Butschky, Samuel von: Die Hochdeutsche Kantzeley. Breslau u. a., [1652].über seiner Geliebten Absterben/ Trostschr. Willen darzu anleite und führe: Er habewohl acht auf seinen nachläßigen Unfleiß/ und denke an die unempfindliche Freude/ welche Er/ aus Ursach seines vermeynten gerechtsamen Unmuhts führet: Es ist zwar gar unschwer/ indem Er den Mangel seiner Waffen erkennet/ Jhn/ wider alle diese an- fallende Streiche/ durch Hülfe einer neuen Kraft/ so Er von der Beständigkeit/ ent- lehnen kan/ unüberwindlich zumachen; denn in allen unsern vorhabenden Verfahrungen/ sollen wier ie und allezeit den Zwek/ worauf es zielet/ üm dessen Verdienste oder Män- gel zuerkennen/ zubehertzigen uns bearbeiten. Er beweinet und beseuftzet den Tod seiner al- lerliebsten/ welches zwar löblich; iedoch mit angehäftem Bedinge/ daß es auch mit ge- bührender Maß geschehe: aber/ wie die uberschreitung dessen/ von dem gestekten Ziel sich viel zu weit ableiten läst/ so wird aus einer gerechtsamen/ eine unbilliche Sa- che; und dessen Scheltung gereicht zu sei- nem Schimpf und Schaden/ weil Er als ein Werkzeug in diesem gebraucht wird. Was hoffet Er wohl mit seinem unaufhör- lichen Klagen auszurichten? Der Himmel kan seinen einmahlgefasten Schluß/ so un- rüktreiblich/ nicht überschreiten: Das/ was Jhme auf diesem Weltbau am liebsten/ ist todt: Er verwundere sich hierüm im wenig- sten nicht/ weil auch Er/ von seiner Kindheit an/
uͤber ſeiner Geliebten Abſterben/ Troſtſchr. Willen darzu anleite und fuͤhre: Er habewohl acht auf ſeinen nachlaͤßigen Unfleiß/ und denke an die unempfindliche Freude/ welche Er/ aus Urſach ſeines vermeynten gerechtſamen Unmuhts fuͤhret: Es iſt zwar gar unſchwer/ indem Er den Mangel ſeiner Waffen erkennet/ Jhn/ wider alle dieſe an- fallende Streiche/ durch Huͤlfe einer neuen Kraft/ ſo Er von der Beſtaͤndigkeit/ ent- lehnen kan/ unuͤberwindlich zumachen; denn in allen unſern vorhabenden Verfahrungen/ ſollen wier ie und allezeit den Zwek/ worauf es zielet/ uͤm deſſen Verdienſte oder Maͤn- gel zuerkennen/ zubehertzigen uns bearbeiten. Er beweinet und beſeuftzet den Tod ſeiner al- lerliebſten/ welches zwar loͤblich; iedoch mit angehaͤftem Bedinge/ daß es auch mit ge- buͤhrender Maß geſchéhe: aber/ wie die ůberſchreitung deſſen/ von dem geſtekten Ziel ſich viel zu weit ableiten laͤſt/ ſo wird aus einer gerechtſamen/ eine unbilliche Sa- che; und deſſen Scheltung gereicht zu ſei- nem Schimpf und Schaden/ weil Er als ein Werkzeug in dieſem gebraucht wird. Was hoffet Er wohl mit ſeinem unaufhoͤr- lichen Klagen auszurichten? Der Himmel kan ſeinen einmahlgefaſten Schluß/ ſo un- ruͤktreiblich/ nicht uͤberſchreiten: Das/ was Jhme auf dieſem Weltbau am liebſten/ iſt todt: Er verwundere ſich hieruͤm im wenig- ſten nicht/ weil auch Er/ von ſeiner Kindheit an/
<TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0136" n="134"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">uͤber ſeiner Geliebten Abſterben/ Troſtſchr.</hi></fw><lb/> Willen darzu anleite und fuͤhre: Er habe<lb/> wohl acht auf ſeinen nachlaͤßigen Unfleiß/<lb/> und denke an die unempfindliche Freude/<lb/> welche Er/ aus Urſach ſeines vermeynten<lb/> gerechtſamen Unmuhts fuͤhret: Es iſt zwar<lb/> gar unſchwer/ indem Er den Mangel ſeiner<lb/> Waffen erkennet/ Jhn/ wider alle dieſe an-<lb/> fallende Streiche/ durch Huͤlfe einer neuen<lb/> Kraft/ ſo Er von der Beſtaͤndigkeit/ ent-<lb/> lehnen kan/ unuͤberwindlich zumachen; denn<lb/> in allen unſern vorhabenden Verfahrungen/<lb/> ſollen wier ie und allezeit den Zwek/ worauf<lb/> es zielet/ uͤm deſſen Verdienſte oder Maͤn-<lb/> gel zuerkennen/ zubehertzigen uns bearbeiten.<lb/> Er beweinet und beſeuftzet den Tod ſeiner al-<lb/> lerliebſten/ welches zwar loͤblich; iedoch mit<lb/> angehaͤftem Bedinge/ daß es auch mit ge-<lb/> buͤhrender Maß geſch<hi rendition="#aq">é</hi>he: aber/ wie die<lb/> ůberſchreitung deſſen/ von dem geſtekten<lb/> Ziel ſich viel zu weit ableiten laͤſt/ ſo wird<lb/> aus einer gerechtſamen/ eine unbilliche Sa-<lb/> che; und deſſen Scheltung gereicht zu ſei-<lb/> nem Schimpf und Schaden/ weil Er als<lb/> ein Werkzeug in dieſem gebraucht wird.<lb/> Was hoffet Er wohl mit ſeinem unaufhoͤr-<lb/> lichen Klagen auszurichten? Der Himmel<lb/> kan ſeinen einmahlgefaſten Schluß/ ſo un-<lb/> ruͤktreiblich/ nicht uͤberſchreiten: Das/ was<lb/> Jhme auf dieſem Weltbau am liebſten/ iſt<lb/> todt: Er verwundere ſich hieruͤm im wenig-<lb/> ſten nicht/ weil auch Er/ von ſeiner Kindheit<lb/> <fw place="bottom" type="catch">an/</fw><lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [134/0136]
uͤber ſeiner Geliebten Abſterben/ Troſtſchr.
Willen darzu anleite und fuͤhre: Er habe
wohl acht auf ſeinen nachlaͤßigen Unfleiß/
und denke an die unempfindliche Freude/
welche Er/ aus Urſach ſeines vermeynten
gerechtſamen Unmuhts fuͤhret: Es iſt zwar
gar unſchwer/ indem Er den Mangel ſeiner
Waffen erkennet/ Jhn/ wider alle dieſe an-
fallende Streiche/ durch Huͤlfe einer neuen
Kraft/ ſo Er von der Beſtaͤndigkeit/ ent-
lehnen kan/ unuͤberwindlich zumachen; denn
in allen unſern vorhabenden Verfahrungen/
ſollen wier ie und allezeit den Zwek/ worauf
es zielet/ uͤm deſſen Verdienſte oder Maͤn-
gel zuerkennen/ zubehertzigen uns bearbeiten.
Er beweinet und beſeuftzet den Tod ſeiner al-
lerliebſten/ welches zwar loͤblich; iedoch mit
angehaͤftem Bedinge/ daß es auch mit ge-
buͤhrender Maß geſchéhe: aber/ wie die
ůberſchreitung deſſen/ von dem geſtekten
Ziel ſich viel zu weit ableiten laͤſt/ ſo wird
aus einer gerechtſamen/ eine unbilliche Sa-
che; und deſſen Scheltung gereicht zu ſei-
nem Schimpf und Schaden/ weil Er als
ein Werkzeug in dieſem gebraucht wird.
Was hoffet Er wohl mit ſeinem unaufhoͤr-
lichen Klagen auszurichten? Der Himmel
kan ſeinen einmahlgefaſten Schluß/ ſo un-
ruͤktreiblich/ nicht uͤberſchreiten: Das/ was
Jhme auf dieſem Weltbau am liebſten/ iſt
todt: Er verwundere ſich hieruͤm im wenig-
ſten nicht/ weil auch Er/ von ſeiner Kindheit
an/
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/butschky_kantzeley_1649 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/butschky_kantzeley_1649/136 |
| Zitationshilfe: | Butschky, Samuel von: Die Hochdeutsche Kantzeley. Breslau u. a., [1652], S. 134. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/butschky_kantzeley_1649/136>, abgerufen am 06.08.2024. |


