p2c_636.001 Aus diesen Gründen wählt auch die Tragödie am liebsten p2c_636.002 ein Metrum, das sich zwar ursprünglich nur p2c_636.003 wenig über den rhythmischen Gang der prosaischen p2c_636.004 Sprache erhebt, aber nicht ohne herrschendes Gesetz p2c_636.005 ist, und bey zunehmender Lebhaftigkeit der Handlung, p2c_636.006 in lyrische Sylbenmaaße leicht übergehn kann.
p2c_636.007 Anmerk. Der Styl des Heldengedichts ist leichter p2c_636.008 seinem Charakter nach zu bestimmen, weil Eine Person, der p2c_636.009 Erzähler in der Regel das Wort führt, und weil, um den p2c_636.010 Contrast zu vermeiden, die redend eingeführten Personen p2c_636.011 sich nach dem Erzähler etwas richten müssen. Der Stylp2c_636.012 des Trauerspiels hingegen ist schwerer seiner Einheit nach p2c_636.013 zu charakterisiren, weil da eine Menge verschieden handelndep2c_636.014 Personen nach einander auftreten. Die Geschichte p2c_636.015 der tragischen Dichtkunst giebt auch hier die beste Auskunft. p2c_636.016 Das Trauerspiel ist seinem Ursprunge nach bey den Griechen p2c_636.017 lyrisch. Es entstand weniger aus der Aktion der p2c_636.018 Rhapsoden, welche einzelne epische Stücke mit einer Art p2c_636.019 äußerer Decoration vortrugen, als aus den dithyrambischen p2c_636.020 und satyrischen Chören bey den gottesdienstlichen Festen. p2c_636.021 Der Chor, der den tragos bekam, mochte wohl Anfangs p2c_636.022 nur Vorstellungen aus dem Stegreif aufführen. Erst p2c_636.023 Thespis unterschied einen bestimmten Schauspieler vom p2c_636.024 Chor, der auf der Bühne agirte, und vom Chor unterstützt p2c_636.025 ward. Nun wurden nach und nach erst die ernsthaften p2c_636.026 Trauerspiele erfunden. Aeschylus that den zweyten Schauspieler
p2c_636.001 Aus diesen Gründen wählt auch die Tragödie am liebsten p2c_636.002 ein Metrum, das sich zwar ursprünglich nur p2c_636.003 wenig über den rhythmischen Gang der prosaischen p2c_636.004 Sprache erhebt, aber nicht ohne herrschendes Gesetz p2c_636.005 ist, und bey zunehmender Lebhaftigkeit der Handlung, p2c_636.006 in lyrische Sylbenmaaße leicht übergehn kann.
p2c_636.007 Anmerk. Der Styl des Heldengedichts ist leichter p2c_636.008 seinem Charakter nach zu bestimmen, weil Eine Person, der p2c_636.009 Erzähler in der Regel das Wort führt, und weil, um den p2c_636.010 Contrast zu vermeiden, die redend eingeführten Personen p2c_636.011 sich nach dem Erzähler etwas richten müssen. Der Stylp2c_636.012 des Trauerspiels hingegen ist schwerer seiner Einheit nach p2c_636.013 zu charakterisiren, weil da eine Menge verschieden handelndep2c_636.014 Personen nach einander auftreten. Die Geschichte p2c_636.015 der tragischen Dichtkunst giebt auch hier die beste Auskunft. p2c_636.016 Das Trauerspiel ist seinem Ursprunge nach bey den Griechen p2c_636.017 lyrisch. Es entstand weniger aus der Aktion der p2c_636.018 Rhapsoden, welche einzelne epische Stücke mit einer Art p2c_636.019 äußerer Decoration vortrugen, als aus den dithyrambischen p2c_636.020 und satyrischen Chören bey den gottesdienstlichen Festen. p2c_636.021 Der Chor, der den τραγος bekam, mochte wohl Anfangs p2c_636.022 nur Vorstellungen aus dem Stegreif aufführen. Erst p2c_636.023 Thespis unterschied einen bestimmten Schauspieler vom p2c_636.024 Chor, der auf der Bühne agirte, und vom Chor unterstützt p2c_636.025 ward. Nun wurden nach und nach erst die ernsthaften p2c_636.026 Trauerspiele erfunden. Aeschylus that den zweyten Schauspieler
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Aus diesen Gründen wählt auch die Tragödie am liebsten p2c_636.002
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Der Chor, der den τραγος bekam, mochte wohl Anfangs p2c_636.022
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Clodius, Christian August Heinrich: Entwurf einer systematischen Poetik nebst Collectaneen zu ihrer Ausführung. Zweiter Theil. Leipzig, 1804, S. 636. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/clodius_poetik02_1804/160>, abgerufen am 10.08.2024.
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