Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Dohm, Christian Conrad Wilhelm von: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden. T. 2. Berlin u. a., 1783.

Bild:
<< vorherige Seite

und Künste zu legen, allein wenn sie Christen dazu
nehmen, so hat es den Nutzen, daß der Subordina-
tionsgeist der Ersten gegen die Letztern aufhören,
beyde zu einer gewissen Gleichheit folglich zu weniger
Verachtung gegen einander gebracht würden. Es
würde nicht fehlen, daß Eltern und Verwandte ihre
bey den Juden dienende Angehörigen besuchen soll-
ten; es würde sich eines an des andern Sitten ge-
wöhnen, einer vor des andern Gebräuchen weniger
Abscheu bekommen, und am Ende sich unvermerkt
eine wechselsweise Vertraulichkeit einschleichen, die,
wenn sie sogar in Laster ausschlagen sollte, nützlich
werden könnte, denn auch diese muß der weise Ge-
setzgeber zu nutzen wissen.

v. W.

6.

-- Ueberhaupt wünsche ich von ganzer Seele, daß
Ihre menschenliebende Absichten erfüllt, ja noch
weit mehr zum Besten der Juden geschehen könnte,
doch unter höchstnothwendigen und höchstbilligen Be-
dingungen, die sich die Juden gefallen lassen müsten,
weil derjenige, der auf Toleranz Anspruch machen will,
selbst tolerant seyn muß oder der Toleranz unwürdig

bleibt;

und Kuͤnſte zu legen, allein wenn ſie Chriſten dazu
nehmen, ſo hat es den Nutzen, daß der Subordina-
tionsgeiſt der Erſten gegen die Letztern aufhoͤren,
beyde zu einer gewiſſen Gleichheit folglich zu weniger
Verachtung gegen einander gebracht wuͤrden. Es
wuͤrde nicht fehlen, daß Eltern und Verwandte ihre
bey den Juden dienende Angehoͤrigen beſuchen ſoll-
ten; es wuͤrde ſich eines an des andern Sitten ge-
woͤhnen, einer vor des andern Gebraͤuchen weniger
Abſcheu bekommen, und am Ende ſich unvermerkt
eine wechſelsweiſe Vertraulichkeit einſchleichen, die,
wenn ſie ſogar in Laſter ausſchlagen ſollte, nuͤtzlich
werden koͤnnte, denn auch dieſe muß der weiſe Ge-
ſetzgeber zu nutzen wiſſen.

v. W.

6.

Ueberhaupt wuͤnſche ich von ganzer Seele, daß
Ihre menſchenliebende Abſichten erfuͤllt, ja noch
weit mehr zum Beſten der Juden geſchehen koͤnnte,
doch unter hoͤchſtnothwendigen und hoͤchſtbilligen Be-
dingungen, die ſich die Juden gefallen laſſen muͤſten,
weil derjenige, der auf Toleranz Anſpruch machen will,
ſelbſt tolerant ſeyn muß oder der Toleranz unwuͤrdig

bleibt;
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0133" n="125"/>
und Ku&#x0364;n&#x017F;te zu legen, allein wenn &#x017F;ie Chri&#x017F;ten dazu<lb/>
nehmen, &#x017F;o hat es den Nutzen, daß der Subordina-<lb/>
tionsgei&#x017F;t der Er&#x017F;ten gegen die Letztern aufho&#x0364;ren,<lb/>
beyde zu einer gewi&#x017F;&#x017F;en Gleichheit folglich zu weniger<lb/>
Verachtung gegen einander gebracht wu&#x0364;rden. Es<lb/>
wu&#x0364;rde nicht fehlen, daß Eltern und Verwandte ihre<lb/>
bey den Juden dienende Angeho&#x0364;rigen be&#x017F;uchen &#x017F;oll-<lb/>
ten; es wu&#x0364;rde &#x017F;ich eines an des andern Sitten ge-<lb/>
wo&#x0364;hnen, einer vor des andern Gebra&#x0364;uchen weniger<lb/>
Ab&#x017F;cheu bekommen, und am Ende &#x017F;ich unvermerkt<lb/>
eine wech&#x017F;elswei&#x017F;e Vertraulichkeit ein&#x017F;chleichen, die,<lb/>
wenn &#x017F;ie &#x017F;ogar in La&#x017F;ter aus&#x017F;chlagen &#x017F;ollte, nu&#x0364;tzlich<lb/>
werden ko&#x0364;nnte, denn auch die&#x017F;e muß der wei&#x017F;e Ge-<lb/>
&#x017F;etzgeber zu nutzen wi&#x017F;&#x017F;en.</p><lb/>
          <dateline> <hi rendition="#et">H. den 10. Ma&#x0364;rz 1782.</hi> </dateline>
          <closer>
            <salute> <hi rendition="#fr">v. W.</hi> </salute>
          </closer>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head>6.</head><lb/>
          <p>&#x2014; <hi rendition="#in">U</hi>eberhaupt wu&#x0364;n&#x017F;che ich von ganzer Seele, daß<lb/>
Ihre men&#x017F;chenliebende Ab&#x017F;ichten erfu&#x0364;llt, ja noch<lb/>
weit mehr zum Be&#x017F;ten der Juden ge&#x017F;chehen ko&#x0364;nnte,<lb/>
doch unter ho&#x0364;ch&#x017F;tnothwendigen und ho&#x0364;ch&#x017F;tbilligen Be-<lb/>
dingungen, die &#x017F;ich die Juden gefallen la&#x017F;&#x017F;en mu&#x0364;&#x017F;ten,<lb/>
weil derjenige, der auf Toleranz An&#x017F;pruch machen will,<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t tolerant &#x017F;eyn muß oder der Toleranz unwu&#x0364;rdig<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">bleibt;</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[125/0133] und Kuͤnſte zu legen, allein wenn ſie Chriſten dazu nehmen, ſo hat es den Nutzen, daß der Subordina- tionsgeiſt der Erſten gegen die Letztern aufhoͤren, beyde zu einer gewiſſen Gleichheit folglich zu weniger Verachtung gegen einander gebracht wuͤrden. Es wuͤrde nicht fehlen, daß Eltern und Verwandte ihre bey den Juden dienende Angehoͤrigen beſuchen ſoll- ten; es wuͤrde ſich eines an des andern Sitten ge- woͤhnen, einer vor des andern Gebraͤuchen weniger Abſcheu bekommen, und am Ende ſich unvermerkt eine wechſelsweiſe Vertraulichkeit einſchleichen, die, wenn ſie ſogar in Laſter ausſchlagen ſollte, nuͤtzlich werden koͤnnte, denn auch dieſe muß der weiſe Ge- ſetzgeber zu nutzen wiſſen. H. den 10. Maͤrz 1782.v. W. 6. — Ueberhaupt wuͤnſche ich von ganzer Seele, daß Ihre menſchenliebende Abſichten erfuͤllt, ja noch weit mehr zum Beſten der Juden geſchehen koͤnnte, doch unter hoͤchſtnothwendigen und hoͤchſtbilligen Be- dingungen, die ſich die Juden gefallen laſſen muͤſten, weil derjenige, der auf Toleranz Anſpruch machen will, ſelbſt tolerant ſeyn muß oder der Toleranz unwuͤrdig bleibt;

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/dohm_juden02_1783
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/dohm_juden02_1783/133
Zitationshilfe: Dohm, Christian Conrad Wilhelm von: Über die bürgerliche Verbesserung der Juden. T. 2. Berlin u. a., 1783, S. 125. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/dohm_juden02_1783/133>, abgerufen am 14.05.2021.