p2c_513.001 Die Offenbarungen, deren sich dasselbe rühmte, waren zugleich p2c_513.002 eine vollständige religiöse Geschichte der Menschheit p2c_513.003 von Anbeginn. Sie berichten uns, der Mensch sey nicht p2c_513.004 etwa, wie es einem Diodorus Siculus vorkommt, ein autokhthon p2c_513.005 aus Schlamme zufällig geboren, sondern Gott ähnlichp2c_513.006 in äußerer Gestalt, von Gottes Hand geformt worden, p2c_513.007 aber instinktmäßig, wie die übrige Natur, nur ein lebendes, p2c_513.008 begehrendes Wesen (hykh shmk). Nachher habe er aber p2c_513.009 Gottes Vorschrift übertreten, habe die ihm gesetzte Schranke p2c_513.010 des Naturinstinkts niedergerissen, sich dessen geschämt, wie p2c_513.011 Gott frey erkennen wollen, das Gute und Böse, sey so des p2c_513.012 Paradieses verlustig worden, und das Erbübel habe seinen p2c_513.013 Anfang genommen. Von da an beginnen schon die mysteriösen p2c_513.014 Weissagungen, welche das Volk Gottes durch alle p2c_513.015 Perioden seiner Geschichte begleiten. Es ist unbegreiflich, p2c_513.016 wie manche selbst denkende Gottesgelehrte der Vorzeit an der p2c_513.017 Aechtheit der drey ersten Kapitel in der Genesis haben zweifeln p2c_513.018 können, da sie die Grundlage der ganzen biblischen p2c_513.019 Weltgeschichte sind. Von nun an sehen wir, wie sich der p2c_513.020 Mensch von der Gottheit immer mehr entfernt, und sich p2c_513.021 vermißt, ein für sich selbst bestehendes Wesen zu seyn. Aber p2c_513.022 ganz verläßt Gott die Menschheit nicht. Er ist noch zu den p2c_513.023 Zeiten der Erzväter der Gott der Familiengeschlechter, doch p2c_513.024 er ist ein furchtbarer erzürnter Gott, der selbst große Naturbegebenheiten, p2c_513.025 wie die Sündfluth, als moralische Strafen p2c_513.026 verhängt. Späterhin ist er ein kriegerischer Gott, ein Herr p2c_513.027 der Herrschaaren. Er macht durch Mosen die Jsraeliten p2c_513.028 zum Volk, verleiht ihnen den Sieg, giebt ihnen Land, Gesetze
p2c_513.001 Die Offenbarungen, deren sich dasselbe rühmte, waren zugleich p2c_513.002 eine vollständige religiöse Geschichte der Menschheit p2c_513.003 von Anbeginn. Sie berichten uns, der Mensch sey nicht p2c_513.004 etwa, wie es einem Diodorus Siculus vorkommt, ein αὐτοχθων p2c_513.005 aus Schlamme zufällig geboren, sondern Gott ähnlichp2c_513.006 in äußerer Gestalt, von Gottes Hand geformt worden, p2c_513.007 aber instinktmäßig, wie die übrige Natur, nur ein lebendes, p2c_513.008 begehrendes Wesen (היח שמכ). Nachher habe er aber p2c_513.009 Gottes Vorschrift übertreten, habe die ihm gesetzte Schranke p2c_513.010 des Naturinstinkts niedergerissen, sich dessen geschämt, wie p2c_513.011 Gott frey erkennen wollen, das Gute und Böse, sey so des p2c_513.012 Paradieses verlustig worden, und das Erbübel habe seinen p2c_513.013 Anfang genommen. Von da an beginnen schon die mysteriösen p2c_513.014 Weissagungen, welche das Volk Gottes durch alle p2c_513.015 Perioden seiner Geschichte begleiten. Es ist unbegreiflich, p2c_513.016 wie manche selbst denkende Gottesgelehrte der Vorzeit an der p2c_513.017 Aechtheit der drey ersten Kapitel in der Genesis haben zweifeln p2c_513.018 können, da sie die Grundlage der ganzen biblischen p2c_513.019 Weltgeschichte sind. Von nun an sehen wir, wie sich der p2c_513.020 Mensch von der Gottheit immer mehr entfernt, und sich p2c_513.021 vermißt, ein für sich selbst bestehendes Wesen zu seyn. Aber p2c_513.022 ganz verläßt Gott die Menschheit nicht. Er ist noch zu den p2c_513.023 Zeiten der Erzväter der Gott der Familiengeschlechter, doch p2c_513.024 er ist ein furchtbarer erzürnter Gott, der selbst große Naturbegebenheiten, p2c_513.025 wie die Sündfluth, als moralische Strafen p2c_513.026 verhängt. Späterhin ist er ein kriegerischer Gott, ein Herr p2c_513.027 der Herrschaaren. Er macht durch Mosen die Jsraeliten p2c_513.028 zum Volk, verleiht ihnen den Sieg, giebt ihnen Land, Gesetze
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Clodius, Christian August Heinrich: Entwurf einer systematischen Poetik nebst Collectaneen zu ihrer Ausführung. Zweiter Theil. Leipzig, 1804, S. 513. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/clodius_poetik02_1804/37>, abgerufen am 10.08.2024.
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