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Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890.

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Kulturpflanzen. Altweltliche Cerealien.
kleinkörnige Varietät von Triticum vulgare gefunden hat. -- Von
der Gerste ist nur die zweizeilige (Hordeum distichum) wild ge-
funden, und zwar am Kaspischen Meer, in der Wüste von Schir-
wan, am Sinai, im steinigen Arabien, westlichen Kleinasien und
in Turkestan, soweit man die Ursprünglichkeit der Standorte an-
nehmen darf. In den Pfahlbauten finden sich aber neben den
Resten der zweizeiligen Gerste auch schon die der sechszeiligen,
welche nach ihren Funden in den Pyramiden und nach der alten
Litteratur überhaupt die hauptsächlich im Altertum kultivierte
Art gewesen zu sein scheint, wie sie gemäß Roxburgh noch im
vorigen Jahrhundert allein in Indien gebaut wurde.

Die Kultur des Roggens (Secale Cereale) ist viel jünger und
scheint erst mit der christlichen Zeitrechnung von Bedeutung für
das Leben der Völker geworden zu sein. Niemals ist er wild ge-
funden, wohl aber wachsen nahe verwandte Arten (Secale mon-
tanum, fragile) auf der Balkanhalbinsel, in Südrussland, in Cala-
brien und Sizilien, S. dalmaticum in Dalmatien und der Hercego-
wina. Daher die Meinung, dass der Roggen als einjährige Cerealie
ein Kulturprodukt der wilden Arten im südöstlichen Europa ge-
worden sei. -- Eine ähnliche Meinung hat man vom Hafer (Avena
sativa), von dem die Kulturform auch niemals im wirklich wilden
Zustande gefunden ist, als Ersatz für Thatsachen.

5. Inner-Asien.

Auswahl der Litteratur. a) Allgemeine Abhandlungen:
Helmersen, Beitrag z. Kenntnis d. geol. u. physikogeogr. Verh. d.
aralo-kaspischen Niederung im Bull. Acad. Imp. de St. Petersbg.,
XXV, 5. Borszczow, Materialien z. aralo-kaspischen Pflanzengeogr.
Petersbg. 1865. Schlagintweit-Sakünlünski, Topograph. Skizze d.
Vegetationsgebiete Hochasiens, Globus Bd. 31 (1877); Reisen in
Indien und Hochasien, ausgef. i. d. J. 1854--58. Regel, E., All-
gemeine Bemerkungen über die Flora Centralasiens, in Acta Horti
Imp. Petropol. VII, 138 mit Karte; (siehe auch Geogr. Mittlgn.
1882, S. 65). Krassnoff, Entwickel. d. Pflanzenwelt im Thian-schan,
Jahresb. d. Schles. Ges. f. vaterl. Kultur, 8. Dez. 1887, und Verh.
d. Ges. f. Erdk. Berlin 1888, S. 255. Kanitz, Bot. Resultate d.
Centralasiat. Expedition d. Grafen Bela Szechenyi, Mathem.-naturw.
Ber. aus Ungarn III, Budapest 1886. Maximowicz, Sur les col-
lections bot. de la Mongolie et du Tibet septentrional (Tangout)
recueillies recemment par des voyageurs russes etc., im Bulletin
du Congres intern. de bot. et d'horticulture, St. Petersbg. 1884,
S. 135.

b) Expeditionsberichte, Floren: Ueber Schlagintweits Reisen
in Gartenflora 1881: Verh. d. Ges. f. Erdkunde, Berlin 1880, VII,
208. Ganzenmüller, Kaschmirs Klima, Pflanzen- und Tierwelt, in
Mittlgn. d. K. geogr. Ges., Wien XXX, 579 (mit weiteren Litteratur-

Kulturpflanzen. Altweltliche Cerealien.
kleinkörnige Varietät von Triticum vulgare gefunden hat. — Von
der Gerste ist nur die zweizeilige (Hordeum distichum) wild ge-
funden, und zwar am Kaspischen Meer, in der Wüste von Schir-
wan, am Sinai, im steinigen Arabien, westlichen Kleinasien und
in Turkestan, soweit man die Ursprünglichkeit der Standorte an-
nehmen darf. In den Pfahlbauten finden sich aber neben den
Resten der zweizeiligen Gerste auch schon die der sechszeiligen,
welche nach ihren Funden in den Pyramiden und nach der alten
Litteratur überhaupt die hauptsächlich im Altertum kultivierte
Art gewesen zu sein scheint, wie sie gemäß Roxburgh noch im
vorigen Jahrhundert allein in Indien gebaut wurde.

Die Kultur des Roggens (Secale Cereale) ist viel jünger und
scheint erst mit der christlichen Zeitrechnung von Bedeutung für
das Leben der Völker geworden zu sein. Niemals ist er wild ge-
funden, wohl aber wachsen nahe verwandte Arten (Secale mon-
tanum, fragile) auf der Balkanhalbinsel, in Südrussland, in Cala-
brien und Sizilien, S. dalmaticum in Dalmatien und der Hercego-
wina. Daher die Meinung, dass der Roggen als einjährige Cerealie
ein Kulturprodukt der wilden Arten im südöstlichen Europa ge-
worden sei. — Eine ähnliche Meinung hat man vom Hafer (Avena
sativa), von dem die Kulturform auch niemals im wirklich wilden
Zustande gefunden ist, als Ersatz für Thatsachen.

