Das Meinige, mein Amt, mein Stand, Vermögen, Wohlfahrt, Ehr und Gut Blieb unversehrt und ungeschmälert in deiner väter- lichen Hut. Jch habe tausend tausendmalen, wie schön die Welt, wie wunderschön, Zu Ehren deiner weisen Liebe, mit ungeschwächten Sinnen sehn Und mich daran vergnügen können. Wie viele Stunden bracht ich zu, Von schwarzen Sorgen unbekümmert, im süßen Schlaf, in sanfter Ruh! Jch habe, dein Geschöpf bewundernd, so manchen Tag, so manche Nacht, Jn einer stillen Einsamkeit, auf meinem Garten zu- gebracht. Was konnte meine Seele nicht, durch meiner Zungen Bau, im Schmecken Für tausendfache Mischungen des Stoffs in der Natur entdecken, Zur Kost des Körpers, Lust des Geistes, die Witz und Kunst annoch vermehrt, Und, mit dadurch vermehrter Lust, wenn man nur dran gedenkt, uns nährt! Wie hast du, Herr, in diesem Jahr, mir sonst so manches Gut bescheret! Es hat, von Cölln der große Churfürst, mit seinem Bilde, mich beehret, Und sein Gesicht voll Majestät, von eines großen Künstlers Hand, Sehr schön, recht nach dem Leben, mir aus eignem Triebe zugesandt,
Woran
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zum irdiſchen Vergnuͤgen in Gott.
Das Meinige, mein Amt, mein Stand, Vermoͤgen, Wohlfahrt, Ehr und Gut Blieb unverſehrt und ungeſchmaͤlert in deiner vaͤter- lichen Hut. Jch habe tauſend tauſendmalen, wie ſchoͤn die Welt, wie wunderſchoͤn, Zu Ehren deiner weiſen Liebe, mit ungeſchwaͤchten Sinnen ſehn Und mich daran vergnuͤgen koͤnnen. Wie viele Stunden bracht ich zu, Von ſchwarzen Sorgen unbekuͤmmert, im ſuͤßen Schlaf, in ſanfter Ruh! Jch habe, dein Geſchoͤpf bewundernd, ſo manchen Tag, ſo manche Nacht, Jn einer ſtillen Einſamkeit, auf meinem Garten zu- gebracht. Was konnte meine Seele nicht, durch meiner Zungen Bau, im Schmecken Fuͤr tauſendfache Miſchungen des Stoffs in der Natur entdecken, Zur Koſt des Koͤrpers, Luſt des Geiſtes, die Witz und Kunſt annoch vermehrt, Und, mit dadurch vermehrter Luſt, wenn man nur dran gedenkt, uns naͤhrt! Wie haſt du, Herr, in dieſem Jahr, mir ſonſt ſo manches Gut beſcheret! Es hat, von Coͤlln der große Churfuͤrſt, mit ſeinem Bilde, mich beehret, Und ſein Geſicht voll Majeſtaͤt, von eines großen Kuͤnſtlers Hand, Sehr ſchoͤn, recht nach dem Leben, mir aus eignem Triebe zugeſandt,
Woran
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zum irdiſchen Vergnuͤgen in Gott.
Das Meinige, mein Amt, mein Stand, Vermoͤgen,
Wohlfahrt, Ehr und Gut
Blieb unverſehrt und ungeſchmaͤlert in deiner vaͤter-
lichen Hut.
Jch habe tauſend tauſendmalen, wie ſchoͤn die Welt,
wie wunderſchoͤn,
Zu Ehren deiner weiſen Liebe, mit ungeſchwaͤchten
Sinnen ſehn
Und mich daran vergnuͤgen koͤnnen. Wie viele
Stunden bracht ich zu,
Von ſchwarzen Sorgen unbekuͤmmert, im ſuͤßen Schlaf,
in ſanfter Ruh!
Jch habe, dein Geſchoͤpf bewundernd, ſo manchen
Tag, ſo manche Nacht,
Jn einer ſtillen Einſamkeit, auf meinem Garten zu-
gebracht.
Was konnte meine Seele nicht, durch meiner Zungen
Bau, im Schmecken
Fuͤr tauſendfache Miſchungen des Stoffs in der Natur
entdecken,
Zur Koſt des Koͤrpers, Luſt des Geiſtes, die Witz
und Kunſt annoch vermehrt,
Und, mit dadurch vermehrter Luſt, wenn man nur
dran gedenkt, uns naͤhrt!
Wie haſt du, Herr, in dieſem Jahr, mir ſonſt
ſo manches Gut beſcheret!
Es hat, von Coͤlln der große Churfuͤrſt, mit ſeinem
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 409. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/429>, abgerufen am 15.09.2024.
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