Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Dahlmann, Friedrich Christoph: Die Politik, auf den Grund und das Maaß der gegebenen Zustände zurückgeführt. Bd. 1: Staatsverfassung. Volksbildung. Göttingen, 1835.

Bild:
<< vorherige Seite
Zweiter Abschnitt.
Von der Staatsverwaltung.

Erste Abtheilung.
Einleitung in den Organismus der Staatsverwaltung.

Zehntes Capitel.
Von den Gemeinden
.

238. Das Verfassungsgesetz bildet die Regel ab, welche,
im Staatsganzen waltend, die Gemeinsamkeit des Volks-
Daseyns immer inniger begründen soll. Diese große Ge-
meinsamkeit ist indeß weder im Raume erkennbar, noch zu
aller Zeit im Bewußtseyn der Bevölkerung gegenwärtig
Denn diese verbringt ein zertrenntes Leben in einer Fülle
kleinerer Gesammtheiten, die leicht sichtbar neben einander
im Raume hervortreten, längst befestigte Kreise des Da-
seyns, lebendige gern selbständige Ordnungen zusammen-
gewachsener Familien und Berufe, die doch nicht ganz
selbständig seyn dürfen, und in welchen es nun gilt, die
höchste Regel, die zum Ganzen leitet, verwaltend festzu-
stellen; nicht etwa, daß man aufzulösen trachte was Gott,
Natur und die Gesellschaft mannigfaltig geschaffen haben;
eben so leicht möchte man die menschlichen Individuen an
den Versuch wagen, einen einzigen Volksmenschen aus

Zweiter Abſchnitt.
Von der Staatsverwaltung.

Erſte Abtheilung.
Einleitung in den Organismus der Staatsverwaltung.

Zehntes Capitel.
Von den Gemeinden
.

238. Das Verfaſſungsgeſetz bildet die Regel ab, welche,
im Staatsganzen waltend, die Gemeinſamkeit des Volks-
Daſeyns immer inniger begruͤnden ſoll. Dieſe große Ge-
meinſamkeit iſt indeß weder im Raume erkennbar, noch zu
aller Zeit im Bewußtſeyn der Bevoͤlkerung gegenwaͤrtig
Denn dieſe verbringt ein zertrenntes Leben in einer Fuͤlle
kleinerer Geſammtheiten, die leicht ſichtbar neben einander
im Raume hervortreten, laͤngſt befeſtigte Kreiſe des Da-
ſeyns, lebendige gern ſelbſtaͤndige Ordnungen zuſammen-
gewachſener Familien und Berufe, die doch nicht ganz
ſelbſtaͤndig ſeyn duͤrfen, und in welchen es nun gilt, die
hoͤchſte Regel, die zum Ganzen leitet, verwaltend feſtzu-
ſtellen; nicht etwa, daß man aufzuloͤſen trachte was Gott,
Natur und die Geſellſchaft mannigfaltig geſchaffen haben;
eben ſo leicht moͤchte man die menſchlichen Individuen an
den Verſuch wagen, einen einzigen Volksmenſchen aus

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0226" n="[214]"/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#g">Zweiter Ab&#x017F;chnitt.<lb/><hi rendition="#b">Von der Staatsverwaltung.</hi></hi> </head><lb/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
          <div n="3">
            <head><hi rendition="#g">Er&#x017F;te Abtheilung</hi>.<lb/>
Einleitung in den Organismus der Staatsverwaltung.</head><lb/>
            <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
            <div n="4">
              <head><hi rendition="#g">Zehntes Capitel.<lb/>
Von den Gemeinden</hi>.</head><lb/>
              <p>238. Das Verfa&#x017F;&#x017F;ungsge&#x017F;etz bildet die Regel ab, welche,<lb/>
im Staatsganzen waltend, die Gemein&#x017F;amkeit des Volks-<lb/>
Da&#x017F;eyns immer inniger begru&#x0364;nden &#x017F;oll. Die&#x017F;e große Ge-<lb/>
mein&#x017F;amkeit i&#x017F;t indeß weder im Raume erkennbar, noch zu<lb/>
aller Zeit im Bewußt&#x017F;eyn der Bevo&#x0364;lkerung gegenwa&#x0364;rtig<lb/>
Denn die&#x017F;e verbringt ein zertrenntes Leben in einer Fu&#x0364;lle<lb/>
kleinerer Ge&#x017F;ammtheiten, die leicht &#x017F;ichtbar neben einander<lb/>
im Raume hervortreten, la&#x0364;ng&#x017F;t befe&#x017F;tigte Krei&#x017F;e des Da-<lb/>
&#x017F;eyns, lebendige gern &#x017F;elb&#x017F;ta&#x0364;ndige Ordnungen zu&#x017F;ammen-<lb/>
gewach&#x017F;ener Familien und Berufe, die doch nicht ganz<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;ta&#x0364;ndig &#x017F;eyn du&#x0364;rfen, und in welchen es nun gilt, die<lb/>
ho&#x0364;ch&#x017F;te Regel, die zum Ganzen leitet, verwaltend fe&#x017F;tzu-<lb/>
&#x017F;tellen; nicht etwa, daß man aufzulo&#x0364;&#x017F;en trachte was Gott,<lb/>
Natur und die Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft mannigfaltig ge&#x017F;chaffen haben;<lb/>
eben &#x017F;o leicht mo&#x0364;chte man die men&#x017F;chlichen Individuen an<lb/>
den Ver&#x017F;uch wagen, einen einzigen Volksmen&#x017F;chen aus<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[214]/0226] Zweiter Abſchnitt. Von der Staatsverwaltung. Erſte Abtheilung. Einleitung in den Organismus der Staatsverwaltung. Zehntes Capitel. Von den Gemeinden. 238. Das Verfaſſungsgeſetz bildet die Regel ab, welche, im Staatsganzen waltend, die Gemeinſamkeit des Volks- Daſeyns immer inniger begruͤnden ſoll. Dieſe große Ge- meinſamkeit iſt indeß weder im Raume erkennbar, noch zu aller Zeit im Bewußtſeyn der Bevoͤlkerung gegenwaͤrtig Denn dieſe verbringt ein zertrenntes Leben in einer Fuͤlle kleinerer Geſammtheiten, die leicht ſichtbar neben einander im Raume hervortreten, laͤngſt befeſtigte Kreiſe des Da- ſeyns, lebendige gern ſelbſtaͤndige Ordnungen zuſammen- gewachſener Familien und Berufe, die doch nicht ganz ſelbſtaͤndig ſeyn duͤrfen, und in welchen es nun gilt, die hoͤchſte Regel, die zum Ganzen leitet, verwaltend feſtzu- ſtellen; nicht etwa, daß man aufzuloͤſen trachte was Gott, Natur und die Geſellſchaft mannigfaltig geſchaffen haben; eben ſo leicht moͤchte man die menſchlichen Individuen an den Verſuch wagen, einen einzigen Volksmenſchen aus

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/dahlmann_politik_1835
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/dahlmann_politik_1835/226
Zitationshilfe: Dahlmann, Friedrich Christoph: Die Politik, auf den Grund und das Maaß der gegebenen Zustände zurückgeführt. Bd. 1: Staatsverfassung. Volksbildung. Göttingen, 1835, S. [214]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dahlmann_politik_1835/226>, abgerufen am 21.04.2021.