Geschieht dasselbe, wenn das Zwerchfell hinwieder in den vor'gen Stand, Zusammt den Ribben, sich begiebet, die Lunge sich zu- sammenzieht, So beydes ein beträchtlich Wunder für ein aufmerksa- mes Gemüth.
Der Bau der Lunge selber nun besteht aus Bläslein, wie man sieht, Doch ist dieß nutz- und wunderbar besondre Werkzeug, wie wir lesen, Und ihre eigene Gestalt, vor kurzem noch versteckt ge- wesen. Sie scheint hauptsächlich zum Zertheilen und zur Verdün- nung dem Geblüt, Zu unsers Bluts Centralbewegung, und folglich selbst zur Lebenswärme Uns eigentlich geschenkt zu seyn, auch zur Bewegung der Gedärme. Denn wenn Blut aus des Herzens Kammer der rechten Seite durch die Lungen, Und ihre mehr, als wie ein Haar, verkleinte Röhren, wird gedrungen, Wird es, durch stetes Wiederholen des Athems, den man von sich läßt, Und wieder einzieht, ungemein gedruckt, gedrenget und gepreßt, Jn kleine Kügelchen zertheilt, die sich dadurch geschwin- der regen, Und in das Blut ein lebhaft Roth und angenehme Farbe prägen. Wie nun die meisten Körpertheile, sowohl bey Menschen als bey Thieren,
Noch
Betrachtungen
Geſchieht daſſelbe, wenn das Zwerchfell hinwieder in den vor’gen Stand, Zuſammt den Ribben, ſich begiebet, die Lunge ſich zu- ſammenzieht, So beydes ein betraͤchtlich Wunder fuͤr ein aufmerkſa- mes Gemuͤth.
Der Bau der Lunge ſelber nun beſteht aus Blaͤslein, wie man ſieht, Doch iſt dieß nutz- und wunderbar beſondre Werkzeug, wie wir leſen, Und ihre eigene Geſtalt, vor kurzem noch verſteckt ge- weſen. Sie ſcheint hauptſaͤchlich zum Zertheilen und zur Verduͤn- nung dem Gebluͤt, Zu unſers Bluts Centralbewegung, und folglich ſelbſt zur Lebenswaͤrme Uns eigentlich geſchenkt zu ſeyn, auch zur Bewegung der Gedaͤrme. Denn wenn Blut aus des Herzens Kammer der rechten Seite durch die Lungen, Und ihre mehr, als wie ein Haar, verkleinte Roͤhren, wird gedrungen, Wird es, durch ſtetes Wiederholen des Athems, den man von ſich laͤßt, Und wieder einzieht, ungemein gedruckt, gedrenget und gepreßt, Jn kleine Kuͤgelchen zertheilt, die ſich dadurch geſchwin- der regen, Und in das Blut ein lebhaft Roth und angenehme Farbe praͤgen. Wie nun die meiſten Koͤrpertheile, ſowohl bey Menſchen als bey Thieren,
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[202/0222]
Betrachtungen
Geſchieht daſſelbe, wenn das Zwerchfell hinwieder in den
vor’gen Stand,
Zuſammt den Ribben, ſich begiebet, die Lunge ſich zu-
ſammenzieht,
So beydes ein betraͤchtlich Wunder fuͤr ein aufmerkſa-
mes Gemuͤth.
Der Bau der Lunge ſelber nun beſteht aus Blaͤslein,
wie man ſieht,
Doch iſt dieß nutz- und wunderbar beſondre Werkzeug,
wie wir leſen,
Und ihre eigene Geſtalt, vor kurzem noch verſteckt ge-
weſen.
Sie ſcheint hauptſaͤchlich zum Zertheilen und zur Verduͤn-
nung dem Gebluͤt,
Zu unſers Bluts Centralbewegung, und folglich ſelbſt
zur Lebenswaͤrme
Uns eigentlich geſchenkt zu ſeyn, auch zur Bewegung der
Gedaͤrme.
Denn wenn Blut aus des Herzens Kammer der rechten
Seite durch die Lungen,
Und ihre mehr, als wie ein Haar, verkleinte Roͤhren,
wird gedrungen,
Wird es, durch ſtetes Wiederholen des Athems, den
man von ſich laͤßt,
Und wieder einzieht, ungemein gedruckt, gedrenget und
gepreßt,
Jn kleine Kuͤgelchen zertheilt, die ſich dadurch geſchwin-
der regen,
Und in das Blut ein lebhaft Roth und angenehme Farbe
praͤgen.
Wie nun die meiſten Koͤrpertheile, ſowohl bey Menſchen
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 202. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/222>, abgerufen am 15.09.2024.
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