Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756.

Bild:
<< vorherige Seite
von dem Brandwein.
§. 411.

Die dritte Frage ist diese: Wie können diese Säf-Wie die
fremden
Säfte mit
dem Brand-
wein zu ver-
mischen.
Der erste
Weg.

te mit dem Brandwein vermischt werden, wenn die-
ser Brandwein in seiner Art vollkommen werden soll?
Die Beantwortung dieser Frage giebt uns einen
Grund, den abgezogenen Brandwein in zwo Classen
zu vertheilen. Jn der ersten Classe setze ich diejeni-
gen, die mit diesen fremden Säften sind vermischt
worden, ohne aus dem Brandwein vorher den Wein-
Geist zu ziehen. Die beste Art, diese Vermischung
zu befördern, ist diese. Wenn man aus der Materie
des Pflanzen-Reichs die fremden Säfte, so weit als
es nöthig ist, mit Brandwein gezogen hat, so schütte
man diese ganze Masse alsdenn in die Blase, wenn
man nach der Vorschrift des §. 401. den Wein machen
will. Der Brandwein hat diese Säfte aufgelöset,
und sich mit ihnen vermischet. Das Wasser würket
keine Scheidung (§. 408.) Folglich werden diese
fremden Säfte durch eine gelinde Destillation gereini-
get, mit dem Brandwein übergehen, und daher be-
kommt man alsdenn einen wohlschmekkenden abgezoge-
nen Brandwein. (§. 396).

Anmerk. Vielleicht wird man sagen, dieß ist
kein abgezogener Brandwein. Allein was heist
den Brandwein abziehen: wird er nicht alsdenn
abgezogen, wenn man den geläuterten Brandwein
nochmahl destilliret. Dieß geschiehet bey dieser Ar-
beit mit der Helfte des Brandweins, (§. 400. 399.)
und darum wird er mit Rechte ein abgezogener
Brandwein von der ersten Art genennet.

§. 412.

Die Verfertigung der abgezogenen Brandweine dieDer andere
Weg.

zur andern Classe gehören, ist diese: Man fülle die

Blase
S 4
von dem Brandwein.
§. 411.

Die dritte Frage iſt dieſe: Wie koͤnnen dieſe Saͤf-Wie die
fremden
Saͤfte mit
dem Brand-
wein zu ver-
miſchen.
Der erſte
Weg.

te mit dem Brandwein vermiſcht werden, wenn die-
ſer Brandwein in ſeiner Art vollkommen werden ſoll?
Die Beantwortung dieſer Frage giebt uns einen
Grund, den abgezogenen Brandwein in zwo Claſſen
zu vertheilen. Jn der erſten Claſſe ſetze ich diejeni-
gen, die mit dieſen fremden Saͤften ſind vermiſcht
worden, ohne aus dem Brandwein vorher den Wein-
Geiſt zu ziehen. Die beſte Art, dieſe Vermiſchung
zu befoͤrdern, iſt dieſe. Wenn man aus der Materie
des Pflanzen-Reichs die fremden Saͤfte, ſo weit als
es noͤthig iſt, mit Brandwein gezogen hat, ſo ſchuͤtte
man dieſe ganze Maſſe alsdenn in die Blaſe, wenn
man nach der Vorſchrift des §. 401. den Wein machen
will. Der Brandwein hat dieſe Saͤfte aufgeloͤſet,
und ſich mit ihnen vermiſchet. Das Waſſer wuͤrket
keine Scheidung (§. 408.) Folglich werden dieſe
fremden Saͤfte durch eine gelinde Deſtillation gereini-
get, mit dem Brandwein uͤbergehen, und daher be-
kommt man alsdenn einen wohlſchmekkenden abgezoge-
nen Brandwein. (§. 396).

Anmerk. Vielleicht wird man ſagen, dieß iſt
kein abgezogener Brandwein. Allein was heiſt
den Brandwein abziehen: wird er nicht alsdenn
abgezogen, wenn man den gelaͤuterten Brandwein
nochmahl deſtilliret. Dieß geſchiehet bey dieſer Ar-
beit mit der Helfte des Brandweins, (§. 400. 399.)
und darum wird er mit Rechte ein abgezogener
Brandwein von der erſten Art genennet.

§. 412.

Die Verfertigung der abgezogenen Brandweine dieDer andere
Weg.

