p2c_518.001 Und noch einmal macht der Fürst der Welt einen Versuch auf p2c_518.002 die Menschheit des Sohnes Gottes. Er tritt zu ihm, der p2c_518.003 Verführer, stellt ihn auf einen hohen Berg und zeigt ihm p2c_518.004 alle Reiche der ganzen Erde in einem Augenblicke. "Bete p2c_518.005 mich an, sagt er zu ihm, so soll alles dein seyn." - Aber p2c_518.006 Jesus verschmäht das Reich eines weltlichen Messias, das p2c_518.007 die Juden erwarteten, und antwortet: "Es steht geschrieben, p2c_518.008 du sollt Gott deinen Herrn anbeten und ihm allein dienen." p2c_518.009 Und mit diesem Entschlusse wird er sich ganz der p2c_518.010 eigenen Gottheit bewußt. "Es steht geschrieben, sagt er p2c_518.011 zum Satan, du sollst Gott deinen Herrn nicht versuchen." p2c_518.012 Von nun an fühlt er, daß seine Stunde gekommen ist, von p2c_518.013 nun an zeigt sich nur Gott in seiner reinen Seele. Er tritt p2c_518.014 in die Welt, allein auf gegen die Welt, mit vollem Bewußtseyn p2c_518.015 seiner göttlichen Freyheit, mit vollem Bewußtseyn, p2c_518.016 daß er gekommen sey in dies Chaos der irdischen Geister, p2c_518.017 der neue moralische Schöpfer zu werden, die bange p2c_518.018 Hemmung in den Gemüthern, die Schranken zwischen den p2c_518.019 Seelen aufzuheben, und mit dem Hauche der Liebe die Erde p2c_518.020 von neuem zu beleben. Als Gott kann er die von Gott verlaßne p2c_518.021 Menschheit nicht achten, als ihr neuer Schöpfer muß p2c_518.022 er sie lieben, indem er in ihr den Wiederschein seiner eignen p2c_518.023 Gesetzlichkeit ahnet. Er weiß es, daß in ihm der Urgeist p2c_518.024 ist, der Himmel und Erde bewegt, er weiß es, daß p2c_518.025 er eher war, denn Abraham, daß er eine Herrlichkeit bey p2c_518.026 Gott hatte, ehe denn die Welt war, daß durch ihn alle p2c_518.027 Dinge geworden sind. Den Gott, den die Propheten nur p2c_518.028 außer sich ahneten, den die Menschen nur dem Namen nach
p2c_518.001 Und noch einmal macht der Fürst der Welt einen Versuch auf p2c_518.002 die Menschheit des Sohnes Gottes. Er tritt zu ihm, der p2c_518.003 Verführer, stellt ihn auf einen hohen Berg und zeigt ihm p2c_518.004 alle Reiche der ganzen Erde in einem Augenblicke. „Bete p2c_518.005 mich an, sagt er zu ihm, so soll alles dein seyn.“ ─ Aber p2c_518.006 Jesus verschmäht das Reich eines weltlichen Messias, das p2c_518.007 die Juden erwarteten, und antwortet: „Es steht geschrieben, p2c_518.008 du sollt Gott deinen Herrn anbeten und ihm allein dienen.“ p2c_518.009 Und mit diesem Entschlusse wird er sich ganz der p2c_518.010 eigenen Gottheit bewußt. „Es steht geschrieben, sagt er p2c_518.011 zum Satan, du sollst Gott deinen Herrn nicht versuchen.“ p2c_518.012 Von nun an fühlt er, daß seine Stunde gekommen ist, von p2c_518.013 nun an zeigt sich nur Gott in seiner reinen Seele. Er tritt p2c_518.014 in die Welt, allein auf gegen die Welt, mit vollem Bewußtseyn p2c_518.015 seiner göttlichen Freyheit, mit vollem Bewußtseyn, p2c_518.016 daß er gekommen sey in dies Chaos der irdischen Geister, p2c_518.017 der neue moralische Schöpfer zu werden, die bange p2c_518.018 Hemmung in den Gemüthern, die Schranken zwischen den p2c_518.019 Seelen aufzuheben, und mit dem Hauche der Liebe die Erde p2c_518.020 von neuem zu beleben. Als Gott kann er die von Gott verlaßne p2c_518.021 Menschheit nicht achten, als ihr neuer Schöpfer muß p2c_518.022 er sie lieben, indem er in ihr den Wiederschein seiner eignen p2c_518.023 Gesetzlichkeit ahnet. Er weiß es, daß in ihm der Urgeist p2c_518.024 ist, der Himmel und Erde bewegt, er weiß es, daß p2c_518.025 er eher war, denn Abraham, daß er eine Herrlichkeit bey p2c_518.026 Gott hatte, ehe denn die Welt war, daß durch ihn alle p2c_518.027 Dinge geworden sind. Den Gott, den die Propheten nur p2c_518.028 außer sich ahneten, den die Menschen nur dem Namen nach
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Clodius, Christian August Heinrich: Entwurf einer systematischen Poetik nebst Collectaneen zu ihrer Ausführung. Zweiter Theil. Leipzig, 1804, S. 518. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/clodius_poetik02_1804/42>, abgerufen am 10.08.2024.
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