Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874.

Bild:
<< vorherige Seite

lichen Stande, wenn er wirklich da ist, in's Be-
wußtsein trete und zum Durchbruch komme; eine
nothwendige Bedingung, damit dieser Beruf
treu gehütet und zur Ausführung gebracht werde.
Wer kann zweifeln, daß mancher Knabe und Jüng-
ling von Gott dem Herrn, der für Seine heilige
Kirche Sorge trägt, den Beruf zum geistlichen
Stande erhalten habe. Aber es fehlt die Mutter,
welche die zarten Keime der Gottesfurcht von früh
an in ihm nährte; Sie kommen nicht zur Ent-
wickelung; daher bleibt auch der edle Keim des
Priesterberufs unentwickelt; er kommt nicht, oder
nicht gebührend zum Bewußtsein. - Oder dieser
Beruf war schon hervorgetreten, der Knabe hatte
sich entschlossen, geistlich zu werden. Aber da die
Mutter es nicht verstanden hat oder es sich nicht
hat angelegen sein lassen, einen recht christlichen
Sinn und Wandel in ihm grundzulegen und zu
entwickeln, so geräth er an den höhern Schulen,
im Verkehr mit leichtsinnigen jungen Leuten auf
die Abwege des Leichtsinns und der Sünde, und
der Beruf zum geistlichen Stande wird wankend
und zu Schanden. Wie oft ist das leider der
Fall! Und wie sind es zuweilen grad die hoff-
nungsreichsten Jünglinge, welche auf diese unselige
Art der h. Kirche verloren gehen!

Also ein neuer Grund für die christliche Mut-
ter, daß sie das, was sie schon an sich zu thun
heilig verpflichtet ist, nun um so angelegentlicher
thue, daß sie nämlich Alles aufbiete, um den Geist
wahrer Frömmigkeit in ihren Kindern zu nähren,
damit, wenn ein Sohn Beruf zum geistlichen

lichen Stande, wenn er wirklich da ist, in's Be-
wußtsein trete und zum Durchbruch komme; eine
nothwendige Bedingung, damit dieser Beruf
treu gehütet und zur Ausführung gebracht werde.
Wer kann zweifeln, daß mancher Knabe und Jüng-
ling von Gott dem Herrn, der für Seine heilige
Kirche Sorge trägt, den Beruf zum geistlichen
Stande erhalten habe. Aber es fehlt die Mutter,
welche die zarten Keime der Gottesfurcht von früh
an in ihm nährte; Sie kommen nicht zur Ent-
wickelung; daher bleibt auch der edle Keim des
Priesterberufs unentwickelt; er kommt nicht, oder
nicht gebührend zum Bewußtsein. – Oder dieser
Beruf war schon hervorgetreten, der Knabe hatte
sich entschlossen, geistlich zu werden. Aber da die
Mutter es nicht verstanden hat oder es sich nicht
hat angelegen sein lassen, einen recht christlichen
Sinn und Wandel in ihm grundzulegen und zu
entwickeln, so geräth er an den höhern Schulen,
im Verkehr mit leichtsinnigen jungen Leuten auf
die Abwege des Leichtsinns und der Sünde, und
der Beruf zum geistlichen Stande wird wankend
und zu Schanden. Wie oft ist das leider der
Fall! Und wie sind es zuweilen grad die hoff-
nungsreichsten Jünglinge, welche auf diese unselige
Art der h. Kirche verloren gehen!

Also ein neuer Grund für die christliche Mut-
ter, daß sie das, was sie schon an sich zu thun
heilig verpflichtet ist, nun um so angelegentlicher
thue, daß sie nämlich Alles aufbiete, um den Geist
wahrer Frömmigkeit in ihren Kindern zu nähren,
damit, wenn ein Sohn Beruf zum geistlichen

