Ein Junker, in Flor und in Trauergewand, Trug Fackel und Leichengedek in der Hand, Trug einen zerbrochenen blutigen Ring, Und legt' es danieder stilschweigend und ging.
Ihm folgt' ein Junker in Purpurgewand, Der trug ein gülden Geschir in der Hand, Versehen mit Henkel und Deckel und Knauf, Und oben ein königlich Siegel darauf.
Ihm folgt' ein Junker in Silbergewand, Mit einem versiegelten Brief in der Hand, Und gab der erstarten Prinzessin den Brief, Und ging und neigte sich schweigend und tief.
Und als die erstarte Prinzessin den Brief Erbrach, und mit rollenden Augen durchlief, Umflirt' es ihr Antliz, wie Nebel und Duft; Sie stürzte zusammen und schnapte nach Luft. --
Und
Ein Junker, in Flor und in Trauergewand, Trug Fackel und Leichengedek in der Hand, Trug einen zerbrochenen blutigen Ring, Und legt’ es danieder ſtilſchweigend und ging.
Ihm folgt’ ein Junker in Purpurgewand, Der trug ein guͤlden Geſchir in der Hand, Verſehen mit Henkel und Deckel und Knauf, Und oben ein koͤniglich Siegel darauf.
Ihm folgt’ ein Junker in Silbergewand, Mit einem verſiegelten Brief in der Hand, Und gab der erſtarten Prinzeſſin den Brief, Und ging und neigte ſich ſchweigend und tief.
Und als die erſtarte Prinzeſſin den Brief Erbrach, und mit rollenden Augen durchlief, Umflirt’ es ihr Antliz, wie Nebel und Duft; Sie ſtuͤrzte zuſammen und ſchnapte nach Luft. —
Und
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><lgtype="poem"><l><pbfacs="#f0295"n="224"/></l><lgn="60"><l>Ein Junker, in Flor und in Trauergewand,</l><lb/><l>Trug Fackel und Leichengedek in der Hand,</l><lb/><l>Trug einen zerbrochenen blutigen Ring,</l><lb/><l>Und legt’ es danieder ſtilſchweigend und ging.</l></lg><lb/><lgn="61"><l>Ihm folgt’ ein Junker in Purpurgewand,</l><lb/><l>Der trug ein guͤlden Geſchir in der Hand,</l><lb/><l>Verſehen mit Henkel und Deckel und Knauf,</l><lb/><l>Und oben ein koͤniglich Siegel darauf.</l></lg><lb/><lgn="62"><l>Ihm folgt’ ein Junker in Silbergewand,</l><lb/><l>Mit einem verſiegelten Brief in der Hand,</l><lb/><l>Und gab der erſtarten Prinzeſſin den Brief,</l><lb/><l>Und ging und neigte ſich ſchweigend und tief.</l></lg><lb/><lgn="63"><l>Und als die erſtarte Prinzeſſin den Brief</l><lb/><l>Erbrach, und mit rollenden Augen durchlief,</l><lb/><l>Umflirt’ es ihr Antliz, wie Nebel und Duft;</l><lb/><l>Sie ſtuͤrzte zuſammen und ſchnapte nach Luft. —</l></lg><lb/><fwplace="bottom"type="catch">Und</fw><lb/><l></l></lg></div></div></body></text></TEI>
[224/0295]
Ein Junker, in Flor und in Trauergewand,
Trug Fackel und Leichengedek in der Hand,
Trug einen zerbrochenen blutigen Ring,
Und legt’ es danieder ſtilſchweigend und ging.
Ihm folgt’ ein Junker in Purpurgewand,
Der trug ein guͤlden Geſchir in der Hand,
Verſehen mit Henkel und Deckel und Knauf,
Und oben ein koͤniglich Siegel darauf.
Ihm folgt’ ein Junker in Silbergewand,
Mit einem verſiegelten Brief in der Hand,
Und gab der erſtarten Prinzeſſin den Brief,
Und ging und neigte ſich ſchweigend und tief.
Und als die erſtarte Prinzeſſin den Brief
Erbrach, und mit rollenden Augen durchlief,
Umflirt’ es ihr Antliz, wie Nebel und Duft;
Sie ſtuͤrzte zuſammen und ſchnapte nach Luft. —
Und
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778, S. 224. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/buerger_gedichte_1778/295>, abgerufen am 15.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.