ihren Colleginnen, den Natur- oder Jnstinkt-Köchinnen trennt.
Wenn die deutsche Sitte erst der deutschen Köchin erlauben wird, sich ihre Kochkenntnisse auf dieselbe Weise anzueignen, wie der Koch es thut, durch Erlernen ihrer Kunst nämlich, dann wird der Mann und Gatte keinen Grund mehr haben, in seiner Frau nur die Göttin seines Magens zu respektiren, und die Gute wird Zeit für nützliche Beschäftigung gewinnen.
Das Gefühl, das festgewurzelte, das die Frau in ihrer jetzigen Stellung festhalten will, ist mächtig, ich weiß es. Erzählt man doch eine Legende von dem hei- ligen Bernhard, bei dem das Gefühl von der ange- stammten Unterthänigkeit der Frau so stark war, daß es selbst einen Schatten in die frommen Verzückungen seiner Andacht warf.
Der heilige Bernhard trat einst in den Dom zu Speyer und grüßte das dort befindliche Marienbild: "Sei gegrüßt, o Königin!" Wie erstaunten die An- wesenden, als die geschmeichelte steinerne Mutter Gottes die Lippen öffnete und ausrief: "Wir danken Dir schön, unser lieber Bernhard." Aber noch mehr verwunderte man sich, als der verdrießliche Heilige die Worte des Apostels zurückbrummte: "Weiber schweigen in der Ver- sammlung."
ihren Colleginnen, den Natur- oder Jnstinkt-Köchinnen trennt.
Wenn die deutsche Sitte erst der deutschen Köchin erlauben wird, sich ihre Kochkenntnisse auf dieselbe Weise anzueignen, wie der Koch es thut, durch Erlernen ihrer Kunst nämlich, dann wird der Mann und Gatte keinen Grund mehr haben, in seiner Frau nur die Göttin seines Magens zu respektiren, und die Gute wird Zeit für nützliche Beschäftigung gewinnen.
Das Gefühl, das festgewurzelte, das die Frau in ihrer jetzigen Stellung festhalten will, ist mächtig, ich weiß es. Erzählt man doch eine Legende von dem hei- ligen Bernhard, bei dem das Gefühl von der ange- stammten Unterthänigkeit der Frau so stark war, daß es selbst einen Schatten in die frommen Verzückungen seiner Andacht warf.
Der heilige Bernhard trat einst in den Dom zu Speyer und grüßte das dort befindliche Marienbild: „Sei gegrüßt, o Königin!‟ Wie erstaunten die An- wesenden, als die geschmeichelte steinerne Mutter Gottes die Lippen öffnete und ausrief: „Wir danken Dir schön, unser lieber Bernhard.‟ Aber noch mehr verwunderte man sich, als der verdrießliche Heilige die Worte des Apostels zurückbrummte: „Weiber schweigen in der Ver- sammlung.‟
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><p><pbfacs="#f0140"n="132"/>
ihren Colleginnen, den Natur- oder Jnstinkt-Köchinnen<lb/>
trennt.</p><lb/><p>Wenn die deutsche Sitte erst der deutschen Köchin<lb/>
erlauben wird, sich ihre Kochkenntnisse auf dieselbe Weise<lb/>
anzueignen, wie der Koch es thut, durch Erlernen ihrer<lb/>
Kunst nämlich, dann wird der Mann und Gatte keinen<lb/>
Grund mehr haben, in seiner Frau nur die Göttin<lb/>
seines Magens zu respektiren, und die Gute wird Zeit<lb/>
für nützliche Beschäftigung gewinnen.</p><lb/><p>Das <hirendition="#g">Gefühl</hi>, das festgewurzelte, das die Frau in<lb/>
ihrer jetzigen Stellung festhalten will, ist mächtig, ich<lb/>
weiß es. Erzählt man doch eine Legende von dem hei-<lb/>
ligen Bernhard, bei dem das Gefühl von der ange-<lb/>
stammten Unterthänigkeit der Frau so stark war, daß<lb/>
es selbst einen Schatten in die frommen Verzückungen<lb/>
seiner Andacht warf.</p><lb/><p>Der heilige Bernhard trat einst in den Dom zu<lb/>
Speyer und grüßte das dort befindliche Marienbild:<lb/>„Sei gegrüßt, o Königin!‟ Wie erstaunten die An-<lb/>
wesenden, als die geschmeichelte steinerne Mutter Gottes<lb/>
die Lippen öffnete und ausrief: „Wir danken Dir schön,<lb/>
unser lieber Bernhard.‟ Aber noch mehr verwunderte<lb/>
man sich, als der verdrießliche Heilige die Worte des<lb/>
Apostels zurückbrummte: „Weiber schweigen in der Ver-<lb/>
sammlung.‟</p><lb/></div></div></body></text></TEI>
[132/0140]
ihren Colleginnen, den Natur- oder Jnstinkt-Köchinnen
trennt.
Wenn die deutsche Sitte erst der deutschen Köchin
erlauben wird, sich ihre Kochkenntnisse auf dieselbe Weise
anzueignen, wie der Koch es thut, durch Erlernen ihrer
Kunst nämlich, dann wird der Mann und Gatte keinen
Grund mehr haben, in seiner Frau nur die Göttin
seines Magens zu respektiren, und die Gute wird Zeit
für nützliche Beschäftigung gewinnen.
Das Gefühl, das festgewurzelte, das die Frau in
ihrer jetzigen Stellung festhalten will, ist mächtig, ich
weiß es. Erzählt man doch eine Legende von dem hei-
ligen Bernhard, bei dem das Gefühl von der ange-
stammten Unterthänigkeit der Frau so stark war, daß
es selbst einen Schatten in die frommen Verzückungen
seiner Andacht warf.
Der heilige Bernhard trat einst in den Dom zu
Speyer und grüßte das dort befindliche Marienbild:
„Sei gegrüßt, o Königin!‟ Wie erstaunten die An-
wesenden, als die geschmeichelte steinerne Mutter Gottes
die Lippen öffnete und ausrief: „Wir danken Dir schön,
unser lieber Bernhard.‟ Aber noch mehr verwunderte
man sich, als der verdrießliche Heilige die Worte des
Apostels zurückbrummte: „Weiber schweigen in der Ver-
sammlung.‟
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Texte der ersten Frauenbewegung, betreut von Anna Pfundt und Thomas Gloning, JLU Gießen: Bereitstellung der Texttranskription.
(2017-07-10T17:06:15Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Anna Pfundt: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2017-07-10T17:06:15Z)
Weitere Informationen:
Verfahren der Texterfassung: OCR mit Nachkorrektur.
Bogensignaturen: keine Angabe;
Druckfehler: keine Angabe;
fremdsprachliches Material: keine Angabe;
Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe;
Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage;
i/j in Fraktur: keine Angabe;
I/J in Fraktur: wie Vorlage;
Kolumnentitel: keine Angabe;
Kustoden: keine Angabe;
langes s (ſ): als s transkribiert;
Normalisierungen: keine Angabe;
rundes r (ꝛ): keine Angabe;
Seitenumbrüche markiert: ja;
Silbentrennung: wie Vorlage;
u/v bzw. U/V: keine Angabe;
Vokale mit übergest. e: keine Angabe;
Vollständigkeit: vollständig erfasst;
Zeichensetzung: wie Vorlage;
Zeilenumbrüche markiert: ja;
Dohm, Hedwig: Der Jesuitismus im Hausstande. Berlin, 1873, S. 132. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dohm_jesuitismus_1873/140>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.