Aber, ob er gleich so häßlich, So verächtlich von Gestalt, Jst dennoch fast unermäßlich Sein' unsichtbare Gewalt, Die der Menschen Witz bemeistert. Recht beseelet, recht begeistert Scheint der Stein. Er zeigt, er lehrt, Wie man nimmer unrecht fährt.
Wenn, mit Schrecken, Furcht und Grausen, Sich ein Schiff, bey schwarzer Nacht, Durch der Stürme gräßlichs Brausen, Und der wilden Wellen Macht, Ohne Weg und Zweck zu wissen, Würde schlenkern lassen müssen, Und man schenkt ihm diesen Stein, Würd' er ihm ein Engel seyn.
Mitten auf dem wilden Meere, Wo kein Weg, kein Strand, kein Grund, (Welches sonst unmöglich wäre) Macht der Stein den Weg uns kund. Jn den dicksten Finsternissen Kann, durch ihn, ein Schiffmann wissen, Wo er ist, und wie er wohl Seine Segel lenken soll.
Da die Schiffahrt so gefährlich, Die doch so viel Nutzen schafft, Sieht man ja, wie unentbehrlich Des Magneten Wunderkraft. Gegen Abend, gegen Morgen Wär die Welt uns noch verborgen; Nordwerts wär auch manches Land Sonder ihn uns unbekannt.
Zu
uͤber die Steine.
Aber, ob er gleich ſo haͤßlich, So veraͤchtlich von Geſtalt, Jſt dennoch faſt unermaͤßlich Sein’ unſichtbare Gewalt, Die der Menſchen Witz bemeiſtert. Recht beſeelet, recht begeiſtert Scheint der Stein. Er zeigt, er lehrt, Wie man nimmer unrecht faͤhrt.
Wenn, mit Schrecken, Furcht und Grauſen, Sich ein Schiff, bey ſchwarzer Nacht, Durch der Stuͤrme graͤßlichs Brauſen, Und der wilden Wellen Macht, Ohne Weg und Zweck zu wiſſen, Wuͤrde ſchlenkern laſſen muͤſſen, Und man ſchenkt ihm dieſen Stein, Wuͤrd’ er ihm ein Engel ſeyn.
Mitten auf dem wilden Meere, Wo kein Weg, kein Strand, kein Grund, (Welches ſonſt unmoͤglich waͤre) Macht der Stein den Weg uns kund. Jn den dickſten Finſterniſſen Kann, durch ihn, ein Schiffmann wiſſen, Wo er iſt, und wie er wohl Seine Segel lenken ſoll.
Da die Schiffahrt ſo gefaͤhrlich, Die doch ſo viel Nutzen ſchafft, Sieht man ja, wie unentbehrlich Des Magneten Wunderkraft. Gegen Abend, gegen Morgen Waͤr die Welt uns noch verborgen; Nordwerts waͤr auch manches Land Sonder ihn uns unbekannt.
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uͤber die Steine.
Aber, ob er gleich ſo haͤßlich,
So veraͤchtlich von Geſtalt,
Jſt dennoch faſt unermaͤßlich
Sein’ unſichtbare Gewalt,
Die der Menſchen Witz bemeiſtert.
Recht beſeelet, recht begeiſtert
Scheint der Stein. Er zeigt, er lehrt,
Wie man nimmer unrecht faͤhrt.
Wenn, mit Schrecken, Furcht und Grauſen,
Sich ein Schiff, bey ſchwarzer Nacht,
Durch der Stuͤrme graͤßlichs Brauſen,
Und der wilden Wellen Macht,
Ohne Weg und Zweck zu wiſſen,
Wuͤrde ſchlenkern laſſen muͤſſen,
Und man ſchenkt ihm dieſen Stein,
Wuͤrd’ er ihm ein Engel ſeyn.
Mitten auf dem wilden Meere,
Wo kein Weg, kein Strand, kein Grund,
(Welches ſonſt unmoͤglich waͤre)
Macht der Stein den Weg uns kund.
Jn den dickſten Finſterniſſen
Kann, durch ihn, ein Schiffmann wiſſen,
Wo er iſt, und wie er wohl
Seine Segel lenken ſoll.
Da die Schiffahrt ſo gefaͤhrlich,
Die doch ſo viel Nutzen ſchafft,
Sieht man ja, wie unentbehrlich
Des Magneten Wunderkraft.
Gegen Abend, gegen Morgen
Waͤr die Welt uns noch verborgen;
Nordwerts waͤr auch manches Land
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Brockes, Barthold Heinrich: Physikalische und moralische Gedanken über die drey Reiche der Natur. Bd. 9. Hamburg u. a., 1748, S. 59. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen09_1748/79>, abgerufen am 15.09.2024.
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