p2c_744.001 cher Poesie, welche am nächsten an die göttliche gränzt. p2c_744.002 Hier zeigt sich aber auch der Unterschied, zwischen göttlicherp2c_744.003 und menschlicher Poesie, wahrer Religion und p2c_744.004 heidnischer Mythologie am deutlichsten. Die menschliche p2c_744.005 Poesie und Mythologie kann das göttliche nur ahnen, p2c_744.006 ausser sich in Sinnbildern darstellen. Die göttlichep2c_744.007 Poesie hingegen, deren Offenbarungen die Hebräer und p2c_744.008 Christen bekennen, lehrt den Menschen die Vernunftideen, p2c_744.009 um das göttliche Princip im Geist und in der Wahrheit zu p2c_744.010 ergreifen, mittelst der Andacht in sich selbst zu finden, sich p2c_744.011 von dem Göttlichen kein Bild zu machen, sondern es unmittelbar p2c_744.012 in sich wohnen zu lassen. Hierauf konnten die p2c_744.013 Menschen nur durch eine Begeisterung geleitet werden, p2c_744.014 die unmittelbar von Gott angezündet ward, hierzu gehörte p2c_744.015 die Menschwerdung der Gottheit.
p2c_744.016 Anmerk. 2. Da wir eigentlich noch kein vollkommenes p2c_744.017 allegorisches Gedicht höherer Gattung haben, p2c_744.018 so wird die Theorie in diesem Abschnitt noch fast ganz p2c_744.019 a priori verfahren müssen. Bey den Alten kann man hierher p2c_744.020 die Mythologischen Dichter ex professo rechnen, p2c_744.021 d. h. solche, welche die Mythologie nicht als Triebfeder ihrer p2c_744.022 historischen Gedichte gebrauchten, sondern dieselbe als einen p2c_744.023 Hauptgegenstand im Zusammenhange abhandelten. Allein p2c_744.024 die Griechischen und Römischen Dichter waren zu wenig in p2c_744.025 die Mysterien eingeweiht, um den höhern Sinn, der in ihrer p2c_744.026 Mythologie verborgen liegen mag, zu fassen. Daher p2c_744.027 fehlte ihnen die ordentliche planmäßige Darstellung,
p2c_744.001 cher Poesie, welche am nächsten an die göttliche gränzt. p2c_744.002 Hier zeigt sich aber auch der Unterschied, zwischen göttlicherp2c_744.003 und menschlicher Poesie, wahrer Religion und p2c_744.004 heidnischer Mythologie am deutlichsten. Die menschliche p2c_744.005 Poesie und Mythologie kann das göttliche nur ahnen, p2c_744.006 ausser sich in Sinnbildern darstellen. Die göttlichep2c_744.007 Poesie hingegen, deren Offenbarungen die Hebräer und p2c_744.008 Christen bekennen, lehrt den Menschen die Vernunftideen, p2c_744.009 um das göttliche Princip im Geist und in der Wahrheit zu p2c_744.010 ergreifen, mittelst der Andacht in sich selbst zu finden, sich p2c_744.011 von dem Göttlichen kein Bild zu machen, sondern es unmittelbar p2c_744.012 in sich wohnen zu lassen. Hierauf konnten die p2c_744.013 Menschen nur durch eine Begeisterung geleitet werden, p2c_744.014 die unmittelbar von Gott angezündet ward, hierzu gehörte p2c_744.015 die Menschwerdung der Gottheit.
p2c_744.016 Anmerk. 2. Da wir eigentlich noch kein vollkommenes p2c_744.017 allegorisches Gedicht höherer Gattung haben, p2c_744.018 so wird die Theorie in diesem Abschnitt noch fast ganz p2c_744.019 a priori verfahren müssen. Bey den Alten kann man hierher p2c_744.020 die Mythologischen Dichter ex professo rechnen, p2c_744.021 d. h. solche, welche die Mythologie nicht als Triebfeder ihrer p2c_744.022 historischen Gedichte gebrauchten, sondern dieselbe als einen p2c_744.023 Hauptgegenstand im Zusammenhange abhandelten. Allein p2c_744.024 die Griechischen und Römischen Dichter waren zu wenig in p2c_744.025 die Mysterien eingeweiht, um den höhern Sinn, der in ihrer p2c_744.026 Mythologie verborgen liegen mag, zu fassen. Daher p2c_744.027 fehlte ihnen die ordentliche planmäßige Darstellung,
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Anmerk. 2. Da wir eigentlich noch kein vollkommenes p2c_744.017
allegorisches Gedicht höherer Gattung haben, p2c_744.018
so wird die Theorie in diesem Abschnitt noch fast ganz p2c_744.019
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die Mythologischen Dichter ex professo rechnen, p2c_744.021
d. h. solche, welche die Mythologie nicht als Triebfeder ihrer p2c_744.022
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die Griechischen und Römischen Dichter waren zu wenig in p2c_744.025
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Clodius, Christian August Heinrich: Entwurf einer systematischen Poetik nebst Collectaneen zu ihrer Ausführung. Zweiter Theil. Leipzig, 1804, S. 744. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/clodius_poetik02_1804/268>, abgerufen am 10.08.2024.
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