Zuweilen hab ich nachgedacht, Ob etwan, da es ausgemacht, Daß unser Sonnen Licht der Farben Vater sey, Und sie, wie uns der Regenbogen zeiget, Derselben sechserley, Roth, blau, grün, gelb, und weiß, und Purpur zeuget, Die Blumen so erschaffen wären, Daß sie, mit uns verborgner Kraft, Und nach magnetischer, anziehnden Eigenschaft Verschiedne Farben an sich zögen; Doch hab ich, dieses zu erklären Und festzusetzen, mich noch nicht erdreisten mögen. Jch stell es aber aus zu fernerm Ueberdenken, Und will mich wiederum zum Schmuck der Blumen lenken.
Ein sanfter Glanz, ein holder Schein Begleitet, nebst der Farben Pracht, die schönen Blumen insgemein, Der, wenn er nebst der Farb' uns in die Augen dringet, Dem auch dadurch gerührten Geist ein noch vermehrt Vergnügen bringet. Von dem erquickenden Geruch, und, da sie kühl, Von dem dadurch zugleich geschmeicheltem Gefühl, Enthalt ich mich, hier was zu sagen, Jndem mein' Absicht ganz allein, Von dem, wodurch die Blumen uns, durchs Auge, so gefällig seyn, Was insbesondre vorzutragen. Da dieß nun in der Form, in Farben und im Schein, Zumalen in der Sonnen Licht Besteht; so laßt uns, wenn wir sehn,
Wie
Vermiſchte Gedichte
Zuweilen hab ich nachgedacht, Ob etwan, da es ausgemacht, Daß unſer Sonnen Licht der Farben Vater ſey, Und ſie, wie uns der Regenbogen zeiget, Derſelben ſechſerley, Roth, blau, gruͤn, gelb, und weiß, und Purpur zeuget, Die Blumen ſo erſchaffen waͤren, Daß ſie, mit uns verborgner Kraft, Und nach magnetiſcher, anziehnden Eigenſchaft Verſchiedne Farben an ſich zoͤgen; Doch hab ich, dieſes zu erklaͤren Und feſtzuſetzen, mich noch nicht erdreiſten moͤgen. Jch ſtell es aber aus zu fernerm Ueberdenken, Und will mich wiederum zum Schmuck der Blumen lenken.
Ein ſanfter Glanz, ein holder Schein Begleitet, nebſt der Farben Pracht, die ſchoͤnen Blumen insgemein, Der, wenn er nebſt der Farb’ uns in die Augen dringet, Dem auch dadurch geruͤhrten Geiſt ein noch vermehrt Vergnuͤgen bringet. Von dem erquickenden Geruch, und, da ſie kuͤhl, Von dem dadurch zugleich geſchmeicheltem Gefuͤhl, Enthalt ich mich, hier was zu ſagen, Jndem mein’ Abſicht ganz allein, Von dem, wodurch die Blumen uns, durchs Auge, ſo gefaͤllig ſeyn, Was insbeſondre vorzutragen. Da dieß nun in der Form, in Farben und im Schein, Zumalen in der Sonnen Licht Beſteht; ſo laßt uns, wenn wir ſehn,
Wie
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Vermiſchte Gedichte
Zuweilen hab ich nachgedacht,
Ob etwan, da es ausgemacht,
Daß unſer Sonnen Licht der Farben Vater ſey,
Und ſie, wie uns der Regenbogen zeiget,
Derſelben ſechſerley,
Roth, blau, gruͤn, gelb, und weiß, und Purpur zeuget,
Die Blumen ſo erſchaffen waͤren,
Daß ſie, mit uns verborgner Kraft,
Und nach magnetiſcher, anziehnden Eigenſchaft
Verſchiedne Farben an ſich zoͤgen;
Doch hab ich, dieſes zu erklaͤren
Und feſtzuſetzen, mich noch nicht erdreiſten moͤgen.
Jch ſtell es aber aus zu fernerm Ueberdenken,
Und will mich wiederum zum Schmuck der Blumen
lenken.
Ein ſanfter Glanz, ein holder Schein
Begleitet, nebſt der Farben Pracht, die ſchoͤnen Blumen
insgemein,
Der, wenn er nebſt der Farb’ uns in die Augen dringet,
Dem auch dadurch geruͤhrten Geiſt ein noch vermehrt
Vergnuͤgen bringet.
Von dem erquickenden Geruch, und, da ſie kuͤhl,
Von dem dadurch zugleich geſchmeicheltem Gefuͤhl,
Enthalt ich mich, hier was zu ſagen,
Jndem mein’ Abſicht ganz allein,
Von dem, wodurch die Blumen uns, durchs Auge,
ſo gefaͤllig ſeyn,
Was insbeſondre vorzutragen.
Da dieß nun in der Form, in Farben und im Schein,
Zumalen in der Sonnen Licht
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 450. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/470>, abgerufen am 15.09.2024.
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