Dieselben Leute beiderlei Geschlechts, die vielleicht mit unschuldigstem Behagen in französischen Seebädern ge- meinschaftlich baden, haben die ungeheuerliche Naivetät, gegen das öffentliche Auftreten der Frauen zu predigen.
Dieses Geschrei gegen die Oeffentlichkeit ist nichts als eine alte Reminiscenz verschollener Zeiten. Nur im Orient hat es noch heute einen Sinn. Die Türkin verbringt noch heute ihre Tage im verschlossenen Harem, außerhalb desselben erscheint sie verschleiert. Männlichen Besuch empfängt sie nur im Beisein des Gatten. Der Türke mag gegen das öffentliche Auftreten der Frauen predigen. Unsere Männer aber, die edlen Don Quichote's, kämpfen für etwas, das gar nicht mehr existirt.
Jedermann kann bei uns das jüngste und schönste Mädchen aus der Straße anstarren, und wenn es ihm sein Bildungsmangel erlaubt, unverschämt anstarren.
Die Frau, die jeder Zeit von Jedermann öffentlich gesehen werden kann, warum kann diese vor einer ge- wählteren Versammlung nicht öffentlich gehört werden? Warum ist man gegen den Gesichtssinn so tolerant und gegen den Gehörssinn so scharf?
Man entgegnet vielleicht: Es ist die volle Absicht, auf eine Menge wirken zu wollen, die die öffentlich redende oder in einem Amte funktionirende Frau ent- würdigt.
Dohm, Der Jesuitismus im Hausstande. 12
Dieselben Leute beiderlei Geschlechts, die vielleicht mit unschuldigstem Behagen in französischen Seebädern ge- meinschaftlich baden, haben die ungeheuerliche Naivetät, gegen das öffentliche Auftreten der Frauen zu predigen.
Dieses Geschrei gegen die Oeffentlichkeit ist nichts als eine alte Reminiscenz verschollener Zeiten. Nur im Orient hat es noch heute einen Sinn. Die Türkin verbringt noch heute ihre Tage im verschlossenen Harem, außerhalb desselben erscheint sie verschleiert. Männlichen Besuch empfängt sie nur im Beisein des Gatten. Der Türke mag gegen das öffentliche Auftreten der Frauen predigen. Unsere Männer aber, die edlen Don Quichote's, kämpfen für etwas, das gar nicht mehr existirt.
Jedermann kann bei uns das jüngste und schönste Mädchen aus der Straße anstarren, und wenn es ihm sein Bildungsmangel erlaubt, unverschämt anstarren.
Die Frau, die jeder Zeit von Jedermann öffentlich gesehen werden kann, warum kann diese vor einer ge- wählteren Versammlung nicht öffentlich gehört werden? Warum ist man gegen den Gesichtssinn so tolerant und gegen den Gehörssinn so scharf?
Man entgegnet vielleicht: Es ist die volle Absicht, auf eine Menge wirken zu wollen, die die öffentlich redende oder in einem Amte funktionirende Frau ent- würdigt.
Dohm, Der Jesuitismus im Hausstande. 12
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Dieselben Leute beiderlei Geschlechts, die vielleicht mit
unschuldigstem Behagen in französischen Seebädern ge-
meinschaftlich baden, haben die ungeheuerliche Naivetät,
gegen das öffentliche Auftreten der Frauen zu predigen.
Dieses Geschrei gegen die Oeffentlichkeit ist nichts
als eine alte Reminiscenz verschollener Zeiten. Nur
im Orient hat es noch heute einen Sinn. Die Türkin
verbringt noch heute ihre Tage im verschlossenen Harem,
außerhalb desselben erscheint sie verschleiert. Männlichen
Besuch empfängt sie nur im Beisein des Gatten. Der
Türke mag gegen das öffentliche Auftreten der Frauen
predigen. Unsere Männer aber, die edlen Don Quichote's,
kämpfen für etwas, das gar nicht mehr existirt.
Jedermann kann bei uns das jüngste und schönste
Mädchen aus der Straße anstarren, und wenn es ihm
sein Bildungsmangel erlaubt, unverschämt anstarren.
Die Frau, die jeder Zeit von Jedermann öffentlich
gesehen werden kann, warum kann diese vor einer ge-
wählteren Versammlung nicht öffentlich gehört werden?
Warum ist man gegen den Gesichtssinn so tolerant und
gegen den Gehörssinn so scharf?
Man entgegnet vielleicht: Es ist die volle Absicht,
auf eine Menge wirken zu wollen, die die öffentlich
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Dohm, Hedwig: Der Jesuitismus im Hausstande. Berlin, 1873, S. 177. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dohm_jesuitismus_1873/185>, abgerufen am 10.08.2024.
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