Zumal sehr reichlich an der Hand, und an der Finger äußern Spitzen, Und, durch die Geisterchen, so sinnlich, was äuß're Körper in sie drücken, Jn ungemeiner Fertigkeit und Eile zum Gehirne schicken.
Das Schmecken ist, nicht nur zur Lust und Anmuth, uns in unserm Leben, Zur Lebensunterhaltung selbst, ist es dem Vieh und uns gegeben, Jmmaßen sie durch diesen Sinn, was ihnen nütz und gut zu essen, Von dem, was schädlich, unterscheiden, und besser oft, als wir, ermessen, Was ihnen schadhaft, was ersprießlich, da sie durch kluges Unterscheiden Nur das, was ihnen heilsam, nehmen, und das, was giftig ist, vermeiden. Desselben Werkzeug ist die Zunge, die ganz mit Wärz- chen angefüllt, Die nervig, und die, durch den Speichel, der häufig aus den Drüsen quillt, Der Speise Theilchen, welche schmackhaft, wenn sie sie sanft am Gaume drücken, Wie auch die Theilchen des Getränks, ohn Anstand zum Gehirne schicken, Woselbst, auf ganz verborgne Weise, es mit der Seele sich verbindet, Weil, (so wie uns bisher begreiflich,) die Seele schme- cket und empfindet.
Das Riechen ist der dritte Sinn, wodurch die Menschen nebst den Thieren
(Doch
Betrachtungen
Zumal ſehr reichlich an der Hand, und an der Finger aͤußern Spitzen, Und, durch die Geiſterchen, ſo ſinnlich, was aͤuß’re Koͤrper in ſie druͤcken, Jn ungemeiner Fertigkeit und Eile zum Gehirne ſchicken.
Das Schmecken iſt, nicht nur zur Luſt und Anmuth, uns in unſerm Leben, Zur Lebensunterhaltung ſelbſt, iſt es dem Vieh und uns gegeben, Jmmaßen ſie durch dieſen Sinn, was ihnen nuͤtz und gut zu eſſen, Von dem, was ſchaͤdlich, unterſcheiden, und beſſer oft, als wir, ermeſſen, Was ihnen ſchadhaft, was erſprießlich, da ſie durch kluges Unterſcheiden Nur das, was ihnen heilſam, nehmen, und das, was giftig iſt, vermeiden. Deſſelben Werkzeug iſt die Zunge, die ganz mit Waͤrz- chen angefuͤllt, Die nervig, und die, durch den Speichel, der haͤufig aus den Druͤſen quillt, Der Speiſe Theilchen, welche ſchmackhaft, wenn ſie ſie ſanft am Gaume druͤcken, Wie auch die Theilchen des Getraͤnks, ohn Anſtand zum Gehirne ſchicken, Woſelbſt, auf ganz verborgne Weiſe, es mit der Seele ſich verbindet, Weil, (ſo wie uns bisher begreiflich,) die Seele ſchme- cket und empfindet.
Das Riechen iſt der dritte Sinn, wodurch die Menſchen nebſt den Thieren
(Doch
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Betrachtungen
Zumal ſehr reichlich an der Hand, und an der Finger
aͤußern Spitzen,
Und, durch die Geiſterchen, ſo ſinnlich, was aͤuß’re
Koͤrper in ſie druͤcken,
Jn ungemeiner Fertigkeit und Eile zum Gehirne ſchicken.
Das Schmecken iſt, nicht nur zur Luſt und Anmuth,
uns in unſerm Leben,
Zur Lebensunterhaltung ſelbſt, iſt es dem Vieh und uns
gegeben,
Jmmaßen ſie durch dieſen Sinn, was ihnen nuͤtz und
gut zu eſſen,
Von dem, was ſchaͤdlich, unterſcheiden, und beſſer oft,
als wir, ermeſſen,
Was ihnen ſchadhaft, was erſprießlich, da ſie durch
kluges Unterſcheiden
Nur das, was ihnen heilſam, nehmen, und das, was
giftig iſt, vermeiden.
Deſſelben Werkzeug iſt die Zunge, die ganz mit Waͤrz-
chen angefuͤllt,
Die nervig, und die, durch den Speichel, der haͤufig
aus den Druͤſen quillt,
Der Speiſe Theilchen, welche ſchmackhaft, wenn ſie ſie
ſanft am Gaume druͤcken,
Wie auch die Theilchen des Getraͤnks, ohn Anſtand zum
Gehirne ſchicken,
Woſelbſt, auf ganz verborgne Weiſe, es mit der Seele
ſich verbindet,
Weil, (ſo wie uns bisher begreiflich,) die Seele ſchme-
cket und empfindet.
Das Riechen iſt der dritte Sinn, wodurch die Menſchen
nebſt den Thieren
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 212. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/232>, abgerufen am 15.09.2024.
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