Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778."O Mutter! Was ist Seligkeit? O Mutter! Was ist Hölle? Bei ihm, bei ihm ist Seligkeit, Und ohne Wilhelm Hölle! -- Lisch aus, mein Licht, auf ewig aus! Stirb hin, stirb hin in Nacht und Graus! Ohn' ihn mag ich auf Erden, Mag dort nicht selig werden." -- -- -- So wütete Verzweifelung Ihr in Gehirn und Adern. Sie fuhr mit Gottes Fürsehung Vermessen fort zu hadern; Zerschlug den Busen, und zerrang Die Hand, bis Sonnenuntergang, Bis auf am Himmelsbogen Die goldnen Sterne zogen. Und
„O Mutter! Was iſt Seligkeit? O Mutter! Was iſt Hoͤlle? Bei ihm, bei ihm iſt Seligkeit, Und ohne Wilhelm Hoͤlle! — Liſch aus, mein Licht, auf ewig aus! Stirb hin, ſtirb hin in Nacht und Graus! Ohn’ ihn mag ich auf Erden, Mag dort nicht ſelig werden.„ — — — So wuͤtete Verzweifelung Ihr in Gehirn und Adern. Sie fuhr mit Gottes Fuͤrſehung Vermeſſen fort zu hadern; Zerſchlug den Buſen, und zerrang Die Hand, bis Sonnenuntergang, Bis auf am Himmelsbogen Die goldnen Sterne zogen. Und
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„O Mutter! Was iſt Seligkeit?
O Mutter! Was iſt Hoͤlle?
Bei ihm, bei ihm iſt Seligkeit,
Und ohne Wilhelm Hoͤlle! —
Liſch aus, mein Licht, auf ewig aus!
Stirb hin, ſtirb hin in Nacht und Graus!
Ohn’ ihn mag ich auf Erden,
Mag dort nicht ſelig werden.„ — — —
So wuͤtete Verzweifelung
Ihr in Gehirn und Adern.
Sie fuhr mit Gottes Fuͤrſehung
Vermeſſen fort zu hadern;
Zerſchlug den Buſen, und zerrang
Die Hand, bis Sonnenuntergang,
Bis auf am Himmelsbogen
Die goldnen Sterne zogen.
Und
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| Zitationshilfe: | Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778, S. 86. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/buerger_gedichte_1778/155>, abgerufen am 15.09.2024. |


