Jede Frau, die öffentlich auftritt, bezaubert die Männer, so lange sie es versteht, dieselben zu amüsiren.
Tritt die Frau aber öffentlich auf, um ihnen Con- currenz zu machen, oder gar sie zu belehren, so wird sie zur Unnatur, zum Mannweib.
Mit anderen Worten: sobald der Zweck ihres öffent- lichen Auftretens nicht der Mann ist und sein Ver- gnügen, sondern ein idealer oder persönlicher Zweck an seine Stelle tritt, wird die Oeffentlichkeit verworfen.
Ebenso verhält es sich mit der sogenannten Weib- lichkeit.
Weiblich heißt bei der Frau Alles, was den Männern ein Gefühl der Lust hervorruft.
Eine Kunstreiterin mit ihren riesigsten Sprüngen ent- zückt sie - als Weib (obgleich notorisch ihre Muskeln ausgebildeter sein müssen, als die der meisten Männer).
Eine Frau aber, die etwa vor einer politischen Ver- sammlung reden wollte (sie mag die Grazie in Person sein), ist unweiblich, weil sie in ihnen ein Gefühl der Unlust erregt - verletzte Eitelkeit.
Wenige von meinen Lesern mögen wohl die Ver- handlungen im englischen Parlament über das Stimm- recht der Frauen verfolgt haben, und ich glaube, sie werden es mir Dank wissen, wenn ich sie in aller Kürze mit den Hauptgründen, die von den Gegnern des
Jede Frau, die öffentlich auftritt, bezaubert die Männer, so lange sie es versteht, dieselben zu amüsiren.
Tritt die Frau aber öffentlich auf, um ihnen Con- currenz zu machen, oder gar sie zu belehren, so wird sie zur Unnatur, zum Mannweib.
Mit anderen Worten: sobald der Zweck ihres öffent- lichen Auftretens nicht der Mann ist und sein Ver- gnügen, sondern ein idealer oder persönlicher Zweck an seine Stelle tritt, wird die Oeffentlichkeit verworfen.
Ebenso verhält es sich mit der sogenannten Weib- lichkeit.
Weiblich heißt bei der Frau Alles, was den Männern ein Gefühl der Lust hervorruft.
Eine Kunstreiterin mit ihren riesigsten Sprüngen ent- zückt sie – als Weib (obgleich notorisch ihre Muskeln ausgebildeter sein müssen, als die der meisten Männer).
Eine Frau aber, die etwa vor einer politischen Ver- sammlung reden wollte (sie mag die Grazie in Person sein), ist unweiblich, weil sie in ihnen ein Gefühl der Unlust erregt – verletzte Eitelkeit.
Wenige von meinen Lesern mögen wohl die Ver- handlungen im englischen Parlament über das Stimm- recht der Frauen verfolgt haben, und ich glaube, sie werden es mir Dank wissen, wenn ich sie in aller Kürze mit den Hauptgründen, die von den Gegnern des
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><pbfacs="#f0189"n="181"/><p>Jede Frau, die öffentlich auftritt, bezaubert die<lb/>
Männer, so lange sie es versteht, dieselben zu amüsiren.</p><lb/><p>Tritt die Frau aber öffentlich auf, um ihnen Con-<lb/>
currenz zu machen, oder gar sie zu belehren, so wird sie<lb/>
zur Unnatur, zum Mannweib.</p><lb/><p>Mit anderen Worten: sobald der Zweck ihres öffent-<lb/>
lichen Auftretens nicht der Mann ist und sein Ver-<lb/>
gnügen, sondern ein idealer oder persönlicher Zweck an<lb/>
seine Stelle tritt, wird die Oeffentlichkeit verworfen.</p><lb/><p>Ebenso verhält es sich mit der sogenannten Weib-<lb/>
lichkeit.</p><lb/><p>Weiblich heißt bei der Frau Alles, was den Männern<lb/>
ein Gefühl der Lust hervorruft.</p><lb/><p>Eine Kunstreiterin mit ihren riesigsten Sprüngen ent-<lb/>
zückt sie – als Weib (obgleich notorisch ihre Muskeln<lb/>
ausgebildeter sein müssen, als die der meisten Männer).</p><lb/><p>Eine Frau aber, die etwa vor einer politischen Ver-<lb/>
sammlung reden wollte (sie mag die Grazie in Person<lb/>
sein), ist unweiblich, weil sie in ihnen ein Gefühl der<lb/>
Unlust erregt – verletzte Eitelkeit.</p><lb/><p>Wenige von meinen Lesern mögen wohl die Ver-<lb/>
handlungen im englischen Parlament über das Stimm-<lb/>
recht der Frauen verfolgt haben, und ich glaube, sie<lb/>
werden es mir Dank wissen, wenn ich sie in aller<lb/>
Kürze mit den Hauptgründen, die von den Gegnern des<lb/></p></div></div></body></text></TEI>
[181/0189]
Jede Frau, die öffentlich auftritt, bezaubert die
Männer, so lange sie es versteht, dieselben zu amüsiren.