5. Inner-Asien.

Auswahl der Litteratur. a) Allgemeine Abhandlungen:
Helmersen, Beitrag z. Kenntnis d. geol. u. physikogeogr. Verh. d.
aralo-kaspischen Niederung im Bull. Acad. Imp. de St. Pétersbg.,
XXV, 5. Borszczow, Materialien z. aralo-kaspischen Pflanzengeogr.
Petersbg. 1865. Schlagintweit-Sakünlünski, Topograph. Skizze d.
Vegetationsgebiete Hochasiens, Globus Bd. 31 (1877); Reisen in
Indien und Hochasien, ausgef. i. d. J. 1854—58. Regel, E., All-
gemeine Bemerkungen über die Flora Centralasiens, in Acta Horti
Imp. Petropol. VII, 138 mit Karte; (siehe auch Geogr. Mittlgn.
1882, S. 65). Krassnoff, Entwickel. d. Pflanzenwelt im Thian-schan,
Jahresb. d. Schles. Ges. f. vaterl. Kultur, 8. Dez. 1887, und Verh.
d. Ges. f. Erdk. Berlin 1888, S. 255. Kanitz, Bot. Resultate d.
Centralasiat. Expedition d. Grafen Bela Szechenyi, Mathem.-naturw.
Ber. aus Ungarn III, Budapest 1886. Maximowicz, Sur les col-
lections bot. de la Mongolie et du Tibet septentrional (Tangout)
recueillies récemment par des voyageurs russes etc., im Bulletin
du Congrès intern. de bot. et d’horticulture, St. Pétersbg. 1884,
S. 135.

b) Expeditionsberichte, Floren: Ueber Schlagintweits Reisen
in Gartenflora 1881: Verh. d. Ges. f. Erdkunde, Berlin 1880, VII,
208. Ganzenmüller, Kaschmirs Klima, Pflanzen- und Tierwelt, in
Mittlgn. d. K. geogr. Ges., Wien XXX, 579 (mit weiteren Litteratur-

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[405/0437] Kulturpflanzen. Altweltliche Cerealien. kleinkörnige Varietät von Triticum vulgare gefunden hat. — Von der Gerste ist nur die zweizeilige (Hordeum distichum) wild ge- funden, und zwar am Kaspischen Meer, in der Wüste von Schir- wan, am Sinai, im steinigen Arabien, westlichen Kleinasien und in Turkestan, soweit man die Ursprünglichkeit der Standorte an- nehmen darf. In den Pfahlbauten finden sich aber neben den Resten der zweizeiligen Gerste auch schon die der sechszeiligen, welche nach ihren Funden in den Pyramiden und nach der alten Litteratur überhaupt die hauptsächlich im Altertum kultivierte Art gewesen zu sein scheint, wie sie gemäß Roxburgh noch im vorigen Jahrhundert allein in Indien gebaut wurde. Die Kultur des Roggens (Secale Cereale) ist viel jünger und scheint erst mit der christlichen Zeitrechnung von Bedeutung für das Leben der Völker geworden zu sein. Niemals ist er wild ge- funden, wohl aber wachsen nahe verwandte Arten (Secale mon- tanum, fragile) auf der Balkanhalbinsel, in Südrussland, in Cala- brien und Sizilien, S. dalmaticum in Dalmatien und der Hercego- wina. Daher die Meinung, dass der Roggen als einjährige Cerealie ein Kulturprodukt der wilden Arten im südöstlichen Europa ge- worden sei. — Eine ähnliche Meinung hat man vom Hafer (Avena sativa), von dem die Kulturform auch niemals im wirklich wilden Zustande gefunden ist, als Ersatz für Thatsachen. 5. Inner-Asien. Auswahl der Litteratur. a) Allgemeine Abhandlungen: Helmersen, Beitrag z. Kenntnis d. geol. u. physikogeogr. Verh. d. aralo-kaspischen Niederung im Bull. Acad. Imp. de St. Pétersbg., XXV, 5. Borszczow, Materialien z. aralo-kaspischen Pflanzengeogr. Petersbg. 1865. Schlagintweit-Sakünlünski, Topograph. Skizze d. Vegetationsgebiete Hochasiens, Globus Bd. 31 (1877); Reisen in Indien und Hochasien, ausgef. i. d. J. 1854—58. Regel, E., All- gemeine Bemerkungen über die Flora Centralasiens, in Acta Horti Imp. Petropol. VII, 138 mit Karte; (siehe auch Geogr. Mittlgn. 1882, S. 65). Krassnoff, Entwickel. d. Pflanzenwelt im Thian-schan, Jahresb. d. Schles. Ges. f. vaterl. Kultur, 8. Dez. 1887, und Verh. d. Ges. f. Erdk. Berlin 1888, S. 255. Kanitz, Bot. Resultate d. Centralasiat. Expedition d. Grafen Bela Szechenyi, Mathem.-naturw. Ber. aus Ungarn III, Budapest 1886. Maximowicz, Sur les col- lections bot. de la Mongolie et du Tibet septentrional (Tangout) recueillies récemment par des voyageurs russes etc., im Bulletin du Congrès intern. de bot. et d’horticulture, St. Pétersbg. 1884, S. 135. b) Expeditionsberichte, Floren: Ueber Schlagintweits Reisen in Gartenflora 1881: Verh. d. Ges. f. Erdkunde, Berlin 1880, VII, 208. Ganzenmüller, Kaschmirs Klima, Pflanzen- und Tierwelt, in Mittlgn. d. K. geogr. Ges., Wien XXX, 579 (mit weiteren Litteratur-

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Zitationshilfe: Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890, S. 405. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/drude_pflanzengeographie_1890/437>, abgerufen am 16.04.2021.