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Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 2. Hildesheim, 1747.

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Die künstliche Spinne
Die künstliche Spinne
mit ihren künstlichen Geweben.
[Abbildung]
Recht wunderbar ist es im Reiche der Na-
tur,

Daß die verächtliche, verworfne Krea-
tur,

Die man mit Ekkel sieht, die größten
Wunder heget,

Zum Zeugnis weiser Macht an allen Gliedern trä-
get

Die Thiere, die man sonst, das Ungeziefer nennt,
Weil man derselben Werth und Schönheit nicht
erkennt,

Sehn wir als Greuel an, die Ekkel uns gebähren,
Wenn wir von Ohngefehr, darauf die Augen keh-
ren

Und diese sind dennoch der Allmacht Meisterstük
Und fordern billig auch, daß wir mit unsern Blik
Und Andacht sie besehn; weil wir des Höchsten
Wissen,

Nebst seiner weisen Macht, in allen forschen müssen.
Die scheuche Zärtlichkeit, verdekket das Gesicht,
Wenn eine Spinne läuft, und achtet solche nicht,
Da doch dies Rennethier, recht wunderbar formi-
ret,

Und nach des Schöpfers Zwek recht weislich ausge-
zieret.

Woll-
Die kuͤnſtliche Spinne
Die kuͤnſtliche Spinne
mit ihren kuͤnſtlichen Geweben.
[Abbildung]
Recht wunderbar iſt es im Reiche der Na-
tur,

Daß die veraͤchtliche, verworfne Krea-
tur,

Die man mit Ekkel ſieht, die groͤßten
Wunder heget,

Zum Zeugnis weiſer Macht an allen Gliedern traͤ-
get

Die Thiere, die man ſonſt, das Ungeziefer nennt,
Weil man derſelben Werth und Schoͤnheit nicht
erkennt,

Sehn wir als Greuel an, die Ekkel uns gebaͤhren,
Wenn wir von Ohngefehr, darauf die Augen keh-
ren

Und dieſe ſind dennoch der Allmacht Meiſterſtuͤk
Und fordern billig auch, daß wir mit unſern Blik
Und Andacht ſie beſehn; weil wir des Hoͤchſten
Wiſſen,

Nebſt ſeiner weiſen Macht, in allen forſchen muͤſſen.
Die ſcheuche Zaͤrtlichkeit, verdekket das Geſicht,
Wenn eine Spinne laͤuft, und achtet ſolche nicht,
Da doch dies Rennethier, recht wunderbar formi-
ret,

Und nach des Schoͤpfers Zwek recht weislich ausge-
zieret.

Woll-
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[136/0148] Die kuͤnſtliche Spinne Die kuͤnſtliche Spinne mit ihren kuͤnſtlichen Geweben. [Abbildung] Recht wunderbar iſt es im Reiche der Na- tur, Daß die veraͤchtliche, verworfne Krea- tur, Die man mit Ekkel ſieht, die groͤßten Wunder heget, Zum Zeugnis weiſer Macht an allen Gliedern traͤ- get Die Thiere, die man ſonſt, das Ungeziefer nennt, Weil man derſelben Werth und Schoͤnheit nicht erkennt, Sehn wir als Greuel an, die Ekkel uns gebaͤhren, Wenn wir von Ohngefehr, darauf die Augen keh- ren Und dieſe ſind dennoch der Allmacht Meiſterſtuͤk Und fordern billig auch, daß wir mit unſern Blik Und Andacht ſie beſehn; weil wir des Hoͤchſten Wiſſen, Nebſt ſeiner weiſen Macht, in allen forſchen muͤſſen. Die ſcheuche Zaͤrtlichkeit, verdekket das Geſicht, Wenn eine Spinne laͤuft, und achtet ſolche nicht, Da doch dies Rennethier, recht wunderbar formi- ret, Und nach des Schoͤpfers Zwek recht weislich ausge- zieret. Woll-

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Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 2. Hildesheim, 1747, S. 136. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen02_1747/148>, abgerufen am 16.05.2021.