Tritt die Frau aber öffentlich auf, um ihnen Con-
currenz zu machen, oder gar sie zu belehren, so wird sie
zur Unnatur, zum Mannweib.
Mit anderen Worten: sobald der Zweck ihres öffent-
lichen Auftretens nicht der Mann ist und sein Ver-
gnügen, sondern ein idealer oder persönlicher Zweck an
seine Stelle tritt, wird die Oeffentlichkeit verworfen.
Ebenso verhält es sich mit der sogenannten Weib-
lichkeit.
Weiblich heißt bei der Frau Alles, was den Männern
ein Gefühl der Lust hervorruft.
Eine Kunstreiterin mit ihren riesigsten Sprüngen ent-
zückt sie – als Weib (obgleich notorisch ihre Muskeln
ausgebildeter sein müssen, als die der meisten Männer).
Eine Frau aber, die etwa vor einer politischen Ver-
sammlung reden wollte (sie mag die Grazie in Person
sein), ist unweiblich, weil sie in ihnen ein Gefühl der
Unlust erregt – verletzte Eitelkeit.
Wenige von meinen Lesern mögen wohl die Ver-
handlungen im englischen Parlament über das Stimm-
recht der Frauen verfolgt haben, und ich glaube, sie
werden es mir Dank wissen, wenn ich sie in aller
Kürze mit den Hauptgründen, die von den Gegnern des
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert.
Weitere Informationen …
Texte der ersten Frauenbewegung, betreut von Anna Pfundt und Thomas Gloning, JLU Gießen: Bereitstellung der Texttranskription.
(2017-07-10T17:06:15Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Anna Pfundt: Bearbeitung der digitalen Edition.
(2017-07-10T17:06:15Z)
Weitere Informationen:
Verfahren der Texterfassung: OCR mit Nachkorrektur.
Bogensignaturen: keine Angabe;
Druckfehler: keine Angabe;
fremdsprachliches Material: keine Angabe;
Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe;
Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage;
i/j in Fraktur: keine Angabe;
I/J in Fraktur: wie Vorlage;
Kolumnentitel: keine Angabe;
Kustoden: keine Angabe;
langes s (ſ): als s transkribiert;
Normalisierungen: keine Angabe;
rundes r (ꝛ): keine Angabe;
Seitenumbrüche markiert: ja;
Silbentrennung: wie Vorlage;
u/v bzw. U/V: keine Angabe;
Vokale mit übergest. e: keine Angabe;
Vollständigkeit: vollständig erfasst;
Zeichensetzung: wie Vorlage;
Zeilenumbrüche markiert: ja;
Dohm, Hedwig: Der Jesuitismus im Hausstande. Berlin, 1873, S. 181. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dohm_jesuitismus_1873/189>, abgerufen am 10.08.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.