zur andern Claſſe gehoͤren, iſt dieſe: Man fuͤlle die

Blaſe
S 4
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0299" n="279"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">von dem Brandwein.</hi> </fw><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 411.</head><lb/>
              <p>Die dritte Frage i&#x017F;t die&#x017F;e: Wie ko&#x0364;nnen die&#x017F;e Sa&#x0364;f-<note place="right">Wie die<lb/>
fremden<lb/>
Sa&#x0364;fte mit<lb/>
dem Brand-<lb/>
wein zu ver-<lb/>
mi&#x017F;chen.<lb/>
Der er&#x017F;te<lb/>
Weg.</note><lb/>
te mit dem Brandwein vermi&#x017F;cht werden, wenn die-<lb/>
&#x017F;er Brandwein in &#x017F;einer Art vollkommen werden &#x017F;oll?<lb/>
Die Beantwortung die&#x017F;er Frage giebt uns einen<lb/>
Grund, den abgezogenen Brandwein in zwo Cla&#x017F;&#x017F;en<lb/>
zu vertheilen. <hi rendition="#fr">Jn der er&#x017F;ten Cla&#x017F;&#x017F;e</hi> &#x017F;etze ich diejeni-<lb/>
gen, die mit die&#x017F;en fremden Sa&#x0364;ften &#x017F;ind vermi&#x017F;cht<lb/>
worden, ohne aus dem Brandwein vorher den Wein-<lb/>
Gei&#x017F;t zu ziehen. Die be&#x017F;te Art, die&#x017F;e Vermi&#x017F;chung<lb/>
zu befo&#x0364;rdern, i&#x017F;t die&#x017F;e. Wenn man aus der Materie<lb/>
des Pflanzen-Reichs die fremden Sa&#x0364;fte, &#x017F;o weit als<lb/>
es no&#x0364;thig i&#x017F;t, mit Brandwein gezogen hat, &#x017F;o &#x017F;chu&#x0364;tte<lb/>
man die&#x017F;e ganze Ma&#x017F;&#x017F;e alsdenn in die Bla&#x017F;e, wenn<lb/>
man nach der Vor&#x017F;chrift des §. 401. den Wein machen<lb/>
will. Der Brandwein hat die&#x017F;e Sa&#x0364;fte aufgelo&#x0364;&#x017F;et,<lb/>
und &#x017F;ich mit ihnen vermi&#x017F;chet. Das Wa&#x017F;&#x017F;er wu&#x0364;rket<lb/>
keine Scheidung (§. 408.) Folglich werden die&#x017F;e<lb/>
fremden Sa&#x0364;fte durch eine gelinde De&#x017F;tillation gereini-<lb/>
get, mit dem Brandwein u&#x0364;bergehen, und daher be-<lb/>
kommt man alsdenn einen wohl&#x017F;chmekkenden abgezoge-<lb/>
nen Brandwein. (§. 396).</p><lb/>
              <p> <hi rendition="#et"><hi rendition="#fr">Anmerk.</hi> Vielleicht wird man &#x017F;agen, dieß i&#x017F;t<lb/>
kein abgezogener Brandwein. Allein was hei&#x017F;t<lb/>
den Brandwein abziehen: wird er nicht alsdenn<lb/>
abgezogen, wenn man den gela&#x0364;uterten Brandwein<lb/>
nochmahl de&#x017F;tilliret. Dieß ge&#x017F;chiehet bey die&#x017F;er Ar-<lb/>
beit mit der Helfte des Brandweins, (§. 400. 399.)<lb/>
und darum wird er mit Rechte ein abgezogener<lb/>
Brandwein von der er&#x017F;ten Art genennet.</hi> </p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>§. 412.</head><lb/>
              <p>Die Verfertigung der abgezogenen Brandweine die<note place="right">Der andere<lb/>
Weg.</note><lb/>
zur andern Cla&#x017F;&#x017F;e geho&#x0364;ren, i&#x017F;t die&#x017F;e: Man fu&#x0364;lle die<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">S 4</fw><fw place="bottom" type="catch">Bla&#x017F;e</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[279/0299] von dem Brandwein. §. 411. Die dritte Frage iſt dieſe: Wie koͤnnen dieſe Saͤf- te mit dem Brandwein vermiſcht werden, wenn die- ſer Brandwein in ſeiner Art vollkommen werden ſoll? Die Beantwortung dieſer Frage giebt uns einen Grund, den abgezogenen Brandwein in zwo Claſſen zu vertheilen. Jn der erſten Claſſe ſetze ich diejeni- gen, die mit dieſen fremden Saͤften ſind vermiſcht worden, ohne aus dem Brandwein vorher den Wein- Geiſt zu ziehen. Die beſte Art, dieſe Vermiſchung zu befoͤrdern, iſt dieſe. Wenn man aus der Materie des Pflanzen-Reichs die fremden Saͤfte, ſo weit als es noͤthig iſt, mit Brandwein gezogen hat, ſo ſchuͤtte man dieſe ganze Maſſe alsdenn in die Blaſe, wenn man nach der Vorſchrift des §. 401. den Wein machen will. Der Brandwein hat dieſe Saͤfte aufgeloͤſet, und ſich mit ihnen vermiſchet. Das Waſſer wuͤrket keine Scheidung (§. 408.) Folglich werden dieſe fremden Saͤfte durch eine gelinde Deſtillation gereini- get, mit dem Brandwein uͤbergehen, und daher be- kommt man alsdenn einen wohlſchmekkenden abgezoge- nen Brandwein. (§. 396). Wie die fremden Saͤfte mit dem Brand- wein zu ver- miſchen. Der erſte Weg. Anmerk. Vielleicht wird man ſagen, dieß iſt kein abgezogener Brandwein. Allein was heiſt den Brandwein abziehen: wird er nicht alsdenn abgezogen, wenn man den gelaͤuterten Brandwein nochmahl deſtilliret. Dieß geſchiehet bey dieſer Ar- beit mit der Helfte des Brandweins, (§. 400. 399.) und darum wird er mit Rechte ein abgezogener Brandwein von der erſten Art genennet. §. 412. Die Verfertigung der abgezogenen Brandweine die zur andern Claſſe gehoͤren, iſt dieſe: Man fuͤlle die Blaſe Der andere Weg. S 4

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/299
Zitationshilfe: Darjes, Joachim Georg: Erste Gründe der Cameral-Wissenschaften. Jena, 1756, S. 279. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/darjes_cameralwissenschaften_1756/299>, abgerufen am 25.02.2021.