verfolge, sich zum Familienleben nicht eigne, für Wahr- heit gelten.
Wenn eine solche Frau nun aber sagt: "Jch fühle keinen Beruf für Familienleben, ich will nicht Mann, ich will nicht Kind, ich will allein sein. All mein Sin- nen ist auf diese oder jene Wissenschaft oder Kunst ge- richtet, ich will studiren, ich will malen!"
Wie kommen die Männer dazu ihr zu antworten: "Das darfst Du nicht, wir verschließen Dir die Hörsäle der Universität, wir verschließen Dir die Akademie, denn was Du thust ist gegen die Ordnung der Natur.
Mit welchem Rechte, frage ich?
Genau mit demselben Recht, mit dem die geistreichen Griechen erklärten, daß es zwei Menschenklassen gäbe, die Freien und die Sklaven.
Gegen die Ordnung der Natur!
Und unter den Männern, die so leichtfertig gewaltige Worte in den Mund nehmen, sind Männer der Wissen- schaft, die sich so weit vergessen, ein unerwiesenes und unerweisbares Naturgesetz a priori anzunehmen, Män- ner, die schülerhaft den Glauben an menschliche Formeln für Wissenschaftlichkeit halten.
Was würden diese Herren sagen, wenn ein Philosoph behaupten wollte, er glaube nicht nur an einen persön- lichen Gott; der persönliche Gott (oder Götter), dessen
verfolge, sich zum Familienleben nicht eigne, für Wahr- heit gelten.
Wenn eine solche Frau nun aber sagt: „Jch fühle keinen Beruf für Familienleben, ich will nicht Mann, ich will nicht Kind, ich will allein sein. All mein Sin- nen ist auf diese oder jene Wissenschaft oder Kunst ge- richtet, ich will studiren, ich will malen!‟
Wie kommen die Männer dazu ihr zu antworten: „Das darfst Du nicht, wir verschließen Dir die Hörsäle der Universität, wir verschließen Dir die Akademie, denn was Du thust ist gegen die Ordnung der Natur.
Mit welchem Rechte, frage ich?
Genau mit demselben Recht, mit dem die geistreichen Griechen erklärten, daß es zwei Menschenklassen gäbe, die Freien und die Sklaven.
Gegen die Ordnung der Natur!
Und unter den Männern, die so leichtfertig gewaltige Worte in den Mund nehmen, sind Männer der Wissen- schaft, die sich so weit vergessen, ein unerwiesenes und unerweisbares Naturgesetz a priori anzunehmen, Män- ner, die schülerhaft den Glauben an menschliche Formeln für Wissenschaftlichkeit halten.
Was würden diese Herren sagen, wenn ein Philosoph behaupten wollte, er glaube nicht nur an einen persön- lichen Gott; der persönliche Gott (oder Götter), dessen
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verfolge, sich zum Familienleben nicht eigne, für Wahr-
heit gelten.
Wenn eine solche Frau nun aber sagt: „Jch fühle
keinen Beruf für Familienleben, ich will nicht Mann,
ich will nicht Kind, ich will allein sein. All mein Sin-
nen ist auf diese oder jene Wissenschaft oder Kunst ge-
richtet, ich will studiren, ich will malen!‟
Wie kommen die Männer dazu ihr zu antworten:
„Das darfst Du nicht, wir verschließen Dir die Hörsäle
der Universität, wir verschließen Dir die Akademie, denn
was Du thust ist gegen die Ordnung der Natur.
Mit welchem Rechte, frage ich?
Genau mit demselben Recht, mit dem die geistreichen
Griechen erklärten, daß es zwei Menschenklassen gäbe,
die Freien und die Sklaven.
Gegen die Ordnung der Natur!
Und unter den Männern, die so leichtfertig gewaltige
Worte in den Mund nehmen, sind Männer der Wissen-
schaft, die sich so weit vergessen, ein unerwiesenes und
unerweisbares Naturgesetz a priori anzunehmen, Män-
ner, die schülerhaft den Glauben an menschliche Formeln
für Wissenschaftlichkeit halten.
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Dohm, Hedwig: Der Jesuitismus im Hausstande. Berlin, 1873, S. 153. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dohm_jesuitismus_1873/161>, abgerufen am 10.08.2024.
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