Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Stümper, der zu meinen Füssen kreucht,
Beschmizet zwar mit seines Neides Geifer,
Weil nicht sein Blick an meine Höhe reicht,
Oft meinen Ruhm, und schreit: Ich wär' ein Säufer,
Und stets bedacht, mein Gütchen zu verthun,
Und liess' indeß die edle Nadel ruhn.
O schnöder Neid! Denn überlegt man's reifer,
Gesezt den Fal, die Läsierung sey wahr,
So ist dabei doch ausgemacht und klar,
Und es bestätigt dies die Menge der Exempel,
Daß solch ein Zug von je und je im Stempel
Erhabener Genieen war.
Sie binden sich nicht sklavisch an die Regel
Der Lebensart, und fahren auf gut Glük,
So wie der Wind der Laun' in ihre Segel
Just stossen mag, bald vorwärts bald zurük,
Und lassen das gemeine Volk laviren.
Sie haben vor den seltnen Wunderthieren
Ein
Der Stuͤmper, der zu meinen Fuͤſſen kreucht,
Beſchmizet zwar mit ſeines Neides Geifer,
Weil nicht ſein Blick an meine Hoͤhe reicht,
Oft meinen Ruhm, und ſchreit: Ich waͤr’ ein Saͤufer,
Und ſtets bedacht, mein Guͤtchen zu verthun,
Und lieſſ’ indeß die edle Nadel ruhn.
O ſchnoͤder Neid! Denn uͤberlegt man’s reifer,
Geſezt den Fal, die Laͤſierung ſey wahr,
So iſt dabei doch ausgemacht und klar,
Und es beſtaͤtigt dies die Menge der Exempel,
Daß ſolch ein Zug von je und je im Stempel
Erhabener Genieen war.
Sie binden ſich nicht ſklaviſch an die Regel
Der Lebensart, und fahren auf gut Gluͤk,
So wie der Wind der Laun’ in ihre Segel
Juſt ſtoſſen mag, bald vorwaͤrts bald zuruͤk,
Und laſſen das gemeine Volk laviren.
Sie haben vor den ſeltnen Wunderthieren
Ein
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <l>
              <pb facs="#f0271" n="200"/>
            </l>
            <lg n="4">
              <l>Der Stu&#x0364;mper, der zu meinen Fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en kreucht,</l><lb/>
              <l>Be&#x017F;chmizet zwar mit &#x017F;eines Neides Geifer,</l><lb/>
              <l>Weil nicht &#x017F;ein Blick an meine Ho&#x0364;he reicht,</l><lb/>
              <l>Oft meinen Ruhm, und &#x017F;chreit: Ich wa&#x0364;r&#x2019; ein Sa&#x0364;ufer,</l><lb/>
              <l>Und &#x017F;tets bedacht, mein Gu&#x0364;tchen zu verthun,</l><lb/>
              <l>Und lie&#x017F;&#x017F;&#x2019; indeß die edle Nadel ruhn.</l><lb/>
              <l>O &#x017F;chno&#x0364;der Neid! Denn u&#x0364;berlegt man&#x2019;s reifer,</l><lb/>
              <l>Ge&#x017F;ezt den Fal, die La&#x0364;&#x017F;ierung &#x017F;ey wahr,</l><lb/>
              <l>So i&#x017F;t dabei doch ausgemacht und klar,</l><lb/>
              <l>Und es be&#x017F;ta&#x0364;tigt dies die Menge der Exempel,</l><lb/>
              <l>Daß &#x017F;olch ein Zug von je und je im Stempel</l><lb/>
              <l>Erhabener Genieen war.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Sie binden &#x017F;ich nicht &#x017F;klavi&#x017F;ch an die Regel</l><lb/>
              <l>Der Lebensart, und fahren auf gut Glu&#x0364;k,</l><lb/>
              <l>So wie der Wind der Laun&#x2019; in ihre Segel</l><lb/>
              <l>Ju&#x017F;t &#x017F;to&#x017F;&#x017F;en mag, bald vorwa&#x0364;rts bald zuru&#x0364;k,</l><lb/>
              <l>Und la&#x017F;&#x017F;en das gemeine Volk laviren.</l><lb/>
              <l>Sie haben vor den &#x017F;eltnen Wunderthieren</l><lb/>
              <fw place="bottom" type="catch">Ein</fw><lb/>
              <l>
</l>
            </lg>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[200/0271] Der Stuͤmper, der zu meinen Fuͤſſen kreucht, Beſchmizet zwar mit ſeines Neides Geifer, Weil nicht ſein Blick an meine Hoͤhe reicht, Oft meinen Ruhm, und ſchreit: Ich waͤr’ ein Saͤufer, Und ſtets bedacht, mein Guͤtchen zu verthun, Und lieſſ’ indeß die edle Nadel ruhn. O ſchnoͤder Neid! Denn uͤberlegt man’s reifer, Geſezt den Fal, die Laͤſierung ſey wahr, So iſt dabei doch ausgemacht und klar, Und es beſtaͤtigt dies die Menge der Exempel, Daß ſolch ein Zug von je und je im Stempel Erhabener Genieen war. Sie binden ſich nicht ſklaviſch an die Regel Der Lebensart, und fahren auf gut Gluͤk, So wie der Wind der Laun’ in ihre Segel Juſt ſtoſſen mag, bald vorwaͤrts bald zuruͤk, Und laſſen das gemeine Volk laviren. Sie haben vor den ſeltnen Wunderthieren Ein

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/buerger_gedichte_1778
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/buerger_gedichte_1778/271
Zitationshilfe: Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778, S. 200. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/buerger_gedichte_1778/271>, abgerufen am 14.04.2024.