<TEI>
  <text xml:id="C889_001_1874">
    <group>
      <text>
        <body>
          <div>
            <p><pb facs="#f0334" xml:id="C889_001_1874_pb0123_0001" n="123"/>
lichen Stande, wenn er wirklich da ist, in's Be-<lb/>
wußtsein trete und zum Durchbruch komme; eine<lb/>
nothwendige Bedingung, damit dieser Beruf<lb/>
treu gehütet und zur Ausführung gebracht werde.<lb/>
Wer kann zweifeln, daß mancher Knabe und Jüng-<lb/>
ling von Gott dem Herrn, der für Seine heilige<lb/>
Kirche Sorge trägt, den Beruf zum geistlichen<lb/>
Stande erhalten habe. Aber es fehlt die Mutter,<lb/>
welche die zarten Keime der Gottesfurcht von früh<lb/>
an in ihm nährte; Sie kommen nicht zur Ent-<lb/>
wickelung; daher bleibt auch der edle Keim des<lb/>
Priesterberufs unentwickelt; er kommt nicht, oder<lb/>
nicht gebührend zum Bewußtsein. &#x2013; Oder dieser<lb/>
Beruf war schon hervorgetreten, der Knabe hatte<lb/>
sich entschlossen, geistlich zu werden. Aber da die<lb/>
Mutter es nicht verstanden hat oder es sich nicht<lb/>
hat angelegen sein lassen, einen recht christlichen<lb/>
Sinn und Wandel in ihm grundzulegen und zu<lb/>
entwickeln, so geräth er an den höhern Schulen,<lb/>
im Verkehr mit leichtsinnigen jungen Leuten auf<lb/>
die Abwege des Leichtsinns und der Sünde, und<lb/>
der Beruf zum geistlichen Stande wird wankend<lb/>
und zu Schanden. Wie oft ist das leider der<lb/>
Fall! Und wie sind es zuweilen grad die hoff-<lb/>
nungsreichsten Jünglinge, welche auf diese unselige<lb/>
Art der h. Kirche verloren gehen!</p>
            <p>Also ein neuer Grund für die christliche Mut-<lb/>
ter, daß sie das, was sie schon an sich zu thun<lb/>
heilig verpflichtet ist, nun um so angelegentlicher<lb/>
thue, daß sie nämlich Alles aufbiete, um den Geist<lb/>
wahrer Frömmigkeit in ihren Kindern zu nähren,<lb/>
damit, wenn ein Sohn Beruf zum geistlichen<lb/></p>
          </div>
        </body>
      </text>
    </group>
  </text>
</TEI>
[123/0334] lichen Stande, wenn er wirklich da ist, in's Be- wußtsein trete und zum Durchbruch komme; eine nothwendige Bedingung, damit dieser Beruf treu gehütet und zur Ausführung gebracht werde. Wer kann zweifeln, daß mancher Knabe und Jüng- ling von Gott dem Herrn, der für Seine heilige Kirche Sorge trägt, den Beruf zum geistlichen Stande erhalten habe. Aber es fehlt die Mutter, welche die zarten Keime der Gottesfurcht von früh an in ihm nährte; Sie kommen nicht zur Ent- wickelung; daher bleibt auch der edle Keim des Priesterberufs unentwickelt; er kommt nicht, oder nicht gebührend zum Bewußtsein. – Oder dieser Beruf war schon hervorgetreten, der Knabe hatte sich entschlossen, geistlich zu werden. Aber da die Mutter es nicht verstanden hat oder es sich nicht hat angelegen sein lassen, einen recht christlichen Sinn und Wandel in ihm grundzulegen und zu entwickeln, so geräth er an den höhern Schulen, im Verkehr mit leichtsinnigen jungen Leuten auf die Abwege des Leichtsinns und der Sünde, und der Beruf zum geistlichen Stande wird wankend und zu Schanden. Wie oft ist das leider der Fall! Und wie sind es zuweilen grad die hoff- nungsreichsten Jünglinge, welche auf diese unselige Art der h. Kirche verloren gehen! Also ein neuer Grund für die christliche Mut- ter, daß sie das, was sie schon an sich zu thun heilig verpflichtet ist, nun um so angelegentlicher thue, daß sie nämlich Alles aufbiete, um den Geist wahrer Frömmigkeit in ihren Kindern zu nähren, damit, wenn ein Sohn Beruf zum geistlichen

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Weitere Informationen:

Dieses Werk stammt vom Projekt Digitization Lifecycle am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Anmerkungen zur Transkription:

Bei der Zeichenerkennung wurde nach Vorgabe des DLC modernisiert.

In Absprache mit dem MPI wurden die folgenden Aspekte der Vorlage nicht erfasst:

  • Bogensignaturen und Kustoden
  • Kolumnentitel
  • Auf Titelblättern wurde auf die Auszeichnung der Schriftgrößenunterscheide zugunsten der Identifizierung von titleParts verzichtet.
  • Bei Textpassagen, die als Abschnittsüberschrift ausgeweisen werden können, wird auf die zusätzliche Auszeichnung des Layouts verzichtet.
  • Keine Auszeichnung der Initialbuchstaben am Kapitelanfang.

Es wurden alle Anführungszeichen übernommen und die Zitate zusätzlich mit q ausgezeichnet.

Weiche und harte Zeilentrennungen werden identisch als 002D übernommen. Der Zeilenumbruch selbst über lb ausgezeichnet.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/334
Zitationshilfe: Cramer, Wilhelm: Der christliche Vater wie er sein und was er thun soll. Nebst einem Anhange von Gebeten für denselben. Dülmen, 1874, S. 123. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/cramer_mutter_1874/334>, abgerufen am 18.08.2022.