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Dimitrie [Moldau, Woiwode], (Cantemir, Dimitrie): Geschichte des osmanischen Reichs nach seinem Anwachse und Abnehmen. Hamburg, 1745.

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Vorrede
Theile der Welt desto größern Mangel. Nicht allein dieses;
sondern man hat uns auch von diesen Ländern eine solche Menge
Mährleine aufgebürdet, daß wir, eben wie die Kinder, noch genug
zu thun haben werden, uns derselben zu entschütten. Die gewaltige
Ausbreitung der Handlung hat uns zwar in den neuern Zeiten
fast kein einziges Land auf dem Erdboden unbekannt gelassen;
allein, die daher uns zugekommenen Nachrichten erstrecken sich
kaum weiter, als auf die Waren, die Lebensart und Kleidung
der handelnden Völker. Den Missionären, die das Christenthum
unter den Unglaubigen auszubreiten suchen, müssen wir es zum
Ruhme nachsagen, daß sie uns sehr viele unbekannte und wichtige
Wahrheiten von den entferntesten Weltgegenden mitgetheilet haben,
daraus, wenn so fortgefahren wird, mit der Zeit eine ordentliche
Geschichte derselben verfertiget werden kann. Das nächste aber
von diesen Reichen, das osmanische, dessen Macht schon mehrmals
ganz Europa zittern gemacht hat, und an dessen Begebenheiten
wir den größten Antheil nehmen, ist uns bis itzo fast am wenigsten
* [Spaltenumbruch] Diesen Ausdruck gebrauchet Simon
Ockley in Ausehung der Geschichte der Araber,
[Spaltenumbruch] in der Einleitung zum zweyten Bande seiner
Geschichte der Saracenen, 5 S. Seine

bekannt

Vorrede
Theile der Welt deſto groͤßern Mangel. Nicht allein dieſes;
ſondern man hat uns auch von dieſen Laͤndern eine ſolche Menge
Maͤhrleine aufgebuͤrdet, daß wir, eben wie die Kinder, noch genug
zu thun haben werden, uns derſelben zu entſchuͤtten. Die gewaltige
Ausbreitung der Handlung hat uns zwar in den neuern Zeiten
faſt kein einziges Land auf dem Erdboden unbekannt gelaſſen;
allein, die daher uns zugekommenen Nachrichten erſtrecken ſich
kaum weiter, als auf die Waren, die Lebensart und Kleidung
der handelnden Voͤlker. Den Miſſionaͤren, die das Chriſtenthum
unter den Unglaubigen auszubreiten ſuchen, muͤſſen wir es zum
Ruhme nachſagen, daß ſie uns ſehr viele unbekannte und wichtige
Wahrheiten von den entfernteſten Weltgegenden mitgetheilet haben,
daraus, wenn ſo fortgefahren wird, mit der Zeit eine ordentliche
Geſchichte derſelben verfertiget werden kann. Das naͤchſte aber
von dieſen Reichen, das osmaniſche, deſſen Macht ſchon mehrmals
ganz Europa zittern gemacht hat, und an deſſen Begebenheiten
wir den groͤßten Antheil nehmen, iſt uns bis itzo faſt am wenigſten
* [Spaltenumbruch] Dieſen Ausdruck gebrauchet Simon
Ockley in Auſehung der Geſchichte der Araber,
[Spaltenumbruch] in der Einleitung zum zweyten Bande ſeiner
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[12/0018] Vorrede Theile der Welt deſto groͤßern Mangel. Nicht allein dieſes; ſondern man hat uns auch von dieſen Laͤndern eine ſolche Menge Maͤhrleine aufgebuͤrdet, daß wir, eben wie die Kinder, noch genug zu thun haben werden, uns derſelben zu entſchuͤtten. Die gewaltige Ausbreitung der Handlung hat uns zwar in den neuern Zeiten faſt kein einziges Land auf dem Erdboden unbekannt gelaſſen; allein, die daher uns zugekommenen Nachrichten erſtrecken ſich kaum weiter, als auf die Waren, die Lebensart und Kleidung der handelnden Voͤlker. Den Miſſionaͤren, die das Chriſtenthum unter den Unglaubigen auszubreiten ſuchen, muͤſſen wir es zum Ruhme nachſagen, daß ſie uns ſehr viele unbekannte und wichtige Wahrheiten von den entfernteſten Weltgegenden mitgetheilet haben, daraus, wenn ſo fortgefahren wird, mit der Zeit eine ordentliche Geſchichte derſelben verfertiget werden kann. Das naͤchſte aber von dieſen Reichen, das osmaniſche, deſſen Macht ſchon mehrmals ganz Europa zittern gemacht hat, und an deſſen Begebenheiten wir den groͤßten Antheil nehmen, iſt uns bis itzo faſt am wenigſten bekannt * Dieſen Ausdruck gebrauchet Simon Ockley in Auſehung der Geſchichte der Araber, in der Einleitung zum zweyten Bande ſeiner Geſchichte der Saracenen, 5 S. Seine Worte

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Zitationshilfe: Dimitrie [Moldau, Woiwode], (Cantemir, Dimitrie): Geschichte des osmanischen Reichs nach seinem Anwachse und Abnehmen. Hamburg, 1745, S. 12. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/cantemir_geschichte_1745/18>, abgerufen am 20.07.2024.