(Doch diese kräftiger, als wir) in Körpern Eigen- schaften spüren, Die allen sonst verborgen wären. Zu diesem Endzweck ganz allein, Daß sie sowohl, als wir, erkennten die Dinge, die uns schädlich seyn, Und sie zu unterscheiden taugten durch den Geruch von andern Dingen, Die, nebst dem Nutzen, den sie hegen, im Riechen noch Vergnügen bringen. Nun finden wir, daß von den Thieren sehr viel', als: Bienen, Hunde, Raben, Jn diesem Sinn, vor allen Menschen, noch ganz be- sondern Vorzug haben, Jndem sie Theilchen von den Körpern, die von denselbi- gen sich trennen, Nicht nur viel schärfer noch, als wir, nein, ganz von weitem spüren können. Durch eine Nerve, die sich theilet, wird alles, was man riecht und spürt, Zum Sitz der Seele, zum Gehirne, in zarten Dünsten hingeführt.
Auch ist das Ohr bewundernswerth, so Gott den Thieren schenken wollte Zu ihrem Schutz; doch uns besonders, daß man viel ler- nen könnt' und sollte, Wie denn zu allen Wissenschaften, nebst einer edlen Lehrbegier Und des Gedächtniß Fähigkeit, das Ohr uns eine offne Thür.
Die
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uͤber das Reich der Thiere.
(Doch dieſe kraͤftiger, als wir) in Koͤrpern Eigen- ſchaften ſpuͤren, Die allen ſonſt verborgen waͤren. Zu dieſem Endzweck ganz allein, Daß ſie ſowohl, als wir, erkennten die Dinge, die uns ſchaͤdlich ſeyn, Und ſie zu unterſcheiden taugten durch den Geruch von andern Dingen, Die, nebſt dem Nutzen, den ſie hegen, im Riechen noch Vergnuͤgen bringen. Nun finden wir, daß von den Thieren ſehr viel’, als: Bienen, Hunde, Raben, Jn dieſem Sinn, vor allen Menſchen, noch ganz be- ſondern Vorzug haben, Jndem ſie Theilchen von den Koͤrpern, die von denſelbi- gen ſich trennen, Nicht nur viel ſchaͤrfer noch, als wir, nein, ganz von weitem ſpuͤren koͤnnen. Durch eine Nerve, die ſich theilet, wird alles, was man riecht und ſpuͤrt, Zum Sitz der Seele, zum Gehirne, in zarten Duͤnſten hingefuͤhrt.
Auch iſt das Ohr bewundernswerth, ſo Gott den Thieren ſchenken wollte Zu ihrem Schutz; doch uns beſonders, daß man viel ler- nen koͤnnt’ und ſollte, Wie denn zu allen Wiſſenſchaften, nebſt einer edlen Lehrbegier Und des Gedaͤchtniß Faͤhigkeit, das Ohr uns eine offne Thuͤr.
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uͤber das Reich der Thiere.
(Doch dieſe kraͤftiger, als wir) in Koͤrpern Eigen-
ſchaften ſpuͤren,
Die allen ſonſt verborgen waͤren. Zu dieſem Endzweck
ganz allein,
Daß ſie ſowohl, als wir, erkennten die Dinge, die uns
ſchaͤdlich ſeyn,
Und ſie zu unterſcheiden taugten durch den Geruch von
andern Dingen,
Die, nebſt dem Nutzen, den ſie hegen, im Riechen
noch Vergnuͤgen bringen.
Nun finden wir, daß von den Thieren ſehr viel’, als:
Bienen, Hunde, Raben,
Jn dieſem Sinn, vor allen Menſchen, noch ganz be-
ſondern Vorzug haben,
Jndem ſie Theilchen von den Koͤrpern, die von denſelbi-
gen ſich trennen,
Nicht nur viel ſchaͤrfer noch, als wir, nein, ganz von
weitem ſpuͤren koͤnnen.
Durch eine Nerve, die ſich theilet, wird alles, was
man riecht und ſpuͤrt,
Zum Sitz der Seele, zum Gehirne, in zarten Duͤnſten
hingefuͤhrt.
Auch iſt das Ohr bewundernswerth, ſo Gott den
Thieren ſchenken wollte
Zu ihrem Schutz; doch uns beſonders, daß man viel ler-
nen koͤnnt’ und ſollte,
Wie denn zu allen Wiſſenſchaften, nebſt einer edlen
Lehrbegier
Und des Gedaͤchtniß Faͤhigkeit, das Ohr uns eine offne
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 213. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/233>, abgerufen am 15.09.2024.
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