Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 2. Hildesheim, 1747.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Mißbrauch der Güte GOttes.
Mit einem sammtnen Tuch von Graß gewirkt, be-
spannt

Und mit der Blumen Gold recht herrlich ausge-
schmükket,

Mit Silberfarbnen Glanz recht kostbar ausgestik-
ket,

Und andren Farben mehr die die Natur gemahlt,
Woraus des Höchsten Güt uns stets ins Auge
strahlt.

Der Schauplaz steht uns frei, daß wir die Lust
geniessen,

Die Düfte schenkt er uns, die ins Gehirne fliessen,
Und den Geruch erfreun, der ihre Lieblichkeit,
Begierig in sich zieht zur holden Frühlings-Zeit.
Des Schöpfers Meinung ist, daß wir an seinen
Gaben,

Die jedem unverwehrt, so Aug als Herze laben:
Und darum hat er auch in Wald und freien Feld,
So vielen Blumen-Schmuk zum Zierrath aufge-
stellt.

Die Menschen haben auch die Augen dran ergöz-
zet,

Und aus der fremden Welt sie hie und da versezzet,
Und Gärten angelegt, durch ihrer Lust Bemühn,
Der schönsten Blumen Art vor sich selbst aufzu-
ziehn.

Da wählen sie die aus, die sie als Königinnen,
Von einer jeden Art vor andern lieb gewinnen.
Sie schaffen Saamen an, und Zwiebeln draus der
Fleis

So mancherlei erzielt, die roth, gelb, grün und
weis;

Und die vor andern schön nach ihrer Meinung
glänzen;

Die
Der Mißbrauch der Guͤte GOttes.
Mit einem ſammtnen Tuch von Graß gewirkt, be-
ſpannt

Und mit der Blumen Gold recht herrlich ausge-
ſchmuͤkket,

Mit Silberfarbnen Glanz recht koſtbar ausgeſtik-
ket,

Und andren Farben mehr die die Natur gemahlt,
Woraus des Hoͤchſten Guͤt uns ſtets ins Auge
ſtrahlt.

Der Schauplaz ſteht uns frei, daß wir die Luſt
genieſſen,

Die Duͤfte ſchenkt er uns, die ins Gehirne flieſſen,
Und den Geruch erfreun, der ihre Lieblichkeit,
Begierig in ſich zieht zur holden Fruͤhlings-Zeit.
Des Schoͤpfers Meinung iſt, daß wir an ſeinen
Gaben,

Die jedem unverwehrt, ſo Aug als Herze laben:
Und darum hat er auch in Wald und freien Feld,
So vielen Blumen-Schmuk zum Zierrath aufge-
ſtellt.

Die Menſchen haben auch die Augen dran ergoͤz-
zet,

Und aus der fremden Welt ſie hie und da verſezzet,
Und Gaͤrten angelegt, durch ihrer Luſt Bemuͤhn,
Der ſchoͤnſten Blumen Art vor ſich ſelbſt aufzu-
ziehn.

Da waͤhlen ſie die aus, die ſie als Koͤniginnen,
Von einer jeden Art vor andern lieb gewinnen.
Sie ſchaffen Saamen an, und Zwiebeln draus der
Fleis

So mancherlei erzielt, die roth, gelb, gruͤn und
weis;

Und die vor andern ſchoͤn nach ihrer Meinung
glaͤnzen;

