Doch hab' ich, was ich davon fasse, schon anderwertig vorgetragen, Wohin, um nichts zweymal zu sagen, ich den geneigten Leser weise *, Doch aber, daß man unsern Schöpfer für dieß Geschenk und Wunder preise, Noch einst ich dich und mich erinn're: Wir sollten billig Gott verehren, Die wir vernünftig heißen wollen. So oft wir mit den Ohren hören, So oft wir mit der Zunge schmecken, so oft wir mit den Augen sehn, So oft man etwas riecht und fühlt, so oft als wir zum Greifen gehn, Und andrer Handlung und Verrichtung, so Hand als Fuß durch zähe Sehnen Bald biegen, und zusammenziehn, und bald sie von ein- ander dehnen.
Doch laßt uns noch mit wenigem den Nutzen jedes Sinns betrachten, Um unsers Schöpfers weise Liebe in einem jeden hochzu- achten. Die Sinnlichkeiten, wie sie Thieren und auch dem Men- schen allgemein, Sind Eindrück' körperlicher Ding' in unsrer Nerven Zä- serlein. Weil diese Drückungen des Hirns sowohl von außen als von innen Entstehen, theilet man sie ein, in äuß're und in innre Sinnen.
Von
* S. Jrd. Vergnügen Tom. II. p. 311.
Betrachtungen
Doch hab’ ich, was ich davon faſſe, ſchon anderwertig vorgetragen, Wohin, um nichts zweymal zu ſagen, ich den geneigten Leſer weiſe *, Doch aber, daß man unſern Schoͤpfer fuͤr dieß Geſchenk und Wunder preiſe, Noch einſt ich dich und mich erinn’re: Wir ſollten billig Gott verehren, Die wir vernuͤnftig heißen wollen. So oft wir mit den Ohren hoͤren, So oft wir mit der Zunge ſchmecken, ſo oft wir mit den Augen ſehn, So oft man etwas riecht und fuͤhlt, ſo oft als wir zum Greifen gehn, Und andrer Handlung und Verrichtung, ſo Hand als Fuß durch zaͤhe Sehnen Bald biegen, und zuſammenziehn, und bald ſie von ein- ander dehnen.
Doch laßt uns noch mit wenigem den Nutzen jedes Sinns betrachten, Um unſers Schoͤpfers weiſe Liebe in einem jeden hochzu- achten. Die Sinnlichkeiten, wie ſie Thieren und auch dem Men- ſchen allgemein, Sind Eindruͤck’ koͤrperlicher Ding’ in unſrer Nerven Zaͤ- ſerlein. Weil dieſe Druͤckungen des Hirns ſowohl von außen als von innen Entſtehen, theilet man ſie ein, in aͤuß’re und in innre Sinnen.
Von
* S. Jrd. Vergnuͤgen Tom. II. p. 311.
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[210/0230]
Betrachtungen
Doch hab’ ich, was ich davon faſſe, ſchon anderwertig
vorgetragen,
Wohin, um nichts zweymal zu ſagen, ich den geneigten
Leſer weiſe *,
Doch aber, daß man unſern Schoͤpfer fuͤr dieß Geſchenk
und Wunder preiſe,
Noch einſt ich dich und mich erinn’re: Wir ſollten billig
Gott verehren,
Die wir vernuͤnftig heißen wollen. So oft wir mit den
Ohren hoͤren,
So oft wir mit der Zunge ſchmecken, ſo oft wir mit
den Augen ſehn,
So oft man etwas riecht und fuͤhlt, ſo oft als wir zum
Greifen gehn,
Und andrer Handlung und Verrichtung, ſo Hand als
Fuß durch zaͤhe Sehnen
Bald biegen, und zuſammenziehn, und bald ſie von ein-
ander dehnen.
Doch laßt uns noch mit wenigem den Nutzen jedes
Sinns betrachten,
Um unſers Schoͤpfers weiſe Liebe in einem jeden hochzu-
achten.
Die Sinnlichkeiten, wie ſie Thieren und auch dem Men-
ſchen allgemein,
Sind Eindruͤck’ koͤrperlicher Ding’ in unſrer Nerven Zaͤ-
ſerlein.
Weil dieſe Druͤckungen des Hirns ſowohl von außen als
von innen
Entſtehen, theilet man ſie ein, in aͤuß’re und in innre
Sinnen.
Von
* S. Jrd. Vergnuͤgen Tom. II. p. 311.
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 210. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/230>, abgerufen am 15.09.2024.
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