten nuͤtzlich ſeyn;</l><lb/><l>Wenn die noch in Knoſpen ſtecken,</l><lb/><l>Dient das zarte Laub zur Decken,</l><lb/><l>Die ſie fuͤr die Luft und Kaͤlt,</l><lb/><l>Durch die Feſtigkeit, erhaͤlt.</l></lg><lb/><lgn="414"><l>Wenn nun Bluͤt und Frucht ſich zeiget,</l><lb/><l>Siehet man recht wunderbar,</l><lb/><l>Daß, nebſt ihnen, vorwerts ſteiget</l><lb/><l>Der beſchirm’nden Blaͤtter Schaar,</l><lb/><l>Die ſind fuͤr zu ſtarke Hitze,</l><lb/><l>Jhnen dienlich, noͤthig, nuͤtze,</l><lb/><l>Sonſt vertrocknet’ ihren Saft</l><lb/><l>Der zu ſtarken Sonnen Kraft.</l></lg><lb/><fwplace="bottom"type="catch">Wie</fw><lb/></div></body></text></TEI>
[107/0127]
uͤber das Reich der Pflanzen.
Wie wir an den Stielen ſehen,
Daß ſie bloß ein Theil vom Aſt,
Und aus ſelbem Stoff beſtehen:
Alſo wird auch leicht gefaßt,
Daß die Blaͤtter, ihre Kinder,
Eben auch wie ſie, nicht minder,
Von demſelben Stoff und Zeug
Seyn gewebt, wie Stamm und Zweig.
Sie beſtehen auch aus Roͤhren,
Welche holzigt, hol und feſt,
Aus Gefaͤßen, die ſie naͤhren,
Als wodurch der Saft ſich preßt,
Noch aus Blaͤslein, die, gleich Netzen,
Sich verſchrenkt zuſammen ſetzen.
Luftgefaͤß, ein aͤußre Haut
Sind auch mit daran gebaut.
Von den Blaͤttern iſt zu wiſſen,
Daß ſie nicht zur Zier allein,
Sondern, daß ſie vielfach muͤſſen
Bluͤt- und Fruͤchten nuͤtzlich ſeyn;
Wenn die noch in Knoſpen ſtecken,
Dient das zarte Laub zur Decken,
Die ſie fuͤr die Luft und Kaͤlt,
Durch die Feſtigkeit, erhaͤlt.
Wenn nun Bluͤt und Frucht ſich zeiget,
Siehet man recht wunderbar,
Daß, nebſt ihnen, vorwerts ſteiget
Der beſchirm’nden Blaͤtter Schaar,
Die ſind fuͤr zu ſtarke Hitze,
Jhnen dienlich, noͤthig, nuͤtze,
Sonſt vertrocknet’ ihren Saft
Der zu ſtarken Sonnen Kraft.
Wie
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 107. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/127>, abgerufen am 15.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.