Die
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0306" n="294"/>
          <fw place="top" type="header">Der Mißbrauch der Gu&#x0364;te GOttes.</fw><lb/>
          <l>Mit einem &#x017F;ammtnen Tuch von Graß gewirkt, be-<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;pannt</hi></l><lb/>
          <l>Und mit der Blumen Gold recht herrlich ausge-<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;chmu&#x0364;kket,</hi></l><lb/>
          <l>Mit Silberfarbnen Glanz recht ko&#x017F;tbar ausge&#x017F;tik-<lb/><hi rendition="#et">ket,</hi></l><lb/>
          <l>Und andren Farben mehr die die Natur gemahlt,</l><lb/>
          <l>Woraus des Ho&#x0364;ch&#x017F;ten Gu&#x0364;t uns &#x017F;tets ins Auge<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;trahlt.</hi></l><lb/>
          <l>Der Schauplaz &#x017F;teht uns frei, daß wir die Lu&#x017F;t<lb/><hi rendition="#et">genie&#x017F;&#x017F;en,</hi></l><lb/>
          <l>Die Du&#x0364;fte &#x017F;chenkt er uns, die ins Gehirne flie&#x017F;&#x017F;en,</l><lb/>
          <l>Und den Geruch erfreun, der ihre Lieblichkeit,</l><lb/>
          <l>Begierig in &#x017F;ich zieht zur holden Fru&#x0364;hlings-Zeit.</l><lb/>
          <l>Des Scho&#x0364;pfers Meinung i&#x017F;t, daß wir an &#x017F;einen<lb/><hi rendition="#et">Gaben,</hi></l><lb/>
          <l>Die jedem unverwehrt, &#x017F;o Aug als Herze laben:</l><lb/>
          <l>Und darum hat er auch in Wald und freien Feld,</l><lb/>
          <l>So vielen Blumen-Schmuk zum Zierrath aufge-<lb/><hi rendition="#et">&#x017F;tellt.</hi></l><lb/>
          <l>Die Men&#x017F;chen haben auch die Augen dran ergo&#x0364;z-<lb/><hi rendition="#et">zet,</hi></l><lb/>
          <l>Und aus der fremden Welt &#x017F;ie hie und da ver&#x017F;ezzet,</l><lb/>
          <l>Und Ga&#x0364;rten angelegt, durch ihrer Lu&#x017F;t Bemu&#x0364;hn,</l><lb/>
          <l>Der &#x017F;cho&#x0364;n&#x017F;ten Blumen Art vor &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t aufzu-<lb/><hi rendition="#et">ziehn.</hi></l><lb/>
          <l>Da wa&#x0364;hlen &#x017F;ie die aus, die &#x017F;ie als Ko&#x0364;niginnen,</l><lb/>
          <l>Von einer jeden Art vor andern lieb gewinnen.</l><lb/>
          <l>Sie &#x017F;chaffen Saamen an, und Zwiebeln draus der<lb/><hi rendition="#et">Fleis</hi></l><lb/>
          <l>So mancherlei erzielt, die roth, gelb, gru&#x0364;n und<lb/><hi rendition="#et">weis;</hi></l><lb/>
          <l>Und die vor andern &#x017F;cho&#x0364;n nach ihrer Meinung<lb/><hi rendition="#et">gla&#x0364;nzen;</hi></l><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Die</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[294/0306] Der Mißbrauch der Guͤte GOttes. Mit einem ſammtnen Tuch von Graß gewirkt, be- ſpannt Und mit der Blumen Gold recht herrlich ausge- ſchmuͤkket, Mit Silberfarbnen Glanz recht koſtbar ausgeſtik- ket, Und andren Farben mehr die die Natur gemahlt, Woraus des Hoͤchſten Guͤt uns ſtets ins Auge ſtrahlt. Der Schauplaz ſteht uns frei, daß wir die Luſt genieſſen, Die Duͤfte ſchenkt er uns, die ins Gehirne flieſſen, Und den Geruch erfreun, der ihre Lieblichkeit, Begierig in ſich zieht zur holden Fruͤhlings-Zeit. Des Schoͤpfers Meinung iſt, daß wir an ſeinen Gaben, Die jedem unverwehrt, ſo Aug als Herze laben: Und darum hat er auch in Wald und freien Feld, So vielen Blumen-Schmuk zum Zierrath aufge- ſtellt. Die Menſchen haben auch die Augen dran ergoͤz- zet, Und aus der fremden Welt ſie hie und da verſezzet, Und Gaͤrten angelegt, durch ihrer Luſt Bemuͤhn, Der ſchoͤnſten Blumen Art vor ſich ſelbſt aufzu- ziehn. Da waͤhlen ſie die aus, die ſie als Koͤniginnen, Von einer jeden Art vor andern lieb gewinnen. Sie ſchaffen Saamen an, und Zwiebeln draus der Fleis So mancherlei erzielt, die roth, gelb, gruͤn und weis; Und die vor andern ſchoͤn nach ihrer Meinung glaͤnzen; Die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen02_1747
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen02_1747/306
Zitationshilfe: Ebeling, Johann Justus: Andächtige Betrachtungen aus dem Buche der Natur und Schrift. Bd. 2. Hildesheim, 1747, S. 294. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ebeling_betrachtungen02_1747/306>, abgerufen am 17.06.2021.