Die Natur hat, sie zu bilden, Weder Fleiß noch Kunst gespart; Jhre Farb ist wirklich gülden, Sie sind von verschiedner Art; Es sind bittre, saur' und süße, Drum man sie verschiedlich hieße; Weil sie so verschieden seyn, Theilet man sie billig ein.
Apfel- sina.
Apfelsina sind die süßen Eigentlich allein genannt, Als die in dem Land entsprießen; An der Säure sind erkannt Die, so wir Citronen heißen, Und ein wenig blasser gleißen: Pomeranzen, deren Saft Von gesund- und bittrer Kraft.
Ehe wir nun weiter gehen, Und von einer jeden Art Frucht, Geschmack und Kraft besehen, Die in dieser Frucht gepaart: Laßt uns auf die Blüten achten Und erstaunt dabey betrachten, Daß die Bäume stets zugleich Blüt- und frucht- und blätterreich.
Da sie unaufhörlich grünen, Und auch selbst im Winter schön, Sieht man ihre Frucht auf ihnen Reif zugleich und unreif stehn. Jn den Pomeranzenhäusern Wird auf ihrer Kronen Reisern, Als wenn sie der Sommer schmückt, Auch im Frost, ihr Schmuck erblickt.
Die,
Betrachtungen
Die Natur hat, ſie zu bilden, Weder Fleiß noch Kunſt geſpart; Jhre Farb iſt wirklich guͤlden, Sie ſind von verſchiedner Art; Es ſind bittre, ſaur’ und ſuͤße, Drum man ſie verſchiedlich hieße; Weil ſie ſo verſchieden ſeyn, Theilet man ſie billig ein.
Apfel- ſina.
Apfelſina ſind die ſuͤßen Eigentlich allein genannt, Als die in dem Land entſprießen; An der Saͤure ſind erkannt Die, ſo wir Citronen heißen, Und ein wenig blaſſer gleißen: Pomeranzen, deren Saft Von geſund- und bittrer Kraft.
Ehe wir nun weiter gehen, Und von einer jeden Art Frucht, Geſchmack und Kraft beſehen, Die in dieſer Frucht gepaart: Laßt uns auf die Bluͤten achten Und erſtaunt dabey betrachten, Daß die Baͤume ſtets zugleich Bluͤt- und frucht- und blaͤtterreich.
Da ſie unaufhoͤrlich gruͤnen, Und auch ſelbſt im Winter ſchoͤn, Sieht man ihre Frucht auf ihnen Reif zugleich und unreif ſtehn. Jn den Pomeranzenhaͤuſern Wird auf ihrer Kronen Reiſern, Als wenn ſie der Sommer ſchmuͤckt, Auch im Froſt, ihr Schmuck erblickt.
Die,
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[188/0208]
Betrachtungen
Die Natur hat, ſie zu bilden,
Weder Fleiß noch Kunſt geſpart;
Jhre Farb iſt wirklich guͤlden,
Sie ſind von verſchiedner Art;
Es ſind bittre, ſaur’ und ſuͤße,
Drum man ſie verſchiedlich hieße;
Weil ſie ſo verſchieden ſeyn,
Theilet man ſie billig ein.
Apfelſina ſind die ſuͤßen
Eigentlich allein genannt,
Als die in dem Land entſprießen;
An der Saͤure ſind erkannt
Die, ſo wir Citronen heißen,
Und ein wenig blaſſer gleißen:
Pomeranzen, deren Saft
Von geſund- und bittrer Kraft.
Ehe wir nun weiter gehen,
Und von einer jeden Art
Frucht, Geſchmack und Kraft beſehen,
Die in dieſer Frucht gepaart:
Laßt uns auf die Bluͤten achten
Und erſtaunt dabey betrachten,
Daß die Baͤume ſtets zugleich
Bluͤt- und frucht- und blaͤtterreich.
Da ſie unaufhoͤrlich gruͤnen,
Und auch ſelbſt im Winter ſchoͤn,
Sieht man ihre Frucht auf ihnen
Reif zugleich und unreif ſtehn.
Jn den Pomeranzenhaͤuſern
Wird auf ihrer Kronen Reiſern,
Als wenn ſie der Sommer ſchmuͤckt,
Auch im Froſt, ihr Schmuck erblickt.
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 188. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/208>, abgerufen am 15.09.2024.
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