Manche Frau von unantastbarem Charakter und gründlicher Bildung wird vielleicht, indem sie diese Zeilen liest, unwillig ausrufen:
- Wie, bin ich denn nicht eine gute Hausfrau?
- Gewiß, verehrte Frau. Aber sind Sie auch ganz sicher, daß sie in der Welt als solche gelten? Haben Sie eine Bescheinigung darüber?
Jede Frau, die nur um einige kleine Zoll das Durchschnittsniveau der üblichen weiblichen Geistes- und Charakterbildung überragt, setzt sich von vorn herein dem Verdacht aus, eine schlechte Hausfrau zu sein.
Der Gegenbeweis ist in solchen Fällen schwer zu führen, denn die Richter bestehen nicht aus Geschworenen, sondern aus Verschworenen.
Nicht Jeder wird von guten Freunden oder schlimmen Feinden in Kenntniß gesetzt von dem Ruf, dessen er genießt.
Daß unter der großen Zahl Derer, die für gute Haus- frauen gelten, auch solche vorkommen, die es wirklich sind, ist selbstverständlich.
Von der Regel aber handelt meine Schrift, nicht von den Ausnahmen.
Ehe ich mich zu meinem eigentlichen Thema wende, möchte ich eine Eigenthümlichkeit der "guten Hausfrau", die als "besonderes Kennzeichen" in ihrem Passe figuriren könnte, zur Besprechung vorweg nehmen.
Manche Frau von unantastbarem Charakter und gründlicher Bildung wird vielleicht, indem sie diese Zeilen liest, unwillig ausrufen:
– Wie, bin ich denn nicht eine gute Hausfrau?
– Gewiß, verehrte Frau. Aber sind Sie auch ganz sicher, daß sie in der Welt als solche gelten? Haben Sie eine Bescheinigung darüber?
Jede Frau, die nur um einige kleine Zoll das Durchschnittsniveau der üblichen weiblichen Geistes- und Charakterbildung überragt, setzt sich von vorn herein dem Verdacht aus, eine schlechte Hausfrau zu sein.
Der Gegenbeweis ist in solchen Fällen schwer zu führen, denn die Richter bestehen nicht aus Geschworenen, sondern aus Verschworenen.
Nicht Jeder wird von guten Freunden oder schlimmen Feinden in Kenntniß gesetzt von dem Ruf, dessen er genießt.
Daß unter der großen Zahl Derer, die für gute Haus- frauen gelten, auch solche vorkommen, die es wirklich sind, ist selbstverständlich.
Von der Regel aber handelt meine Schrift, nicht von den Ausnahmen.
Ehe ich mich zu meinem eigentlichen Thema wende, möchte ich eine Eigenthümlichkeit der „guten Hausfrau‟, die als „besonderes Kennzeichen‟ in ihrem Passe figuriren könnte, zur Besprechung vorweg nehmen.
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[15/0023]
Manche Frau von unantastbarem Charakter und
gründlicher Bildung wird vielleicht, indem sie diese Zeilen
liest, unwillig ausrufen:
– Wie, bin ich denn nicht eine gute Hausfrau?
– Gewiß, verehrte Frau. Aber sind Sie auch ganz
sicher, daß sie in der Welt als solche gelten? Haben
Sie eine Bescheinigung darüber?
Jede Frau, die nur um einige kleine Zoll das
Durchschnittsniveau der üblichen weiblichen Geistes- und
Charakterbildung überragt, setzt sich von vorn herein dem
Verdacht aus, eine schlechte Hausfrau zu sein.
Der Gegenbeweis ist in solchen Fällen schwer zu
führen, denn die Richter bestehen nicht aus Geschworenen,
sondern aus Verschworenen.
Nicht Jeder wird von guten Freunden oder schlimmen
Feinden in Kenntniß gesetzt von dem Ruf, dessen er genießt.
Daß unter der großen Zahl Derer, die für gute Haus-
frauen gelten, auch solche vorkommen, die es wirklich sind,
ist selbstverständlich.
Von der Regel aber handelt meine Schrift, nicht von
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Dohm, Hedwig: Der Jesuitismus im Hausstande. Berlin, 1873, S. 15. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dohm_jesuitismus_1873/23>, abgerufen am 10.08.2024.
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