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Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890.

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Ozeane. -- Glacial- und Steppenformationen.
hörige am Boden oder auf Kieseln oder auf anderen
Wasserpflanzen festgewurzelt sein muss. Die Algen sind
ursprünglich auch sämtlich zum Festsitzen organisiert,
können aber, wie Wassergewächse überhaupt, das Los-
reissen gut vertragen und sind im abgerissenen Zustande
verbreitungsfähig. Der Transport abgerissener Stücke
durch Wasservögel hat unzweifelhaft den Arealen der
derartig organisierten Wassergewächse die grösstmögliche
Weite verliehen.

Die Schaustellung der Blüten erfolgt auch bei den
Wassergewächsen über der Wasseroberfläche, die Frucht-
reife meistens in das Wasser zurückgetaucht; die meisten
Samen ertragen längere Trocknis nicht und sind zur
Keimung am Grunde des Gewässers bestimmt.

Die ozeanischen Formationen.

Im Gegensatz zu den Formationen des Süsswassers,
welche sich innig an die Landformationen anschliessen,
und in denen die Blütenpflanzen doch trotz der Masse
kleiner Algen den Ton angeben und wenigstens die ein-
zigen grossen Gewächse sind, herrschen in den Meeren
die Algen, als Formation "Seetange" genannt, aus fast
ganz von der Landflora geschiedenen Gattungen und Fa-
milien bestehend. Wenige Blütenpflanzen, "die Seegräser",
schliessen sich den Tangen an, bilden eigene oder tang-
gemischte unterseeische Wiesen und Bänke, meiden die
Binnengewässer und nehmen an der weiten Verbreitung
der Seetange teil. Genaueres über diese Formation wird
im nächsten Abschnitt (Kapitel 4) unter der Betrachtung
des "Ozeanischen Florenreichs" folgen.

Die glacialen und Steppenformationen.

Die bisher in langer Kette betrachteten Formatio-
nen hatten das Gemeinsame, dass stets in ihnen eine
bestimmte Wachstumsform vorherrschte und den Grund-
ton auch für die Bedingungen der Nebenelemente des
Bestandes dadurch angab; so fanden wir es bei den Be-
deckungen des festen Landes mit Bäumen, Gebüschen,

Ozeane. — Glacial- und Steppenformationen.
hörige am Boden oder auf Kieseln oder auf anderen
Wasserpflanzen festgewurzelt sein muss. Die Algen sind
ursprünglich auch sämtlich zum Festsitzen organisiert,
können aber, wie Wassergewächse überhaupt, das Los-
reissen gut vertragen und sind im abgerissenen Zustande
verbreitungsfähig. Der Transport abgerissener Stücke
durch Wasservögel hat unzweifelhaft den Arealen der
derartig organisierten Wassergewächse die grösstmögliche
Weite verliehen.

Die Schaustellung der Blüten erfolgt auch bei den
Wassergewächsen über der Wasseroberfläche, die Frucht-
reife meistens in das Wasser zurückgetaucht; die meisten
Samen ertragen längere Trocknis nicht und sind zur
Keimung am Grunde des Gewässers bestimmt.

Die ozeanischen Formationen.

Im Gegensatz zu den Formationen des Süsswassers,
welche sich innig an die Landformationen anschliessen,
und in denen die Blütenpflanzen doch trotz der Masse
kleiner Algen den Ton angeben und wenigstens die ein-
zigen grossen Gewächse sind, herrschen in den Meeren
die Algen, als Formation „Seetange“ genannt, aus fast
ganz von der Landflora geschiedenen Gattungen und Fa-
milien bestehend. Wenige Blütenpflanzen, „die Seegräser“,
schliessen sich den Tangen an, bilden eigene oder tang-
gemischte unterseeische Wiesen und Bänke, meiden die
Binnengewässer und nehmen an der weiten Verbreitung
der Seetange teil. Genaueres über diese Formation wird
im nächsten Abschnitt (Kapitel 4) unter der Betrachtung
des „Ozeanischen Florenreichs“ folgen.

Die glacialen und Steppenformationen.

Die bisher in langer Kette betrachteten Formatio-
nen hatten das Gemeinsame, dass stets in ihnen eine
bestimmte Wachstumsform vorherrschte und den Grund-
ton auch für die Bedingungen der Nebenelemente des
Bestandes dadurch angab; so fanden wir es bei den Be-
deckungen des festen Landes mit Bäumen, Gebüschen,

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[318/0348] Ozeane. — Glacial- und Steppenformationen. hörige am Boden oder auf Kieseln oder auf anderen Wasserpflanzen festgewurzelt sein muss. Die Algen sind ursprünglich auch sämtlich zum Festsitzen organisiert, können aber, wie Wassergewächse überhaupt, das Los- reissen gut vertragen und sind im abgerissenen Zustande verbreitungsfähig. Der Transport abgerissener Stücke durch Wasservögel hat unzweifelhaft den Arealen der derartig organisierten Wassergewächse die grösstmögliche Weite verliehen. Die Schaustellung der Blüten erfolgt auch bei den Wassergewächsen über der Wasseroberfläche, die Frucht- reife meistens in das Wasser zurückgetaucht; die meisten Samen ertragen längere Trocknis nicht und sind zur Keimung am Grunde des Gewässers bestimmt. Die ozeanischen Formationen. Im Gegensatz zu den Formationen des Süsswassers, welche sich innig an die Landformationen anschliessen, und in denen die Blütenpflanzen doch trotz der Masse kleiner Algen den Ton angeben und wenigstens die ein- zigen grossen Gewächse sind, herrschen in den Meeren die Algen, als Formation „Seetange“ genannt, aus fast ganz von der Landflora geschiedenen Gattungen und Fa- milien bestehend. Wenige Blütenpflanzen, „die Seegräser“, schliessen sich den Tangen an, bilden eigene oder tang- gemischte unterseeische Wiesen und Bänke, meiden die Binnengewässer und nehmen an der weiten Verbreitung der Seetange teil. Genaueres über diese Formation wird im nächsten Abschnitt (Kapitel 4) unter der Betrachtung des „Ozeanischen Florenreichs“ folgen. Die glacialen und Steppenformationen. Die bisher in langer Kette betrachteten Formatio- nen hatten das Gemeinsame, dass stets in ihnen eine bestimmte Wachstumsform vorherrschte und den Grund- ton auch für die Bedingungen der Nebenelemente des Bestandes dadurch angab; so fanden wir es bei den Be- deckungen des festen Landes mit Bäumen, Gebüschen,

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Zitationshilfe: Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890, S. 318. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/drude_pflanzengeographie_1890/348>, abgerufen am 11.04.2021.