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Consentius, Ernst: Meister Johann Dietz erzählt sein Leben. Nach der alten Handschrift in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Ebenhausen, 1915.

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und Ruhe, wie sie wohl haben konnte, bei mir geblieben. Denn sie war sonst eine geschickte, kluge Frau und vortreffliche Köchin, daß sich die Barbierinnung allezeit freuete, wann sie bei mir sollten gespeiset werden, so selbiger Zeit, weil ich Obermeister war, gar oft geschahe.

Ich und meine Leute im Haus vermeineten, weil sie bei ihrem Leben keiner andern rein zu kommen gönnen wollen, sie würde spuken. Aber es hat sich, gottlob! nichtes gereget.

Nun räumete die Frau Schmidten vollends aus, was sie noch etwa gelassen hatte, und gab mir von altem Geräte und Betten, auch Besen, was sie wollte, von meiner Frauen und meiner Mägde in die dreiunddreißigjähriges Spinnen und Würken, was sie wollte! Denn meine Frau war zweiundsiebenzig und ein halbes Jahr, als sie starb, und hatte was sammlen können. Starb anno 1726 den 11. Augusti nachts umb ein viertel auf vier Uhr.

Von meiner andern Verheiratung

Ich war zweiundsechzig Jahr alt, als meine Frau gestorben, und hatte bei mir viel Überlegung: ob ich wieder heiraten wollte oder nicht; zumal, wann ich gedachte an meinen vorigen Ehestand, so ging mir die Graue an.

Auch fanden sich gute Freunde, so vermeinet, von diesem Braten auch ein gut Stück zu bekommen. Machten mir entsetzlich die Graue: nicht wieder in den Bauer zu kriechen, woraus ich einmal gekommen. Ich lebete und könnte leben in meiner größten Vergnüglichkeit, jedermann würde mich flattieren, lieben und zu Gebot stehen, wäre mein eigener Herr und könnte ruhig von meinem Intresse leben. Dahingegen, so ich ein ander Weib nähme, müßte ich gewarten, wie sie einschlüge. Stelleten sich vorhero

und Ruhe, wie sie wohl haben konnte, bei mir geblieben. Denn sie war sonst eine geschickte, kluge Frau und vortreffliche Köchin, daß sich die Barbierinnung allezeit freuete, wann sie bei mir sollten gespeiset werden, so selbiger Zeit, weil ich Obermeister war, gar oft geschahe.

Ich und meine Leute im Haus vermeineten, weil sie bei ihrem Leben keiner andern rein zu kommen gönnen wollen, sie würde spuken. Aber es hat sich, gottlob! nichtes gereget.

Nun räumete die Frau Schmidten vollends aus, was sie noch etwa gelassen hatte, und gab mir von altem Geräte und Betten, auch Besen, was sie wollte, von meiner Frauen und meiner Mägde in die dreiunddreißigjähriges Spinnen und Würken, was sie wollte! Denn meine Frau war zweiundsiebenzig und ein halbes Jahr, als sie starb, und hatte was sammlen können. Starb anno 1726 den 11. Augusti nachts umb ein viertel auf vier Uhr.

Von meiner andern Verheiratung

Ich war zweiundsechzig Jahr alt, als meine Frau gestorben, und hatte bei mir viel Überlegung: ob ich wieder heiraten wollte oder nicht; zumal, wann ich gedachte an meinen vorigen Ehestand, so ging mir die Graue an.

Auch fanden sich gute Freunde, so vermeinet, von diesem Braten auch ein gut Stück zu bekommen. Machten mir entsetzlich die Graue: nicht wieder in den Bauer zu kriechen, woraus ich einmal gekommen. Ich lebete und könnte leben in meiner größten Vergnüglichkeit, jedermann würde mich flattieren, lieben und zu Gebot stehen, wäre mein eigener Herr und könnte ruhig von meinem Intresse leben. Dahingegen, so ich ein ander Weib nähme, müßte ich gewarten, wie sie einschlüge. Stelleten sich vorhero

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[0306] und Ruhe, wie sie wohl haben konnte, bei mir geblieben. Denn sie war sonst eine geschickte, kluge Frau und vortreffliche Köchin, daß sich die Barbierinnung allezeit freuete, wann sie bei mir sollten gespeiset werden, so selbiger Zeit, weil ich Obermeister war, gar oft geschahe. Ich und meine Leute im Haus vermeineten, weil sie bei ihrem Leben keiner andern rein zu kommen gönnen wollen, sie würde spuken. Aber es hat sich, gottlob! nichtes gereget. Nun räumete die Frau Schmidten vollends aus, was sie noch etwa gelassen hatte, und gab mir von altem Geräte und Betten, auch Besen, was sie wollte, von meiner Frauen und meiner Mägde in die dreiunddreißigjähriges Spinnen und Würken, was sie wollte! Denn meine Frau war zweiundsiebenzig und ein halbes Jahr, als sie starb, und hatte was sammlen können. Starb anno 1726 den 11. Augusti nachts umb ein viertel auf vier Uhr. Von meiner andern Verheiratung Ich war zweiundsechzig Jahr alt, als meine Frau gestorben, und hatte bei mir viel Überlegung: ob ich wieder heiraten wollte oder nicht; zumal, wann ich gedachte an meinen vorigen Ehestand, so ging mir die Graue an. Auch fanden sich gute Freunde, so vermeinet, von diesem Braten auch ein gut Stück zu bekommen. Machten mir entsetzlich die Graue: nicht wieder in den Bauer zu kriechen, woraus ich einmal gekommen. Ich lebete und könnte leben in meiner größten Vergnüglichkeit, jedermann würde mich flattieren, lieben und zu Gebot stehen, wäre mein eigener Herr und könnte ruhig von meinem Intresse leben. Dahingegen, so ich ein ander Weib nähme, müßte ich gewarten, wie sie einschlüge. Stelleten sich vorhero

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Zitationshilfe: Consentius, Ernst: Meister Johann Dietz erzählt sein Leben. Nach der alten Handschrift in der Königlichen Bibliothek zu Berlin. Ebenhausen, 1915, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dietz_leben_1915/306>, abgerufen am 26.09.2021.