Drum las mich weinen immerdar, Und seufzen Tag und Nacht, Bis mein verweintes Auge bricht, Und lechzend meine Zunge spricht: Gottlob! Nun ist's volbracht!" --
"Gedult, Kind Gottes, weine nicht! O seufze nicht so sehr! Kein Thau, kein Regentrank erquikt Ein Veilchen, das du abgepflükt. Es welkt und blüht nicht mehr.
Huscht doch die Freud' auf Flügeln, schnell Wie Schwalben, vor uns hin. Was halten wir das Leid so fest, Das, schwer wie Blei, das Herz zerprest? Las fahren! Hin ist hin!" --
"O
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Drum las mich weinen immerdar, Und ſeufzen Tag und Nacht, Bis mein verweintes Auge bricht, Und lechzend meine Zunge ſpricht: Gottlob! Nun iſt’s volbracht!„ —
„Gedult, Kind Gottes, weine nicht! O ſeufze nicht ſo ſehr! Kein Thau, kein Regentrank erquikt Ein Veilchen, das du abgepfluͤkt. Es welkt und bluͤht nicht mehr.
Huſcht doch die Freud’ auf Fluͤgeln, ſchnell Wie Schwalben, vor uns hin. Was halten wir das Leid ſo feſt, Das, ſchwer wie Blei, das Herz zerpreſt? Las fahren! Hin iſt hin!„ —
„O
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Drum las mich weinen immerdar,
Und ſeufzen Tag und Nacht,
Bis mein verweintes Auge bricht,
Und lechzend meine Zunge ſpricht:
Gottlob! Nun iſt’s volbracht!„ —
„Gedult, Kind Gottes, weine nicht!
O ſeufze nicht ſo ſehr!
Kein Thau, kein Regentrank erquikt
Ein Veilchen, das du abgepfluͤkt.
Es welkt und bluͤht nicht mehr.
Huſcht doch die Freud’ auf Fluͤgeln, ſchnell
Wie Schwalben, vor uns hin.
Was halten wir das Leid ſo feſt,
Das, ſchwer wie Blei, das Herz zerpreſt?
Las fahren! Hin iſt hin!„ —
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Bürger, Gottfried August: Gedichte. Göttingen, 1778, S. 281. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/buerger_gedichte_1778/358>, abgerufen am 15.09.2024.
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